Herz-Jesu-Sonntag

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Herz-Jesu-Sonntag 2021

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Sein Herz verlieren, sein Herz an etwas, an jemand verlieren dürfen, ist - davon bin ich fest überzeugt - eine große Sehnsucht in uns! Von etwas zutiefst angesprochen, begeistert sein, ganz in etwas aufgehen, das ist Glückseligkeit, das ist Freude, innerer Frieden!

Sein Herz verlieren, eine komische Redewendung, denn wer verliert schon gerne etwas, die Mühseligkeit und den Ärger des Suchens, um das Verlorene wieder zu finden, will man sich eigentlich ersparen. Aber unser Herz wollen wir verlieren, ich könnte auch sagen, es ist in uns eine tiefe Sehnsucht, zur Gabe werden zu wollen, Hingabe leben zu wollen!
Es ist ein Erfahrungswert, in jedem Leben kommt der Punkt, wo Selbstgenügsamkeit nicht mehr genügt, wo wir für etwas, für jemanden da sein wollen, Leben das beständig um sich selbst kreist wird nicht reicher, wird schal, wird leer.

Für mich ist diese Sehnsucht, sich geben, sich hingeben zu wollen, der Fingerabdruck unseres Gottes in unserer Seele, auf unserem Herzen, wir glauben an einen Gott, der sich aus freien Stücken hingibt, der sein Herz an uns verloren hat, dessen ganzes Wesen Hingabe ist.

Geheimnis des Glaubens oder warum sind wir so glücklich, wenn es uns gelingt, unser Herz zu verlieren, wenn wir ganz in etwas aufgehen, für andere „Dasein" dürfen?
Weil wir insgeheim spüren, dass wir dadurch unserem Wesen entsprechen, weil wir im Tun die Vergewisserung erhalten, dass Hingabe uns echt und authentisch macht und Egoismus uns verfremdet, unser Wesen entstellt, wir menschlich verkümmern, unser Herz erkaltet und unser Wesen Schaden nimmt, wenn Egoismus unser Leben bestimmt.

Ich will den Paulussatz „...wir sind von seiner Art" (Apg 17,28) so verstehen: Gott hat unser Herz nach seinem Herzen gebildet, es ist in uns angelegt, unser Herz verlieren zu wollen, und zwar wie er, aus Liebe.
All das ist religiöses Erfahrungswissen, gläubige Menschen vor uns, haben das erkannt und für uns bewahrt und Israel, die Wurzel, aus der wir hervorgehen, zieht eine Konsequenz aus dieser Erkenntnis: Einen Gott, der sein Herz an uns verliert, den muss man auch lieben, lieb haben.

Das „Höre Israel", das wir in der altestamentlichen Lesung gehört haben, es ist weit mehr als eine Verpflichtung, es ist eine Liebeserklärung und es hat in das tägliche Gebet gläubiger Juden Eingang gefunden, es wird jeden Morgen und Abend rezitiert, gebetet.
Mir persönlich bedeutet es viel, es ist mein Primizspruch, es ist mein Versuch, zu erinnern, worum es im Glauben geht: So wie Gott aus Liebe mein Herz verlieren! Mit der Hilfe meines Gottes Hingabe leben, Egoismen eine Absage erteilen, wenn sie mein Herz beschleichen.
Ich möchte den Anfang des „Höre, Israel" noch einmal lesen, in Erinnerung rufen:
Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.

Sicherlich, ich kann es mir nicht anders denken, auch für Jesus als frommen Juden, ein Leitwort, ein Wegweiser und ich will nicht romantisieren, wer sein Herz verliert, geht auch das Risiko ein, sich sein Herz brechen zu lassen!

Jesus teilt die schmerzliche Erfahrung vieler selbstlos Liebender, aber sein gebrochenes Herz birgt - zumindest für Glaubende - eine Zusage, eine Ermutigung: Am Ende triumphieren nicht Egoismen und rücksichtsloses Machtgebaren, es ist selbstlose Liebe, Hingabe, die vor Gott bleibenden Wert, Ewigkeit hat!

