Die Uhr in der Jesuitenkirche

Die Uhr in der Kuppel der Innsbrucker Jesuitenkirche ist groß und gut sichtbar. Sie steht still. Der einfache Grund dafür: das Uhrwerk ist laut und stört die Stille in der Kirche.
Die Zeit steht still. Dieses Gefühl kennen wir. Zum Beispiel wenn wir krank sind. Wach sein in der Nacht ... die Stunden scheinen endlos. Als Gefängniskaplan weiß ich, dass für viele Häftlinge die Zeit nicht vergeht – sie steht still.

Wir kennen auch das Gefühl, dass die Zeit extrem schnell vergeht. Die Tage, Wochen, Jahre: sie rasen dahin. Wenn wir viel zu tun haben, wenn es einen dichten Kalender gibt mit vielen Terminen: dann vergeht die Zeit oft viel zu schnell.

Gleich, ob die Zeit still steht oder schnell vergeht: Es ist eine geistliche Übung, den Alltag zu unterbrechen und sich ganz bewusst aus dem Rad der Zeit herauszunehmen.
Die christliche Tradition bietet dazu eine ganze Schatzkiste an: das Kreuzzeichen beim Aufstehen, das tägliche Lesen eines Bibeltextes, das Hören auf die Kirchenglocken, das Stoßgebet in den vielen unerwarteten Situationen unseres Alltags, der Rosenkranz in der Hand verborgen beim Weg in der Stadt, der dankbare Blick zurück auf den Tag.
Auf meinem Schreibtisch steht eine kleine Sanduhr. Sie erinnert mich daran, dass ich immer wieder meine Routine unterbreche und mich auf den größeren Horizont ausrichte, in den ich gestellt bin.

Die größte Taste auf meiner PC-Tastatur ist die Leer-Taste. Auch sie ist ein Hinweis darauf, dass ohne die Leerzeichen ein Text schwer lesbar ist. So brauchen wir auch die Pausen und Unterbrechungen, um unseren Lebenstext lesen zu können.

Christian Marte SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck.

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