Decke

Die Baugeschichte

Im Jahre 1561 gründete der Jesuitenorden auf Einladung Kaiser Ferdinands I. in Innsbruck eines der ersten „Kollegien" im deutschen Sprachgebiet — so nennen die Jesuiten bis heute ihre Schulen. Vertreter des Ordens bei den Verhandlungen war Petrus Canisius als Provinzial der Oberdeutschen Provinz, der selber schon in Messina und Wien Erfahrungen mit dieser schulischen Bildungsarbeit gesammelt hatte. Das den Jesuiten dabei zugewiesene alte Salvatorkirchlein erwies sich allerdings bald als zu klein, da zur Schultätigkeit auch eine ausgedehnte Seelsorgetätigkeit der Patres hinzukam. Unter Erzherzog Ferdinand II. (1563—1595) wurde daher von 1568 bis 1571 dieses Kirchlein zur ersten Dreifaltigkeitskirche des Kollegs erweitert. Erst Jahrzehnte später dachte man an einen Neubau. Der Landesfürst Erzherzog Maximilian der Deutschmeister (1602—1618), kaufte den Baugrund für die neue Dreifaltigkeitskirche. Die oberdeutschen Jesuiten hatten inzwischen ein Team mit großer Bauerfahrung. Dazu gehörten der Münchner Maler und Architekt Matthias Kager, der Bauleiter Pater Christoph Scheiner aus Ingolstadt, der Maurermeister Johann Albertaler aus Graubünden und später Pater Karl Fontaner aus Südtirol. Diese Gruppe hatte sich bereits beim Bau der Jesuitenkirche in Dillingen/ Bayern bewährt und übernahm nun die Planung und die Bauaufsicht. Nach dem Vorbild von Dillingen errichtete sie 1619—1622 einen großen Hallenbau. Die Fundamente waren allerdings nicht tragfähig genug, so dass diese Kirche 1626 bereits als Rohbau einstürzte.

Daraufhin ersuchte der neue Landesfürst Erzherzog Leopold V. (1619-1632) den bedeutenden italienischen Architekten Santino Solari, der gerade zu dieser Zeit den Dom zu Salzburg baute (1614—28), und den augsburger Stadtbaumeister Elias Holl um die Erstellung eines Gutachtens und schickte Pater Fontaner sowie den neuen Maurermeister Adrian Pfefferle aus dem Lechtal zur Erkundung nach Salzburg. Sie schufen schließlich von 1627—1633 einen Neubau, der vor allem durch die Kuppel und die kräftig gegliederte Doppelturmfassade die Verwandtschaft mit der Salzburger Hauptkirche erkennen lässt. Infolge der Wirren des Dreißigjährigen Krieges blieben die Fassadentürme damals allerdings unvollendet. Ab 1640 stand die Kirche für den Gottesdienst zur Verfügung und konnte schließlich am 21. Jänner 1646 vom Brixener Weihbischof Antonius Crusinus konsekriert werden. Die Seitenaltäre wurden erst in den folgenden Jahrzehnten ergänzt. Bei einer gründlichen Renovierung bekam die Kirche 1757 mit dem Hochaltar ihre endgültige spätbarocke Raumgestalt. Dieser Altar wurde jedoch beim Luftangriff 1943 zerstört und erst wieder im Jahre 2004 nach vorhandenen Vorlagen getreu rekonstruiert.

1773 wurde durch Papst Klemens XIV. der Jesuitenorden aufgehoben. Die gesamte Anlage - Jesuitenkolleg, Gymnasium und Kirche — wurden in Staatsbesitz überführt, und die Kirche wurde zur Universitätskirche erklärt. Erst 1838/39 kehrten die Jesuiten nach Innsbruck zurück und übernahmen zunächst die Leitung des Gymnasiums, eines Adeligenkonvikts und zusätzlich die Betreuung der Dreifaltigkeitskirche mit Gottesdienst und Predigt.

