Dritter Sonntag der Osterzeit

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ

Symbol

Predigt am 3. Ostersonntag 2021
Friede sei mit Euch!
Apg 3, 12a.13–15.17–19; Lk 24, 35–48

Friede sei mit Euch! Mit diesen Worten, mit dieser Zusage kommt der Auferstandene zu seinen Jüngern. Nach allem, was passiert ist: Jesus wurde verfolgt und gequält und wie ein Verbrecher am Kreuz hingerichtet. Die Jünger haben ihn verlassen, sie sind aus Feigheit geflohen, fast alle haben ihn im Stich gelassen. Und nun: Kein Vorwurf, sondern: Friede sei mit Euch! Dieser Friede ist die österliche Gabe des Auferstandenen. Gemeint ist das Heil, die Gemeinschaft mit Gott, die uns Jesus bringt. Friede mit Gott, Friede mit den Mitgeschöpfen, Friede mit sich selbst. All das beginnt schon jetzt im Glauben und wird sich einmal endgültig vollenden. Wer sich in Gott geborgen weiß, lebt schon jetzt aus einem Frieden, der nicht von dieser Welt ist, den die Welt nicht geben kann. In jeder Eucharistiefeier spricht Jesus auch zu uns den Friedensgruß und schenkt uns seinen Frieden. Der Auferstandene ist noch heute mitten unter uns, er kommt zu uns in seinem Wort und in den Sakramenten.
Liebe Schwestern und Brüder, was hat es mit den Erscheinungen des Auferstandenen auf sich? Gibt es vielleicht heute auch noch solche Erscheinungen? Der deutsche Theologie Gerhard Ebeling hat es einmal so ausgedrückt: „In den Erscheinungen des Auferstandenen geht den Jüngern die Erscheinung Jesu auf." Den Jüngern geht auf, wer dieser Jesus war und weiterhin ist: Der vom Vater Geliebte, der von Ewigkeit her geliebte Sohn Gottes. Dieser Glaube an Jesus als den Sohn ist völlig gleichbedeutend mit dem Glauben an die Auferstehung. Der gekreuzigte Jesus lebt, ja, er ist ungeheuer lebendig unter denen, die wirklich an ihn glauben und sich in seinem Namen versammeln. Die religiösen und politischen Instanzen, die destruktiven Kräfte, die Volksmenge, die römischen Soldaten, die gewaltige Tötungsmaschinerie: sie haben ihn getötet. Totgekriegt haben sie ihn nicht! Denn Gott war und ist mit diesem Jesus. Und Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Gemeinschaft mit Gott ist unzerstörbar. Keine Macht der Welt kommt gegen sie an, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint.
Als Jesus umherzog, hat er seine Jünger und Jüngerinnen eingeladen, an seiner Gemeinschaft mit Gott teilzuhaben: Mein Vater ist euer Vater. Wenn ihr betet, sprecht: Unser Vater im Himmel. Im Glauben an Jesus haben wir die gleiche Gemeinschaft mit Gott, die Jesus hatte. Man kann nicht an Gemeinschaft mit Gott glauben, man kann sich nicht in Gemeinschaft mit Gott wissen und dann dem Tod alle Macht über uns einräumen. Wer sich mit Jesus in Gemeinschaft mit Gott weiß, für den ist Tod bereits entmachtet. Der hat ihn eigentlich schon hinter sich. Selbst der Tod kann uns nicht mehr aus der Gemeinschaft mit Gott herausreißen. Diese Gemeinschaft mit Gott übersteigt so wie Gott selbst alle Vorstellungen und alles Begreifen, sie sprengt auch unsere gewöhnlichen Vorstellungen von Zeit und Raum.
Rose Auslänger, die in einer jüdischen Familie aufgewachsene österreichisch-ungarische Lyrikerin, hat das in ihrem Gedicht mit dem Titel „Auferstehung" einmal so umschrieben: „Auferstehung/Vor seiner Geburt/war Jesus/auferstanden. – Sterben gilt/nicht/für Gott und/seine Kinder/wir Auferstandene/vor unserer Geburt."
Aber wie kommt man zu diesem Glauben, wie erkennt man den Auferstandenen? Die Initiative geht immer von Gott aus. Jesus spricht die Jünger an, sie hören sein Wort. Sie sind um seinetwillen versammelt, so wie wir jetzt, und wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, das ist er mitten unter ihnen. In der Eucharistie ist der Auferstandene bleibend gegenwärtig. Es hat dann keinen Sinn mehr, ihn, den Lebenden, bei den Toten zu suchen. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?" hatte der Auferstandene die Emmaus-Jünger gefragt, die dann zu Zeugen der Auferstehung wurden. In den Berichten von den Erscheinungen des Auferstandenen gilt: Man erkennt ihn nicht an seinem früheren Äußeren, sondern an dem, was mit ihm geschehen ist, man erkennt ihn an seinen Wundmalen. Und man erkennt ihn an seinem Verhalten: Er verkündet das Wort, das Wort Gottes, er bricht das Brot, hält Mahlgemeinschaft und schenkt sich darin selbst. Papst Leo der Große hat in einer Predigt über die Himmelfahrt einmal gesagt: „Was an unserem Erlöser sichtbar war, ist übergegangen in die Sakramente."
Der Auferstandene öffnet den Jüngern den Sinn für das Verständnis der Schriften. Es fällt ihnen wie Schuppen von den Augen, dass Jesus die endgültige Erfüllung aller Verheißungen Gottes an Israel ist. Jesus ist der Christus, der Gesalbte, der Heilsbringer. Er ist der Mittler eines neuen und ewigen Bundes, nicht nur für Israel, sondern für die ganze Menschheit. Aber er ist anders, als man ihn vielleicht erwartet hätte. Er ist der Gekreuzigte, den man als Auferstandenen nur im Glauben erkennen kann. Wir sehen einen zu Tode geschundenen Menschen am Kreuz und glauben an diesen Menschen als den Sohn Gottes. „Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden." Jesus Christus befreit die Menschheit aus ihrer scheinbaren Gottverlassenheit, er ruft alle Menschen zur Umkehr: Ändert euer ganzes Sinnen und Trachten und glaubt an das Evangelium! Nicht Sinnlosigkeit und Sünde und Tod haben das letzte Wort, nicht Lüge und Gewalt und Unmenschlichkeit, sondern Gottes Gerechtigkeit und Erbarmen. Die Jünger dürfen Zeugen dafür sein, das ist ihr Auftrag vom Auferstandenen, sie sollen die gute Botschaft weitergeben.
Und das ist auch unser Auftrag, liebe Schwestern und Brüder! Wir dürfen Zeugen und Zeuginnen der alles verändernden Christuswirklichkeit sein. Wir dürfen Zeugen und Zeuginnen seines Friedens für eine friedlose Welt sein, so gut wir es eben können, und uns vor allem diesen Frieden immer wieder neu zusagen lassen, wenn wir darauf vergessen, wenn uns Mutlosigkeit und Verzweiflung bedrohen. Wenn wir am Sonntag zusammenkommen, gemeinsam das Wort Gottes hören und Eucharistie feiern, geht es genau darum.
Friede sei mit Euch!
P. Robert Deinhammer SJ

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