Mariä Aufnahme in den Himmel - ein Fest, das uns den Himmel verspricht

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Maria Aufnahme in den Himmel - ein Fest, das uns den Himmel verspricht!

Liebe Schwestern, lieber Brüder!

Der Himmel ist uns versprochen! - Aber ich will biblisch beginnen: Warum eilt Maria in das Bergland von Judäa, zu ihrer Verwandten Elisabeth?

Hatte ihr der Engel in Nazaret etwas Neues eröffnet, als er sagte: Siehe, auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. (Lk 1,36f)
Wusste sie vielleicht noch gar nichts vom angehenden Mutterglück ihrer Verwandten? Kann ich mir ehrlich gesagt im sechsten Monat Schwangerschaft nicht wirklich vorstellen. So eine Botschaft findet den gut 100 km langen Weg zwischen Nazaret und dem Bergland von Judäa schneller!
Oder hatte Maria im Nachhinein doch noch ein Zweifel befallen, ob nicht doch alles nur Einbildung gewesen war? Wollte sie den Beweis des Engels nun selbst in Augenschein nehmen, um ganz sicher sein zu können?

Ich glaube, Maria eilt zu Elisabeth, weil sie einen Menschen treffen will, der das, was sie erlebt hat, versteht! Maria wollte einen Menschen treffen, der auch an den Himmel glaubt, der glaubt, dass Himmel und Erde sich berühren können, der glaubt, dass der Himmel mit der Erde kooperieren will, dass der Himmel Menschen sucht, die jetzt schon an ihn glauben, für ihn offen sind, mit ihm zusammenwirken und mit seiner Hilfe ihr Leben gestalten!

Der Himmel ist uns versprochen! Das vergewissert uns das heutige Fest. In Maria nimmt Gott vorweg, was allen versprochen ist, die nach ihm suchen und versuchen nach seinem Willen zu leben.
Das Dogma, von Papst Pius XII. am 1. November 1950 verkündet, verkürzt wiedergegeben lautet:
Wir verkünden, erklären und definieren, dass die Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.
Manche Zeitgenossen schütteln den Kopf: Seele ja, aber mit Leib und Seele aufgenommen?! Wieder so ein katholischer Unsinn! Wie soll das gehen, wie soll man sich das vorstellen?

Jetzt einfach, wie der Erzengel Gabriel zu sagen: für Gott ist nichts unmöglich, ist eine Antwort, die schon viel Glauben voraussetzt. Für Skeptiker ist mir wichtig zu betonen,
- dass ausgedrückt, vergewissert sein will, dass wir mit unserer ganzen Geschichte, Lebensgeschichte bei Gott sein werden.
- dass Alles, was für unser Leben wichtig und von Bedeutung war, bei Gott sein wird.

Und wenn mir jemand sagen will, dass sein Körper, sein Leib unwichtig ist, dann halte ich das für ignorant. Ich jedenfalls schaffe es nicht, im Wartezimmer eines Arztes zu sitzen und zu sagen: Ach deshalb, weshalb du hier bist, in Sorge bist, ist doch letztlich unwichtig, bedeutungslos für dein Leben. Es wäre eine Lüge!

Aber mein Erscheinungsbild, meine himmlische Gestalt, ich muss sie Gott überlassen. Biblisch interessant ist für mich, dass der Auferstandene leibliche Erscheinungsweisen hat, die die Jünger, z.B. am See von Tiberias (Joh 21,1ff), oder Maria Magdalena am leeren Grab (Joh 20,11ff), nicht sogleich Jesus zuordnen können, aber seine Wunden, Wundmale hat der Auferstandene nicht abgestreift, das vergewissert mir die Begegnung mit Thomas (Joh 20,24ff).
Der Auferstandene hat seine Wunden nicht abgestreift, aber sie schmerzen nicht mehr, er lässt sie sogar berühren, er ist in Gänze heil.
Alles, alles, was zu mir gehört, wird bei Gott sein, wird bei Gott Heimat und Frieden finden. Daran will ich glauben, so verstehe ich den Wortlaut des Dogmas. Mehr an Zusage brauche ich nicht!

Der Himmel ist uns versprochen! An den Himmel glauben, wie wirkt sich das aus, wie finde ich Menschen, die das auch tun? Wie, an was erkenne ich sie, Menschen, in denen sich Himmel und Erde berühren, die mir über ihre Leben zeigen, dass sie an den Himmel glauben?

Ich muss eine Vorstellung vom Himmel haben, dann kann ich auch seiner Vorwegnahme auf Erden, dem Himmel auf Erden auf die Spur kommen. Zwei Himmelsspuren für mich:

1. Himmel, das ist für mich Einklang, Wohlklang, Harmonie mit Gott.
Maria stimmt bei Elisabeth ihr Magnifikat, einen Lobgesang auf Gott an.
Einklang, Wohlklang, Harmonie mit Gott, der Himmel wird Lobgesang sein.
Lob, der Grundton des Himmels, Lob ein Wohlklang, der uns zu verwandeln vermag. Wo Menschen loben können, des Lobes fähig sind, da ist schon ein Stück Himmel auf Erden, da wird Erde schon in Himmel gewandelt. Ein Lob tut gut und verwandelt uns. Menschen, die loben können, sind Himmel auf Erden.

2. Himmel, das ist für mich Leben ohne Angst.
Was ist die größte Angst unsere Zeit? Psychologen sagen, die Angst zu kurz zu kommen, sei die häufigste, die am meisten verbreitete Angst im diffusen Angstgeflecht unserer Zeit.
Hatte Maria Angst zu kurz zu kommen? Ich glaube nicht, sie hat ihr Ja gegeben, vertrauend, dass sie letzten Endes, im Ganzen eben nicht zu kurz kommen wird!
Die Angst zu kurz zu kommen, treibt uns auseinander und lässt uns unsolidarisch werden. Unsere Erde stöhnt und ächzt unter unserer Last. Um politisch recht zu behalten und ökonomisch über die anderen zu siegen, sind wir bereit unser aller Lebensgrundlage zu zerstören!
Wo Menschen über ihre Art zu leben ausstrahlen, dass sie von dieser zersetzenden Angst nicht befallen sind, dort ist Himmel für mich. Wo Menschen nicht im Rausholen, was rauszuholen ist, aufgehen, wo Menschen zu einer fröhlichen, zufriedenen Genügsamkeit finden, da ist Himmel für mich.

Der Himmel ist uns versprochen! Wie wir aussehen werden, ich weiß es nicht.
Aber mein Glaube sagt mir zu:
Du wirst Dich wiederkennen, denn alles was zu Dir gehört, wird da sein, gewandelt, vollendet, heil.
Der Himmel ist uns versprochen! Himmelsspuren:
- wo wir den himmlischen Grundton jetzt schon treffen, des Lobes fähig sind,
- wo die Angst zu kurz zu kommen schwindet, bedeutungslos wird.

Das Fest, das wir feiern, es ist wichtig für die Erde, es hat die Kraft, sie zu wandeln und ihr eine Ruhepause von Gier und Ausbeutung zu verschaffen!
An den Himmel glauben, es täte uns und der Erde sehr gut! - Amen.

 

 

 

 

 

P. Bernhard Heindl SJ

 


 

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