Vollendung — Zerstörung — Wiederaufbau

Die ursprünglich nach dem Vorbild des Salzburger Doms entworfene Fassade wurde erst 1900/01 mit der Errichtung der beiden Türme und des Giebelaufsatzes nach Plänen Friedrich Schachners vollendet. Ermöglicht wurde dies durch die Großzügigkeit eines Mäzens, des Freiherrn Hans von Sieberer. Das neue Geläute, gestiftet von Leonhard Lang fiel jedoch schon 1916 dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Im Zweiten Weltkrieg wurde am 15. Dezember 1943 beim allerersten Luftangriff auf die Stadt die Kirche schwer getroffen. Die Kuppel wurde weitgehend zerstört und musste abgetragen werden. Das Gewölbe des Presbyteriums und das Langhausgewölbe stürzten zum Teil ein. Die Einrichtung der Kirche ging großenteils verloren, darunter auch der prachtvolle Hochaltar mit dem Altarbild von Christoph Jäger aus Antwerpen (1628), das Ignatius bei einer Dreifaltigkeitsvision zeigte. Nur die Krypta blieb unversehrt. Die von höchster Stelle bereits geplante Sprengung der noch weitgehend unbeschädigten Teile wurde in letzter Minute verhindert. 1946 begannen die Wiederaufbauarbeiten, die aus staatlichen Mitteln finanziert wurden. Trotz mancher Schwierigkeiten gediehen sie dank zahlreicher tatkräftiger Förderer. Mit Ausnahme der Fürstenkapelle und der Fürstenloge über der rechten Sakristei, von der nur Raum und Name geblieben sind, konnte die Kirche bis 1953 in ihrer ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt werden. An die Stelle des zerstörten Hochaltares wurde der Ignatiusaltar gesetzt, wo er bis zum Jahr 2003 blieb. Am 26. April 1953, am Vortag des Festes von Petrus Canisius, wurde die Kirche durch Bischof Paulus Rusch eingeweiht und für den Gottesdienst geöffnet.

Zerstoerung

Die Bombardierung der Jesuitenkirche hatte auch die damals erst zehn Jahre alte 25-registrige Mauracher-Orgel zerstört. Am 9. Mai 1959 konnte aber eine neue Orgel eingeweiht werden, die von der Firma E. F. Walcker aus Ludwigsburg/Württemberg stammt.

Die zum 150. Jahrestag des Tiroler Freiheitskampfes von den Tiroler Schützenkompanien gestiftete Schützenglocke im linken Turm wurde am 19. Juli 1959 geweiht. Sie ist mit 9.200 kg Gewicht die viertgrößte Glocke Österreichs und überhaupt die größte freischwingende Glocke des Landes. Gegossen wurde sie von der Fa. Grassmayr in Innsbruck.

Die Restaurierung

In den Jahren 2003 und 2004 fand unter der Bauleitung von Architekt Helmut Dreger aus Hall eine gründliche Innenrenovierung statt. Unmittelbar beim Haupteingang wurde ein großzügiger neuer Zugang zur Krypta geschaffen. Der frühbarocke Stern im Marmorboden unter der Kuppel wurde in bewundernswerter Kleinarbeit restauriert. Schließlich wurde der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Hochaltar wieder aufgebaut. Er wurde an Hand von genauen und gut erhaltenen Vorlagen in der Form von 1757 rekonstruiert und gibt dem Gesamtraum wieder das spätbarocke Raumgefühl zurück. Für die Gottesdienste wurde ein neuer Volksaltar geschaffen und so aus der Vierung zurückgenommen, sodass der einmalige frühbarocke Stern des Fußbodens sichtbar bleibt.

