Tagesimpuls aus der Jesuitenkirche

von Robert Deinhammer SJ, Montag, 11. Mai 2020

Symbol

Aus dem Johannesevangelium (14,26)
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Über die Dreifaltigkeit Gottes

Glauben wir Christen an drei Götter? Oder doch nur an einen, der sozusagen in drei unterschiedlichen Masken auftritt? Was bedeutet für uns die Dreifaltigkeit Gottes, von der man ja sagt, sie sei das Grundgeheimnis des christlichen Glaubens? Wir werden getauft auf den dreifaltigen Gott. Wir beginnen unsere Gebete „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Das muss doch ungeheuer wichtig sein, geradezu das Eingangstor zu allem anderen. Und dann sagt man oft, dass man das überhaupt nicht verstehen könne. Wahr ist, dass man ein Glaubensgeheimnis nicht an der Welt ablesen kann, sondern es durch Gottes Offenbarung gesagt bekommen muss. Aber wenn Gott uns etwas zu sagen hat, dann will er doch verstanden werden.

Im Glauben an den dreifaltigen Gott geht es darum, wie man Gottes Absolutheit und Transzendenz mit seiner Zuwendung zur Welt vereinbaren kann. Die ganze Welt ist hineingenommen in die ewige Liebe Gottes zu Gott, in die Liebe des Vaters zum Sohn, die der Heilige Geist ist. Jesu Botschaft, die Botschaft des menschgewordenen Sohnes, ist unser Anteilhaben an seinem Verhältnis zum Vater. Gott schenkt sich seinem Geschöpf, indem er es aufnimmt in sein eigenes dreifaltiges Leben. So ist Gott wirklich auf die Welt bezogen, ohne jedoch von ihr abhängig zu werden. Nur in dieser Weise ist Gemeinschaft mit Gott möglich.

Aber ist jetzt Gott einer oder doch drei? Nun, die eine unbegreifliche Wirklichkeit Gottes besitzt sich selbst in drei verschiedenen Weisen, nämlich als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist: Eine Natur in drei Personen. Gott-Vater als die erste Person ist ein unvermittelter Selbstbesitz der göttlichen Wirklichkeit, er ist „ohne Ursprung". Gott-Sohn als die zweite Person ist ein durch den Vater vermittelter Selbstbesitz derselben göttlichen Wirklichkeit, vom Vater „gezeugt, nicht geschaffen". Und Gott-Heiliger Geist als die dritte Person ist die gegenseitige Liebe zwischen Vater und Sohn und wird von beiden „gehaucht", weil er ein Selbstbesitz Gottes ist, der durch den Vater und den Sohn vermittelt ist. Von der Dreifaltigkeit Gottes zu sprechen ist aber nur dann sinnvoll, wenn es dabei zugleich um unser eigenes Verhältnis zu Gott geht: Wir sind geborgen in der Liebe des Vaters zum Sohn, erfüllt vom Heiligen Geist.

Konkret heißt das: Gottes Liebe zu mir hängt nicht von meiner Leistung und von überhaupt keinen Bedingungen ab. Ich kann mich auf sie unter allen Umständen verlassen, im Glück und im Leid, im Leben und im Sterben. Ich habe in alle Ewigkeit mein Zuhause in Gott, nichts wird daran etwas ändern. Ich kann aus einem letzten Vertrauen leben. Darin wurzelt alle wahre Freiheit. Der Vater hört in meinem Beten die Stimme seines Sohnes. So kann ich gewiss sein, dass mein Gebet den unendlichen Gott erreicht. Meister Eckhart hat das einmal so ausgedrückt: „Gott hat nur eine Liebe. Mit derselben Liebe, mit der der Vater seinen eingeborenen Sohn liebt, mit der liebt er mich." Über diese göttliche Liebe kann ich nur gleichnishaft in Bildern sprechen, die aus meiner ganz persönlichen Erfahrung von mitmenschlicher Liebe stammen.

Robert Deinhammer SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

Bild: Darstellung der heiligsten Dreifaltigkeit am Hochaltar von Antonio Balestra aus Verona (1728). Das Gemälde war einst im Dom St. Jakob in Innsbruck und wurde bei der Renovierung der Jesuitenkirche 2004 als Ersatz für das 1943 zerstörte Altarblatt eingesetzt.

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