Drohbotschaft, Frohbotschaft?!

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Drohbotschaft, Frohbotschaft?! Mk 13,24-32

Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Ich will Sie in eine kurze Unterhaltung mit meiner guten Freundin Berta aus Spanien mit hineinnehmen. Berta und ich diskutieren lebhaft über irgendein Zeitgeschehen, wir sind unterschiedlicher Meinung, plötzlich winkt Berta lachend ab und sagt: „Ach, die Deutschen, ihr seht hinter jedem Sonnenuntergang den Weltuntergang!" Und weiter lachend: „Ihr seht hinter jedem Sonnenuntergang den Weltuntergang, während wir in Spanien selbst beim Weltuntergang noch glauben werden, es sei nur ein Sonnenuntergang!"
Pessimismus, Optimismus, vielleicht wird einem da wirklich etwas in die Wiege gelegt, vielleicht trinken die einen immer aus halb vollen und die anderen aus halb leeren Gläsern. Wie hören Sie das Evangelium von heute: Ist es eine Froh- oder eine Drohbotschaft?!

Wir haben einen Abschnitt aus dem 13. Kapitel bei Markus, der sog. Kl. Markusapokalypse gehört. Klein, weil die Evangelistenkollegen Lukas und Matthäus dieser Drohkulisse weit mehr Platz einräumen, aber auch bei Markus heißt es da, wir hörten es:
„Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond nicht mehr scheinen, die Sterne vom Himmel fallen, ... die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden!" Und wir haben ja nur einen kleinen Ausschnitt aus Kapitel 13 gehört, es ließen sich weitere bedrohliche Verse anfügen wie z.B.: „Denn jene Tage werden eine Drangsal sein, wie es sie nie gegeben hat, von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis heute, und wie es auch keine mehr geben wird."
Aber es war da auch ein Hoffnungsstreifen am Horizont formuliert: „Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit."

Drohbotschaft, Frohbotschaft, Ansagen von kosmischen Katastrophen, die Zeit ist wieder reif dafür. Ich will nichts beschwichtigen, es ist ein ernstzunehmendes Thema zumal wir, anders als Zeiten vor uns, die Katastrophe selbst herbeiführen können. Aber es geht mir jetzt nicht um Umweltschutz und sozial-ökologische Transformation, ich will Ihnen die Frohbotschaft der apokalyptischen Texte, die wir am Ende des Kirchenjahres und auch zu Beginn des Advents wiederkehrend hören, auslegen.

Zunächst: Das Marken- und Gütesiegel biblischer Apokalyptik ist, dass sie nicht im Untergangsszenario steckenbleibt, sondern an einen Neuanfang und damit einhergehend, an ein vertieftes Gottesverständnis, an eine vertiefte Gotteserkenntnis jenseits der Katastrophe glaubt! Biblische Apokalyptik, das ist über Drohkulisse hinaus viel mehr die Hoffnung, dass Gott heilsam eingreifen und einen neuen Äon, eine neue Weltzeit heraufführen und sich neu mitteilen, offenbaren wird, denn Apokalyptik heißt ja zunächst nichts anderes als: Mitteilung, Offenbarung.

Das Wunderbare, das Staunenswerte für mich daran ist, dass Gott diese Hoffnung, diesen Glauben nicht enttäuscht hat! – Er hat tatsächlich eingegriffen, er hat sich neu offenbart und der Welt tiefer Einblick in sein Wesen gegeben! Er hat wie erhofft die Regie übernommen, aber seine Regieführung ist verblüffend und nimmt in Kauf, nicht alle zu überzeugen. Wer göttlich herbeigeführte, flächendeckende Katastrophenszenarien als göttlichen Machterweis fürchtet oder wünscht, wird enttäuscht.
Nebenbei: Ein Gott, der breitenwirksam dreinschlägt, straft und vernichtet, wäre nichts Neues unter der Sonne, ein derartiges Gottesbild brachten und bringen Menschen zu allen Zeiten in ihren Phantasien und Ängsten allein zu Wege!

Gott überrascht, indem er keine Katastrophe für alle herbeiführt, um einen Neuanfang zu setzen, sondern die befürchtete Katastrophe auf sich nimmt. Ein gekreuzigter Gott ist zunächst eine Katastrophe! Und die Evangelisten beschreiben die Todesstunde Jesu genau mit den Bildern, mit denen sie die kosmische Katastrophe ankündigten, wir hörten: „... die Sonne wird sich verfinstern, ... die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden ..." Sonnenfinsternis und Erdbeben sind Begleiterscheinungen des Todes Jesu als er am Kreuz stirbt. Es ist biblische Bildsprache, die uns sagen möchte: Die Katastrophe liegt hinter uns, Gott hat sie auf sich genommen! Und ja, der Schöpfer gekreuzigt vom Geschöpf, das ist „Drangsal ..., wie es sie nie gegeben hat, von Anfang der Schöpfung ... bis heute, und wie es auch keine mehr geben wird."

Gott hat nicht den Weg gewählt, uns über eine flächendeckende Katastrophe und für mich heißt das auch, er wird nie diesen Weg wählen, um uns tieferen Einblick in sein Wesen zu geben! Deshalb warten wir auf keine neue Offenbarung Gottes. Das Kreuz bleibt Wegmarke, hinter die wir nicht zurückgehen dürfen, wenn wir verstehen wollen, wer, wie unser Gott ist! Wer im Namen unseres Gottes furchteinflößende Showdowns, welcher Art auch immer, verkündet, hat die Frohbotschaft des Kreuzes nicht verstanden. Religiöse Konzepte dieser Art hat Gott schon einmal und für mich, ein für alle Mal durchkreuzt!

Die Katastrophe liegt hinter uns, die Herausforderung mit der neuen Gotteserkenntnis zu leben, jeden Tag vor uns! Gekreuzigte Liebe, die lieber die Katastrophe auf sich nicht, als sie über andere zu bringen, ist und bleibt ein verblüffend göttliches Verhalten! Apokalypse, Offenbarung, mehr kann Gott uns nicht über sich sagen, tiefer kann er uns keinen Einblick in sein Wesen geben! „Dann wird man den Menschensohn ... kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit", dann, wenn wir wie er auf „Haudraufmentalität" und auf das Recht des Stärkeren verzichten, dann kommt wirklich etwas Neues in die Welt, eine neue Kraft und Herrlichkeit.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, wann uns dieser Gott als Frohbotschaft ins Herz fällt, bleibt Gnade. Aber ich behaupte, er ist Ihnen allen mindestens schon einmal ins Herz gefallen oder Sie haben die Sehnsucht danach, dass er Ihnen ins Herzen fallen möge, sonst wären Sie nicht hier! Apokalypse, Offenbarung, Mitteilung Gottes. Und wir, was teilen wir Gott mit? Was möchten wir ihm von uns offenbaren? Ich glaube, da ist diese Sehnsucht in uns, die Johann Sebastian Bach besingen lässt:

Mit Herz und Mund und Tat und Leben
von Christo Zeugnis geben,
ohne Furcht und Heuchelei,
dass er Gott und Heiland sei.

Amen. 

 

P. Bernhard Heindl SJ


News-Bild: Sarah Cervantes via unsplash.com

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