Der Außenbau

Bei der Innsbrucker Jesuitenkirche handelt es sich um eine Kreuzkuppelkirche nach dem Vorbild der frühen römischen Jesuitenkirchen Il Gesù und Sant' Ignazio. Die Kirche ist nach Süden ausgerichtet. Sie hat eine Gesamtlänge von 63 Metern, eine Gesamtbreite von 27 Metern, die Kuppel erreicht eine Höhe von 46 Metern. Sie ist eine im Grunde dreischiffige Anlage mit Querhaus und niedrigeren Seitenschiffen. Über der Vierung erhebt sich ein achteckiger Tambour mit Fensterkranz. Die kupfergedeckte Kuppel trägt eine fensterdurchbrochene Laterne. Schon in seinem äußeren Erscheinungsbild wirkt das Bauwerk inmitten des ehemaligen Jesuitenkollegs (der heutigen Theologischen Fakultät) mit seinen Doppeltürmen und der mächtigen Kuppel monumental und repräsentativ.

An das Salzburger Bauwerk erinnert vor allem die von zwei Türmen flankierte, streng gegliederte Fassade, die vom Innsbrucker Hofbaumeister Christoph Gumpp entworfen wurde. Sie ist gegenüber der Straßenflucht (Universitätsstraße) zurückgesetzt und mit den Schmalseiten der alten Universität und der alten Bibliothek zu einem nahezu quadratischen Platz verbunden. In den gesprengten Segmentgiebeln der Fenster prangen die Wappen des landesfürstlichen Stifterpaares Leopold V. und Claudia de Medici. Die Fassade wird beherrscht von der Dreifaltigkeitsgruppe des Giebelaufsatzes.

Der Innenraum

Die Beschreibung des Innenraumes nimmt zunächst den Gesamtraum in den Blick, wie er sich von den beiden Eingängen vom Karl-Rahner-Platz her zeigt, beginnend vom schmiedeeisernen Gitter bis zum barocken Hochaltar. Die Erläuterung der Ausstattung beginnt dann vorne auf der linken Seite und folgt dem Gegenuhrzeigersinn nach rechts vorne.

Innenraum

Beim Eintreten durch die beiden schlichten Rundportale dominiert zuerst die Längsachse. Sie zielt auf den monumentalen Hochaltar, der zunächst als das Raumziel erscheint. Erst beim Gang nach vorne eröffnet sich der Blick auf die monumentale Kuppel, und die Kirche erweist sich in Wahrheit als Zentralbau.

Kruzifix

Das prunkvolle Schmiedeeisengitter der Vorhalle stammt aus dem Jahre 1667 und zeigt im oberen Abschluss Spiralranken mit Rosen. Das Kruzifix vor der Mittelsäule stammt aus dem 18. Jh. und ist in Ausdruck und Körperdurchbildung überaus eindrucksvoll. Gleich am Eingang einer prachtvollen Barockkirche macht so die Gestalt des Gekreuzigten deutlich, dass alle Herrlichkeit nur in der Nachfolge Jesu des Gekreuzigten gefunden werden kann. Auch im ganzen Kirchenraum begegnet uns das Zeichen des Kreuzes immer wieder: am Eingang, im Grundriss und im „IHS" über dem Hochaltar - dem Zeichen für „Jesus" und zugleich Wappen der Gesellschaft Jesu. Die Emporenanlage beim Eingang stützt sich auf zwei Arkadenbögen, die auf einer kräftigen Säule ruhen. Dadurch ist die für diese Kirche charakteristische Doppelstruktur markiert, die bereits bei der Fassade beginnt und durch die beiden schmucklosen Eingangstore nach innen und außen deutlich wird. Auch das Langhaus hat im Inneren keinen Mittelgang. Die Bänke sind zu einem kompakten Mittelblock zusammengefasst und zwei Seitengänge führen nach vorne.

Die Kirche ist eine Grunde dreischiffige Anlage mit Querhaus. Die Seitenschiffe sind niedriger und in je zwei Kapellen mit Emporen unterteilt. Mit 6,70 m bei nur 11,75 m Mittelraumbreite ist ihre Tiefe ungewöhnlich. Das Querhaus hat dieselbe Tiefe.

