Hart, durchsetzungsfähig, leistungsorientiert, geradezu „männlich", so wird Claudia de Medici beschrieben. 1625 heiratet die jugendliche Witwe des Federigo Ubaldo von Urbino den Tiroler Erzherzog Leopold V., Bruder des Habsburgerkaisers Ferdinand II. In 6 Ehejahren bringt sie 5 Kinder zur Welt, darunter 2 Söhne, die die landesfürstliche Nachfolge sichern.

Leopold V., Graf von Tirol, stirbt bereits 1632. Claudia übernimmt, wie im Testament bestimmt, die Herrschaft der gefürsteten Grafschaft Tirol, damals ein Gebiet, das Tirol bis an den Ziller und an den Gardasee bis nach Ala umfasst, zu dem das heutige Vorarlberg und Besitzungen am Rhein, unter anderem auch das begehrte Elsass gehören. 14 Jahre lang wird Claudia die gefürstete Grafschaft Tirol allein regieren, bis zur Volljährigkeit des Regentschaftserben Ferdinand Karl, unter anderem beraten vom legendären Kanzler Wilhelm Bienner.

Vor 400 Jahren, am 4. Juni 1604 wird sie in Florenz geboren. Obwohl der Historiker Franz Carl Zoller 1816 in seiner Innsbrucker Stadtgeschichte schreibt „Claudiens Andenken bleibt allen Tirolern gesegnet", sind die Leistungen der Claudia de Medici im Bewusstsein der Tirolerinnen und Tiroler nicht mehr allzu präsent.

In Zeiten des 30jährigen Krieges, der Pest und dunkler Ängste der Bevölkerung vor Hexen und Dämonen hält die Toskanerin vom Florentiner Groherzogshof in 14 Jahren Alleinherrschaft für ihren Sohn Land und Geld zusammen. Aus reichem Haus, verwöhnt mit Kultur und Luxus, mausert sich die ehrgeizige junge Frau und fünffache Mutter nach dem plötzlichen Tod ihres Gemahls am 13. September 1632 zur bodenständigen Regentin.

Prunk und Pracht aus ihrer Zeit haben sich nicht erhalten. Weder ihr legendärer Schmuck, die kostbaren Roben, der luxurise Hausrat aus ihrer Mitgift noch Zeugnisse des höfischen Lebens am Innsbrucker Hof. Das kennt die Nachwelt nur aus Berichten.

Ihr kluger Realismus sichert nach 14 Jahren Alleinherrschaft ihrem Sohn Ferdinand Karl trotz widriger politischer und sozialer Voraussetzung eine geordnete Herrschaft.

Bewährt hat sie sich in kriegerischen Zeiten als Taktikerin, die die politische Situation ber den Tiroler Horizont hinaus zu beurteilen wusste und dadurch das Land vor schweren Kriegsschäden bewahren konnte. Viel Geld wendet sie für die Landesverteidigung auf. Die Befestigungen Ehrenberg und Scharnitz, Ehrenberg ist als Ruine noch erhalten, werden ausgebaut. Mit Geld, das durch teure Kredite aufgebracht werden muss. Oder durch Erschließen neuer Geldquellen, was in Kriegszeiten alles andere als einfach war.

Bozen erhält durch sie ein eigenes Handelsgericht. Der Merkantilmagistrat, das Merkantilgebäude ist heute ein Museum, vermittelt durch eine innovative Gesetzgebung und Organisation der Handelsgerichtsbarkeit Rechtssicherheit. Die Messe- und Handelsstadt Bozen erlebt dadurch einen Aufschwung. Außergewöhnlich daran ist auch die paritätische Besetzung der Laienrichter-Gremien durch deutsche und italienische Handelsherren und die zweisprachig geführten und protokollierten Rechtsverhandlungen.

Neben der Befestigungsanlage Ehrenberg im Außerfern und Bozen hinterlässt die Landesfürstin in Innsbruck unter anderem mit dem Claudiasaal, dem alten Regierungssitz, sowie Claudiaplatz und Claudiastraße im Innsbrucker Saggen ihre Spuren. Geistliche Stiftungen finden sich in der Servitenkirche oder in Claudias Privatkapelle bei den Franziskanern. In Schloss Ambras hngen einige wertvolle Porträts ihrer Habsburger- und ihrer Medici-Familie.

1648 stirbt die „geborene Prinzessin von Toskana" in Innsbruck, knapp über 44 Jahre alt. In der Krypta der Jesuitenkirche liegt Claudia de Medici begraben.

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
A-6020 Innsbruck
Österreich
+43 512 5346-0
email

Terminvorschau

Mittwoch der 6. Osterwoche
Mi., 24. 5. 2017
07.30 Uhr: Eucharistiefeier in der Krypta (mit P. Peter Fritzer SJ)
18.00 Uhr: Aussprache / Beichte …

Details

Suche

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck •