Ostersonntag

Predigt zum Nachlesen von Bernhard Bürgler SJ

Symbol

Predigt zum Ostersonntag am 12. April 2020, Jesuitenkirche Innsbruck

Es ist Ostern.
Ich bin hier im Garten des Jesuitenkollegs in Innsbruck.
Blauer Himmel, die Sonne scheint, rund um mich herum blüht es ... es ist wunderschön.
Ich bin im Garten. Nicht ganz zufällig. Ostern hat nämlich viel mit Garten zu tun. Und das nicht nur weil dieses Fest in den Frühling fällt.

„Was soll auf ihrem Grabstein stehen?" Das wird Peter Handke 2012 anlässlich seines 70. Geburtstages in einem Interview gefragt. Seine Antwort: „Mein Grabspruch ist: Bin hinten." „Muss es nicht heißen: Bin unten?" fragt der Interviewer nach. Darauf Handke: „Nein. Bin hinten. So wie man bei jemandem an die Haustüre kommt, der im Garten arbeitet und ein Schild an die Tür gehängt hat: Bin hinten." Und Handke weiter: „Sie sind ein Materialist, ich bin ein Träumer. Die Träumer sind hinten, die Materialisten unten."
Mit „hinten" benennt Handke hier den Garten als „Aufenthaltsort der Träumer", also von Menschen, deren Horizont nicht bei der rein dinghaften Wirklichkeit am Ende ist.

Maria von Magdala, so erzählt der Text aus dem Johannesevangelium,
der heute als Frohe Botschaft verkündet wird, kommt zum Grab. Sie steht draußen vor dem Grab und weint. Sie beugt sich hinein. Es ist leer. Sie sieht zwei Engel in weißen Gewändern, dann den Gärtner – den Auferstandenen als Gärtner. Maria – Rabbuni / Mein Meister: sie nennen sich beim Namen, sie erkennen einander und es geschieht Begegnung. Neues Leben entsteht.

Wie kommt der Gärtner in das Osterevangelium?
Weil sich Maria von Magdala getäuscht hat? Nein. Maria sieht schon richtig. Es ist der Gärtner, es ist der Gärtner Jesus Christus der Auferstandene.

Dass das alles nicht so geschehen ist, wie es geschildert wird, ist klar. Evangelien sind keine Berichte, Evangelien sind Deutungen von Glaubenserfahrungen.
Der Autor des Johannesevangeliums verlegt die Begegnung mit dem Auferstandenen bewusst in einen Garten – so wie auch den Verrat, die Kreuzigung und das Grab.

Warum tut er das? Was will er uns damit sagen? Welches erhellende Licht wirft das auf das Geschehen und auf die Bedeutung von Ostern?
Vielleicht gehen ihre Gedanken jetzt zu einem anderen Garten, von dem in der Bibel erzählt wird. Zum Garten in Eden, zum Garten des Anfangs.
Die Spur stimmt.
Garten ist in der Bibel Ort des Lebens, des Lebens in Fülle, der Liebe und der Liebenden.
Der Mensch des Anfangs wohnt in einem Garten. Er ist glücklich, er ist in Frieden mit sich, der Welt und Gott. Er ist verbunden, ja eins mit allem. Er wird geliebt und er liebt.
So ist der Mensch – nach christlicher Überzeugung – von Gott her gedacht. So soll, so sollte es eigentlich sein.

Heute, in dieser unserer Welt, ist es nicht so. Aber das brauche ich ihnen nicht zu sagen. Wir alle wissen das, wir alle erleben es Tag für Tag – nicht zuletzt in den vergangenen Tagen und Wochen.
Es gibt Krankheit und Tod, Alleinsein und Einsamkeit, sich und andere schwer aushalten können und Gewalt, Arbeitslosigkeit und Armut, und vieles andere mehr.
Angesichts all dessen könnte man resignieren, ja, man könnte verzweifeln.

Aber genau dagegen spricht Ostern.
Auferstehung meint, das Leben siegt über den Tod. Das Leben und nicht der Tod hat das letzte Wort. So unglaublich das ist. Es war ja auch für die Jüngerinnen und Jünger damals nicht selbstverständlich. Wie oft ist von ihren Zweifeln die Rede.
Aber, was mit Jesus geschehen ist gibt uns Hoffnung!

Jesus, der Auferstandene,
er ist der Gärtner.
Das ursprüngliche Bild des Menschen – der Mensch im Glück – ist zwar überlagert, aber nicht ausgelöscht. Es ist da – und das nicht nur als Zukunft – für die Zeit nach dem Tod, sondern auch hier und jetzt, mitten im Leben.

Wo immer Leben, wo immer Lebendiges spürbar ist, auch mitten in Schmerz, Leid und Tod, wo immer Liebe erfahren und gelebt wird, auch in schwierigsten Umständen, da wird etwas von diesem Garten, diesem Ur-Garten spürbar. Und der Gärtner. Jesus – der Auferstandene.

Bin hinten. Im Garten.
Ein österlicher Mensch.
Ich wünsche Ihnen gesegnete Ostern.

P. Bernhard Bürgler SJ, Provinzial der österreichischen Jesuiten

 

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