Die klare Gliederung des Langhauses, die bei dem eher sparsamen Schmuck deutlich heraustritt, bestimmt den monumentalen, strengen Charakter: Langhaus, Querschiff und Chor der Kirche sind mit Tonnengewölben eingedeckt, in das von den Seiten her Stichkappen hereinragen. Sämtliche Wand- und Gewölbefelder sind mit kräftigem Stuckdekor versehen. Über den Arkaden der Seitenkapellen öffnen sich Emporen, deren Balustraden mit Inschrifttafeln versehen sind. Sie weisen auf den Patron der jeweiligen Seitenkapelle hin.

Das Langhaus ist — abgesehen von den kleinen Fenstern des obersten Geschosses — nur indirekt aus den tiefliegenden Fenstern der Seitenkapellen und der gedrückten Lichtgaden erhellt. Dieses Licht überspielt die Wände und bringt ihr kühles Weiß zum Rot der Marmorpilaster, dem Schwarz der Emporenbrüstungen und dem dunklen Holz der Ausstattung in wirkungsvollen Kontrast. Derselbe Farbdreiklang kehrt im Fußboden wieder, so dass ein durchdachtes Konzept für die Gestaltung eines barocken Gesamtkunstwerks sichtbar wird.

Kuppel

Die Vierung ist das Herzstück des Zentralbaues — und auch ein Herzstück der Theologie des Barock. Der Fußboden an dieser Stelle ist besonders kunstvoll gelegt, hauptsächlich aus Untersberger Marmor, und ebenso kunstvoll renoviert, ohne die Narben des letzten Krieges weg zu retuschieren. Die Vierungs-Pfeiler verweisen auf die vier Himmelsrichtungen der irdischen Dimension. Darüber erhebt sich die Kuppel, das Abbild des Himmels. Aus der Abschlusslaterne zeigt sie uns das Symbol der Heiligsten Dreifaltigkeit und bringt damit die Botschaft zum Ausdruck: Die Erde ist mit dem Himmel verbunden, das erlösende Kreuz Jesu Christi mündet in die Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes.

Stern in der Vierung

Für diesen Bau wurden die modernsten Anregungen der Entstehungszeit aufgegriffen und miteinander verbunden. Man findet den Einfluss des römischen Frühbarocks, wie er vom Modell der römischen Jesuitenkirche il Gesú ausging und durch die süddeutschen Jesuitenkirchen vermittelt wurde. Ebenfalls diente der Salzburger Dom zur Orientierung. Nicht zu unterschätzen ist auch der Einfluss von St. Michael in München.

Wandschmuck und Ausstattung des Langhauses

Die maßvollen Stuckaturen wurden 1634—1637 unter der Leitung von Meister Georg Braun aus Wessobrunn (Bayern) durch Stuckateure aus dem Lechtal, aus Weilheim und Wessobrunn geschaffen und nach der Zerstörung der ursprünglichen Gestaltung gemäß erneuert. Der Innsbrucker Maler Hans Schor und der Bildhauer Florian Nut waren am Entwurf der Stuckdekoration beteiligt, die vom Münchner Felderstuck im Langhaus zu dem damals völlig neuen Ohrmuschelstil im Altarraum übergeht. Besonders originell ist der Stuck der beiden hinteren Seitenkapellen, wo in Landkartenform die zur Bauzeit bestehenden Provinzen des Jesuitenordens dargestellt sind. Die Beichtstühle — unentbehrlich für eine Seelsorge, die sich auch dem einzelnen Menschen zuwendet — sind einfache Renaissancearbeiten nach Entwürfen des Hofbaumeisters und Tischlers Christof Gumpp aus dem Jahr 1628. Die in der Kirche ringsum angebrachten zwölf Apostelzeichen wurden vom Innsbrucker Hofbildhauer Kaspar Gras um 1622 geschaffen: Kreuze auf halbrund vortretenden Marmorschildern und darüber Engel-Brustbilder aus Bronze. Sie erinnern an das bleibende Fundament der Kirche, das durch die zwölf Aposteln zum Ausdruck kommt . — Die große Turmuhr ist das Werk des Jesuitenbruders Aurelius de S. Daniele aus dem Jahr 1719.