Und Jesu gebrochenes Herz wird zu einer geheimnisvollen Kraftquelle für alle, die es erkannt haben, dass Selbstgenügsamkeit ins Leere führt, sein Herz wird zur Kraftquelle für alle, die liebevolle Hingabe leben wollen.
Der Satz aus dem heutigen Evangelium: „... einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus", wird in der Präfation vom Herz-Jesu-Fest, die wir zu Beginn des Hochgebetes hören werden, gedeutet und ich gestehe Ihnen, diese Deutung bewegt mich jedes Mal, wenn ich sie höre:
Am Kreuz erhöht, hat er sich für uns dahingegeben aus unendlicher Liebe und alle an sich gezogen. Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Was-ser, aus seinem durchbohrten Herz entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles.

Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles - die Sakramente, ein Zeichen für das offene Herz unseres Gottes, die Sakramente, Heilsquellen!

Ich will jetzt nicht das Verdunsten der Heilsquellen beklagen, ich will uns, die hier sind, weil wir an Sakramente glauben, bestärken, diese Heilsquellen weiter für unser Leben zu nutzen und wenn ich über Zugangsbedingungen der Heilsquelle Eucharistie nachdenke - und es geht mir um einen würdigen und gläubigen Empfang -, dann wäre für mich an alle, die hervortreten, um dieses kleine Stück Brot zu empfangen, eine wesentliche Frage: Willst du Hingabe leben, willst du ein Mensch für andere sein, brauchst du davor Nahrung, Stärkung? Dann komm, dafür, genau dafür gibt es diese Heilsquelle, um deinen Hingabewunsch, deine Hingabebereitschaft zu stärken!

Oder Heilsquelle Buße, Sakrament der Versöhnung - damit habe ich die zwei Sak-ramente benannt, die der Gesellschaft Jesu von Anfang an besonders am Herzen lagen - Im Gebet der Herz-Jesu-Andacht, zudem wir Sie einladen am Ende dieser Eucharistiefeier gemeinsam zu beten, heißt es: „Stärke uns zum Guten und hilf uns, dem Bösen zu widerstehen."

Für mich hängt Buße ebenso mit dem Glauben an Wandlung zusammen wie Eucharistie: Auf der Ebene des Augenscheins bleibt alles wie es ist, Brot bleibt Brot und Wein bleibt Wein, auf einer tieferliegenden Ebene, auf einer existentiellen, wesentlichen ist Wandlung geschehen, wer sakramental glaubt, muss tiefer blicken können, in den geheimnisvollen Urgrund aller Dinge, in Gott hinein.

Buße, äußerlich werde ich mich nicht verändern nach der Absolution, auf einer tieferliegenden Ebene, warum nicht?! Ich, für mich kann es nicht leugnen, eine Beichte bringt mir Ruhe ins Herz, durchbricht wenigstens für kurze Zeit die Teufelskreisläufe meiner größeren und kleineren Lieblosigkeiten, ist wie eine Reset-Taste, ein Neustart-Schalter für mein Herz, der mich ahnen lässt, wie ich von Gott her zutiefst gedacht, gemeint sein könnte.
Und selbst wenn dieser kurze Ruhezustand, dieser innere Friede nicht von Dauer ist, er ist für mich Ermutigung, dass die Gnade Gottes in mir wesentlich wirkt, etwas verändern will und dass es auf mich ankommt, ob ich diesem Wandlungsprozess Glauben schenke, offen bleibe dafür oder aus ihm aussteige und sage, es bleibt ohnehin alles beim Alten.
Meine Sehnsucht, mein Gebet ist: Wandle, wandle du, Gott, wo ich ohnmächtig bleibe.
Die Nachwirkung von Beichte: Ein kurzer Wesenseinblick, wie unverfälscht, wie schön uns Gott gedacht hat, welchen Frieden er uns über die Verbundenheit, die Stimmigkeit mit ihm wünscht.

Herz-Jesu-Sonntag, einer führt uns zusammen, Menschen, die ihr Herz verlieren wollen, die Hingabe leben wollen und dafür Nahrung brauchen.
Ja, Gott, komm der Sehnsucht entgegen, die du uns Herz gelegt hast, lass uns zur Gabe werden, wandle uns, wandle unser Herz nach deinem Herzen! - Amen.

 

P. Bernhard Heindl SJ


Bild: Reinhold Sigl

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