Tagesimpuls aus der Jesuitenkirche

von Dominik Markl, Samstag, 9. Mai 2020

Symbol

Venus im spirituellen Zentrum der globalisierten Welt

„Geht, lehrt alle Völker und tauft sie in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!" Diese Worte des auferstandenen Christus am Ende des Matthäusevangeliums sind eine Art Gründungsmotto des – globalen – Christentums. Bei Ignatius von Loyola steht dieser Auftrag am Ende der Geistlichen Übungen, gleichsam auch ein Gründungsmotto des Jesuitenordens. Als die Innsbrucker Jesuitenkirche in den 1630er Jahren fertiggestellt wurde, sollten die Tiroler die weiten Horizonte der Welt zu Gesicht bekommen, Länder, auf die wir in den vergangenen Wochen mit Sorge geblickt haben. Italia, Germania, Hispania, Gallia erscheinen auf der Decke der Ignatiuskapelle hinten links. Gegenüber, in der Kapelle des Asien-Missionars Franz Xaver, leuchten vergoldet China, Iaponia, India, Molucae. Die Engel zwischen den Ländern tragen Fackeln und Federn – das Licht der Erkenntnis und den Fleiß der Bildung. Im Zentrum beider Kreise steht ein Stern: Orientis Lucifer, „des Ostens Morgenstern", und Occidentis Hesperus, „des Westens Abendstern". Begleitet werden diese beiden Bezeichnugen des einen Planeten Venus von geheimnisvollen Akronymen: D.I. und D.X. Neben der Lesart „Divus Ignatius" und „Divus Xaverius", lassen die Buchstaben auch die Deutungsmöglichkeit „Dominus Iesus" und „Dominus Xristus" zu, mit dem griechischen Buchstaben X, der zugleich das Kreuz repräsentiert. Wie beim Abend- und Morgenstern verweisen auch „Iesus" und „Xristus" mit zwei Namen auf eine Wirklichkeit; die menschgewordene göttliche Liebe. Iesus Xristus erscheint hier im Bild des Planeten, der von den Sumerern bis zu den Römern unter den Namen Inanna, Ischtar, Astarte, Aphrodite oder Venus als Göttin der Liebe verehrt wurde. Jene Strahlen, die die Welt zu einem Zentrum hin vereinen, gehen vom Glühen eines universalen Eros aus, dessen positive Energie die Welt durchtränkt, die in Schönheit, Weisheit und Bildung spürbar wird.

Dominik Markl SJ, Päpstliches Bibelinstitut, Rom

Bilder: Die Decken der beiden Kapellen im Norden der Jesuitenkirche.

 

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