Die erste Aufgabe, die den Jesuiten 1561 in Innsbruck übertragen wurde, war die Führung eines Kollegs und einer Schule. Die Gründung der Universität erfolgte erst 100 Jahre später. Bis dahin war die Kirche — erbaut unter großen Anstrengungen während des 30-jährigen Krieges — neben einer Seelsorgskirche vor allem eine Schulkirche. Erst seit der Gründung der Universität im Jahre 1669 wurde die Kirche dann für beide Einrichtungen genutzt. Den offiziellen Titel „Universitätskirche" hatte die Kirche aber damals auch noch nicht. Das Leben in Schule und Universität blühte: In den letzten Jahren vor der Aufhebung des Ordens hatte die Philosophische Fakultät circa 200 Studenten, die Theologische Fakultät etwa 120 Hörer. Dazu besuchten über 500 Schüler das Jesuitengymnasium. Gottesdienste, Predigten, Jesuitendramen und Barocktheater findet man nun in der Kirche: Es herrschte regen Leben!

Als dann 1773 der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ging der gesamte Besitz des Ordens und damit auch die Kirche in Staatsbesitz über. Am 5. Sept. 1777 wurde die „Dreifaltigkeitskirche" in einer k.k. Hofresolution „als Universitäts- oder akademische Kirche erklärt" und ihre Verwaltung dem Rektor und Senat der Universität übergeben. Als nach der Wiedererrichtung des Ordens im Jahre 1838 von neuem Jesuiten nach Innsbruck kamen, wurde ihnen wieder im vollen Umfang die Seelsorge an der Universitätskirche übertragen, zunächst aber nicht wieder die Aufgaben an der Universität; denn diese war 1781 ebenfalls gänzlich aufgehoben worden und erst 1826 wiedererrichtet worden, jedoch zunächst ohne Theologische Fakultät. Als diese dann 1857 wieder dazukam, wurde sie auch wieder der Gesellschaft Jesu übertragen. Die rechtliche Struktur aber blieb bis heute, wie sie seit 1773, bzw. 1777 war: Die Universitätskirche/Jesuitenkirche gehört der Universität Innsbruck und damit der Republik Österreich. Und die Jesuiten haben alle Verantwortung und alle Freiheit für die Seelsorge.

Und was machen sie heute mit dieser Doppelstruktur, die Jesuiten in Innsbruck, in einer Kirche, die der Universität gehört? Aus den heutigen Schwerpunkten entdeckt man unschwer die Geschichte der Kirche wieder, die gewachsenen Traditionen und auch die Doppelstruktur „Jesuitenkirche/Universitätskirche". Dazu kommt das Geschenk einer gelungenen Architektur: Eine frühbarockes „Gesamtkunstwerk" eignet sich auch für kulturelle Ereignisse. Entscheidend aber ist vor allem, was sich aus der Sendung des Jesuitenordens heute für die Kirche ergibt.

Die erste Priorität liegt nach wie vor in der Seelsorge, und zwar liegt in bewusster Selbstbegrenzung der Schwerpunkt auf der Seelsorge im akademischen Bereich. Besonders natürlich gehört hierher die Zielgruppe aus der „Nachbarschaft", also der Lehrenden und Lernenden der Theologischen Fakultät. Daraus ergibt sich vor allem die Aufgabe der Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät. Diese Zusammenarbeit ist bei vielen Gelegenheiten sichtbar, so bei den Eröffnungs- und Abschlussgottesdiensten der Theologischen Fakultät, bei besonderen Ereignissen, insbesondere auch bei den „Universitätspredigten", deren Tradition nach der Restaurierung der Kirche im Jahre 2004 wieder aufgenommen worden ist.

Auch von der Tradition der Schulkirche ist noch ein klein wenig spürbar. Die Schulen der Umgebung, also vor allem das Bundesgymnasium Sillgasse und das Akademische Gymnasium kommen bis heute bei Anfangs- und Schlussgottesdiensten gerne zu uns in die Jesuitenkirche.

Mit der Erweiterung der Universitätsbauten im 19. Jahrhundert und mit der Verlagerung vieler Fakultäten an den Innrain, auf die andere Seite der Altstadt, entstand konsequenterweise auch in der Seelsorge ein zweiter Schwerpunkt, die „Universitätspfarre St. Clemens", die ihre Kirche jetzt gerne „Neue Universitätskirche am Innrain" nennt. Zwischen beiden gibt es seit der Wiedereröffnung der Jesuitenkirche wieder eine rege Zusammenarbeit. So werden vor allem die Gottesdienste am Semesteranfang und Semesterende, aber auch die Gottesdienste zu besonderen Anlässen in der größeren und „offiziellen" Universitätskirche gefeiert.

Die Zusammenarbeit mit der Universität zeigt sich in formalrechtlicher Hinsicht darin, dass sie die offizielle Mieterin der Kirche gegenüber dem Staat ist. Nach außen hin zeigt sie sich vor allem bei außerordentlichen Ereignissen, so ganz offiziell und eindeutig bei der Wiedereröffnung nach der Restaurierung, als der Rektor der Universität seine Ansprache dem Thema widmete, was das bedeute, dass eine Universität eine eigene Kirche habe. Auch in der Mitwirkung des Universitätschors und des Universitätsorchesters bei verschiedenen Gottesdiensten und die Konzerte der beiden Ensembles in der Kirche machen deutlich, was zusammengehört.

Alles in allem ergibt sich nach zwei Jahren seit der Wiedereröffnung das Ergebnis einer erfreulichen Zusammenarbeit. Hierher gehört dann für die Zukunft auch der Wunsch, dass der dritte Name dieser Kirche ebenfalls immer wieder Wirklichkeit werden kann: Das Patrozinium der Hll. Dreifaltigkeit erinnert uns immer wieder daran, dass wir möglichst nicht am eigenen Profil, sondern zum Wohl der Menschen und zur größeren Ehre Gottes arbeiten sollen.

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