Die Kirchenbänke mit ihrem spielerischen Knorpelwerk und den ovalen Durchbrechungen der Rücklehnen stammen aus den Jahren 1648/49. Für das Knorpelornament dürfte der Jesuitenbruder Kaiser die Entwürfe gemacht haben.

Noch ein weiteres hervorragendes Werk der Kunstschreinerei ist Bruder Kaiser zuzuschreiben: die reich verzierte Kanzel. In den Jesuitenkirchen ist die Kanzel ein wichtiges Merkmal. Gerade in der Zeit des Humanismus ist die Bildung ein besonderer Schwerpunkt, dem sich die Jesuiten von Anfang an verpflichtet fühlten und der vor allem in der Lehre und in der Predigt zum Ausdruck kam. Das große vergoldete „C" mit einem Krönchen auf der dem Hochaltar zugewandten Seite bezeugt sie als Stiftung der Erzherzogin Claudia de Medici (+ 1648).

Orgel

Die Walcker-Orgel von 1959 hat 33 Register, verteilt auf Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk und Pedal. Die Disposition wurde von Anton Heiller, einem der bedeutendsten österreichischen Organisten und Komponisten der Nachkriegszeit erstellt. Das Gehäuse hat Architekt Alfred Matuella entworfen. Diese Orgel gehört zu den ersten großen rein mechanisch gebauten Instrumenten in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg und verdient es, als sehr gut gelungenes Klangdokument dieser Zeit geschätzt zu werden. Diesem Tatbestand wurde auch durch eine gründliche Generalrenovierung 2004/2005 durch Orgelbaumeister Christian Erler aus Schlitters/Tirol Rechnung getragen.

Hochaltar und Volksaltar

Der 1943 zerstörte Hochaltar aus dem Jahre 1757 konnte an Hand von alten Fotos, Skizzen und Stichen im Jahr 2004 getreu rekonstruiert werden. Er füllt nun wieder mit seinen 16,5 Metern Höhe die Apsis aus. An Stelle des ebenfalls zerstörten Altarbildes wurde mit dem ehemaligen Altarbild des Domes St. Jakob ein guter Ersatz aus der Entstehungszeit des zerstörten Hochaltares gefunden. Es war 1728 von Antonio Balestra aus Verona geschaffen worden und stellt den Apostel Jakobus bei einer Dreifaltigkeitsvision dar: So schlägt dieses Altarbild jetzt eine Brücke zum ehemaligen Hochaltarbild mit der Dreifaltigkeitsvision des hl. Ignatius und ebenso zur Dompfarre St. Jakob, auf deren Territorium die Jesuitenkirche steht. Jakobus ist umgeben vom hl. Cassian, dem Patron der Diözese Brixen, zu der auch bis 1964 Nordtirol bis zum Ziller gehörte, und vom Mönchsvater Antonius, dem Patron der geistlichen Ordensgemeinschaften. Der Tabernakel stammt aus Längenfeld im Ötztal und ist in der Barockzeit geschaffen worden. Die beiden äußeren Statuen wurden der Kirche bereits bei ihrer Wiedereröffnung 1953 vom Volkskundemuseum als Ersatz für die zerstörten Figuren von Petrus und Paulus überlassen. Die seitlichen Emporen des Altarraumes, getragen von Engeln, waren einst den Fürsten vorbehalten. Der von Architekt Helmut Dreger neu geschaffene Volksaltar besteht in großem Kontrast zur sonstigen Einrichtung der Kirche aus modernem Material, aus südafrikanischem Granit und aus Metall, und wird auf diese Weise sofort als spätere Installation erkennbar. Der optische Eindruck — Schwarz und Silber — soll an die traditionellen „Jesuitenfarben" des Frühbarocks erinnern.

Die Seitenaltäre entstammen alle dem 17. Jahrhundert, sind einheitlich Salzburger Provenienz und in Material (Untersberger und Adneter Marmor, zum kleineren Teil auch Trentiner Marmor) und Aufbau gleichartig.

Das Altarblatt des Seitenaltares im linken Querschiff zeigt den himmlischen Triumph des Apostels und Märtyrers Judas Thaddäus, der in schweren Nöten und in verzweifelten Situationen angerufen wird. Es stammt aus dem Jahr 1684 und ist eines der frühesten Werke von Andreas Wolf aus München, der von Schönfeld und Caravaggio beeinflusst ist. Auf der Mensa dieses Altares befindet sich eine der größten Kostbarkeiten der Jesuitenkirche, das Herz-Jesu-Bild. Das Bild wurde 1767 in Rom nach dem Werk des Malers Pompeo Girolamo Battoni für die Innsbrucker Kirche geschaffen. Vor ihm kniete schon Andreas Hofer. Während der Einfälle des revolutionären Frankreichs und später Napoleons, von denen man aufgrund der Ereignisse in Frankreich auch für den Glauben das Schlimmste befürchten musste, vertraute sich das gefährdete Land Tirol dem Schutz des göttlichen Herzens an. Das von den Ständen des Landes zuerst nur in Bozen gefeierte Treuegelöbnis wurde vor diesem Bild 1796 und noch einmal 1809 für ganz Tirol erneuert. Heute ist die Herz-Jesu-Verehrung vor allem eine kostbare Zusammenfassung der Geschichte Gottes mit den Menschen, der zu aller Zeit ein Herz für die Menschen hat: Im durchbohrten Herzen Jesu wird Gottes Liebe für uns deutlich. — Die kleineren Bilder zu beiden Seiten des Herz-Jesu-Bildes stellen den hl. Johannes Berchmans (links) und den hl. Aloisius Gonzaga (rechts) dar. Beide sind in jungen Jahren, bereits während der Ausbildung, gestorben und so die Patrone der Jugend geworden. Auf der gegenüberliegenden Wand stellt ein Bild des 17. Jahrhunderts die Marter der Jesuiten Paul Miki, Jakob Kisai und Johannes de Goto dar (+ 1597 in Japan).

Als weiteren Schatz birgt die Kirche in der vorderen linken Seitenkapelle die Gebeine des hl. Pirmin (+753), des großen Klostergründers und Missionars der Karolingerzeit am Oberrhein (vor allem Mittelzell auf der Reichenau und Hornbach in der Pfalz). In den Glaubenskämpfen der Reformation rettete zunächst der letzte Abt von Hornbach, Graf Anton von Salm die Reliquien und brachte sie nach Speyer. Von dort nahm sie der Präsident des Reichskammergerichts, Schweickhard von Helfenstein 1575 mit nach Innsbruck, als er dort Statthalter von Tirol wurde. Sie ruhen jetzt in dem modernen Reliquienschrein, einem Werk von Rudolf Millonig, den die Stadtgemeinde Innsbruck 1954 gestiftet hat. Seit 1611 ist Pirmin einer der Innsbrucker Stadtpatrone gegen die Pest. Er wird auch im Altarblatt von Johann Christoph Storrer aus Konstanz (1667) als Patron der Pestkranken dargestellt, ebenso wie auf dem in der Rückwand der Kapelle eingelassenen Gemälde (1680). Dieses zeigt im übrigen eine exakte Stadtansicht von Innsbruck mit der Nordkette im Hintergrund.

In der Stuckdecke der Ignatiuskapelle ist der Ordensgründer Ignatius als „Stern des Abendlandes" dargestellt, der über Spanien und Italien, Deutschland und Frankreich erstrahlt. Ignatius, geboren in Loyola im Baskenland um 1491, stand bis zu seiner Verwundung im Navarresischen Krieg (1512—22) im Dienst des spanischen Königs. Er suchte dann in einem langen Weg seine Berufung und gewann die ersten Gefährten dafür. 1540 wurde die „Gesellschaft Jesu" von Papst Paul III. offiziell gegründet. Ignatius war ihr erster Generaloberer, wirkte in Rom und starb 1556. Der seit der Renovierung von 2003/04 an seinen ursprünglichen Platz zurückgekehrte barocke Ignatiusaltar ist eine Gabe der Eleonore von Österreich, Gemahlin Karls V. von Lothringen, Statthalters von Tirol, aus dem Jahr 1680. Das Altarbild von Caspar Sing aus München zeigt den Stifter des Jesuitenordens in der Schau der Heiligsten Dreifaltigkeit, der die Kirche geweiht ist. Die Steinplastiken am Altar stellen den hl. Josef mit dem Jesuskind (links) und den hl. Joachim mit dem Kind Maria (rechts) dar. Das Bild der Auffindung des hl. Ignatius auf der Rückseite der Kapelle ist seiner Malweise wegen beachtlich.

Die Seitenaltäre der rechten Seite

Die nördliche rechte Seitenkapelle ist dem hl. Franz Xaver geweiht. Er war ebenfalls Baske (1506—1552) und stand im Navarresischen Krieg auf französischer Seite. Er traf Ignatius an der Universität in Paris und konnte von ihm nur mit einiger Mühe für die Gruppe der ersten Gefährten gewonnen werden. Dann aber wurde er der größte Missionar des Jesuitenordens und starb vor den Toren Chinas. Ignatius und Franz Xaver wurden im gleichen Jahr (1622) heilig gesprochen. Dem aus Biberach stammenden Maler Heinrich Schönfeld wird das Gemälde des Franz-Xaver-Altars zugeschrieben, das den Heiligen bei der Taufe eines indischen Edelmanns zeigt (um 1670). Die Seitenstatuen zeigen Christus als guten Hirten und einen Jesuitenmissionar, der einen Heiden auf dem Rücken trägt. An der Rückwand der ihm gewidmeten Seitenkapelle ist das Krebswunder dargestellt, durch das der Heilige sein Kruzifix aus dem Meer zurück erhielt. Ähnlich wie in der Ignatiuskapelle zeigt die Stuckdecke einen Stern zwischen Indien und China, Japan und den Molukken und verherrlicht so den hl. Franz Xaver als „Lichtbringer des fernen Orients".

Der Marienaltar enthält ein ausdrucksstarkes Altarblatt von Johann Christoph Storrer aus Konstanz, das die Verkündigungsszene darstellt (1667). Es erinnert in der Malweise an Gemälde von Peter Paul Rubens. Im reich verzierten Glasschrein auf dem Altartisch steht die Statue „Unserer lieben Frau von Foja". Ihre Verehrung geht auf den Fund einer kleinen, steinernen Statue im verwachsenen Hohlraum einer mächtigen Eiche bei Dinant in Belgien zurück - dargestellt im Rückwandbild der Kapelle. Die Statue und das Holz der Eiche, in der sie wohl einmal verborgen worden war, erwiesen sich bei gläubiger Berührung als wundertätig. Darum wurden aus diesem Eichenholz zahlreiche Nachbildungen geschnitzt. Eine von ihnen gelangte nach Breda in Brabant. Als die Festung nach monatelangen Kämpfen den holländischen Kalvinern überlassen werden musste, wurde die Statue von den Patres des dortigen Jesuitenkollegiums 1639 nach Innsbruck in Sicherheit gebracht. Als „Mutter der Barmherzigkeit" gehört diese Kostbarkeit seither zu den viel besuchten Gnadenbildern des Landes. Das bekannte Lied „Maria, breit den Mantel aus" ist schon 1640 aus dieser Verehrung heraus entstanden.

Der Schutzengelaltar im rechten Querschiff mit dem Altarbild von Storrer — wie überhaupt die Präsenz von Engeldarstellungen überall in der Kirche — ist Ausdruck des tiefen Vertrauens in die Führung Gottes, wie sie im Psalm 91 zum Ausdruck kommt: „Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf allen deinen Wegen...„ — Davor steht das von Franz Xaver Dietrich 1926 gemalte Bild des großen Kirchenlehrers Petrus Canisius. Es wurde anlässlich seiner Heiligsprechung (1925) aufgestellt. Petrus Canisius ist vor allem als Gründer des Innsbrucker Kollegs in besonderer Weise dieser Jesuiten- und Universitätskirche verbunden. Nach seiner Zeit als Oberer hat er darüber hinaus noch einige Jahre in Innsbruck und Hall i.T. als Seelsorger gewirkt (1571—1577). Seine drei Katechismen sind für viele Generationen das entscheidende Glaubensbuch geworden. Die letzten Jahre hat er in Fribourg/Schweiz gelebt und ist auch dort begraben. Er ist seit der Gründung der Diözese Innsbruck (1964) der Diözesanpatron. Von den Bildern in der Sakristei sind noch zwei gute Barockwerke aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu erwähnen, die Christus in der Verspottung und als Ecce Homo darstellen und früher als Fastenbilder Verwendung fanden.

Die Krypta

Die Krypta aus dem Jahr 1636 enthält die Fürstengruft, in der elf fürstliche Persönlichkeiten, darunter sechs Habsburger, bestattet sind. Von ihnen sind vor allem als Stifter und Hauptwohltäter der Kirche Landesfürst Erzherzog Leopold V. (+1632) und seine Gemahlin Claudia de Medici (+1648) zu nennen. Die Krypta wurde im Kriegsjahr 1941 für den Gottesdienst hergerichtet. Vorne zwischen den Fürstengräbern fand eine Pieta in Terracotta des Innsbrucker Bildhauers Hans Andre Aufstellung. — Die vorderen Räume der Krypta dienen bis heute mit ihren Nischenwänden als Begräbnisstätte der Ordensmitglieder. Im Verlauf der Zeiten wurden viele Patres und Brüder, die in Wort und Schrift oder durch ihrer Hände Arbeit zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Menschen in der Gesellschaft Jesu Dienst getan haben, in der Krypta beigesetzt. Aus jüngerer Zeit finden sich darunter so bekannte Theologen wie Josef Andreas Jungmann, Karl Rahner und Hans Bernhard Meyer, die alle an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck gewirkt haben.

Universitätskirche - Jesuitenkirche

Seit der Gründung der Universität im Jahre 1669/70 war das Gotteshaus ein Mittelpunkt des katholischen Studentenlebens. Ebenso eng wie mit Volk und Land ist die Kirche mit dem Jesuitenorden verbunden, in dessen Hände seit dieser Zeit — mehrfach durch politische Ereignisse unterbrochen — auch der theologische Unterricht an der Universität gelegt war. So wirkt der Orden bis heute gleicherweise als Lehr- und als Seelsorgsorden.

Diesem Text liegt die vorhergehende Ausgabe des Kirchenführers von 1989 zugrunde, sowie mündliche Anregungen und schriftliche Quellen vor allem von Herrn Landeskonservator Hofrat Dr. Franz Caramelle, von Herrn Univ.-Prof. Roman Siebenrock und von P. Emerich Coreth SJ. Ihnen und allen anderen, die sich für diese Ausgabe engagiert haben, danke ich herzlich.

Literatur

Die Sakralen Kunstdenkmäler der Stadt Innsbruck I und II: Österreichische Kunsttopographie. Hg. Bundesdenkmalamt. Wien 1995.
Die Jesuitenkirche zu Innsbruck. Hg. vom Jesuitenkolleg. (Unveränderter Nachdruck des Kirchenführers von 1989). Innsbruck 1999.
Franz Caramelle, Die Jesuitenkirche zu Innsbruck: Tirol 66 (2005) 34-40.
Roman Siebenrock, Eine kleine Theologie des Barocks. Rede zur Neu-Einweihung der Jesuitenkirche in Innsbruck, 5. 10. 2004.

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