"Ein für alle Mal"

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ

Symbol

„Ein für alle Mal"
Predigt am 4. Adventsonntag 2021
Hebr 10,5-10; Lk 1,39-45

Ein für alle Mal – „Ich sag dir es jetzt ein für alle Mal, Du musst dein Leben ändern, sonst ist zu spät." – „Die Gelegenheit war dahin, ein für alle Mal." – „Durch die Erfahrung der Geburt seiner Tochter war er ein für alle Mal ein anderer Mensch." –„Bei der Eheschließung sagen zwei Menschen ein für alle Mal ja zueinander." – „Plötzlich war alles ganz anders, ein für alle Mal." – Ein für alle Mal. Wir kennen diese Redensarten aus dem Alltag. Mit ihnen drücken wir etwas Endgültiges, Definitives, Unbedingtes aus. Es geht da oft um lebenswichtige Entscheidungen oder lebensverändernde Erfahrungen. Die Dinge spitzen sich zu oder klären sich, kommen aus dem Zwielicht heraus. Oder etwas ist geschehen, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Ein für alle Mal. Auch im Hebräerbrief haben wir diese Wendung gerade gehört. „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun. Er hebt das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen. Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt – ein für alle Mal." Christus erfüllt den Willen des Vaters, er gibt sein Leben hin, er bezeugt das Evangelium bis zum Tod am Kreuz, damit wir geheiligt sind, ein für alle Mal. „Geheiligt sein", das bedeutet: Vom Heiligen Geist erfüllt werden, sich in Gottes Liebe geborgen wissen, mit Jesus sterben und ewig mit ihm leben, Anteil haben an seiner Gemeinschaft mit dem Vater.
Durch das Christusereignis geschieht etwas Endgültiges, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, und das auch nicht überboten werden kann. Alle bisherigen Opfer sind aufgehoben, die Kultpraxis wird kritisiert, etwas radikal Neues ist nun in Kraft gesetzt, der neue und ewige Bund in Jesus Christus, an dem wir im Glauben teilhaben. Man muss sich vor Augen führen wie religionskritisch die christliche Botschaft eigentlich ist. Seit Jesus ist Religion abgeschafft, zumindest wenn man unter Religion versteht, dass der Mensch Gottes Zuwendung und Wohlwollen selber bewirken muss, etwa durch irgendwelche Rituale oder Leistungen anderer Art. In diesem Sinn hat Karl Barth einmal gesagt: „Religion ist Unglaube; Religion ist eine Angelegenheit, man muß geradezu sagen, die Angelegenheit des gottlosen Menschen." Und solche Religion gab und gibt es natürlich auch in christlicher Maskerade.
Wie dem auch sei, der Hebräerbrief will unser Herz gewiss machen: Ein für alle Mal sind wir durch Jesus geheiligt. Bereits im ersten Vers dieses Briefes heißt es: „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn." Der Sohn Gottes, die zweite göttliche Person der Dreifaltigkeit, nimmt eine menschliche Natur an, kommt in unser schwaches Fleisch, um uns eine göttliche Botschaft offenbaren zu können, das Wort Gottes. Was hat Gott uns zu sagen? Etwas, das wir sonst nicht wissen könnten. Er sagt uns, dass er für immer bei uns ist. Wir haben Gemeinschaft mit ihm. Er liebt uns in einer Weise, auf die für immer Verlass ist. Gott hat sich in Jesus Christus ein für alle Mal mit dem Menschen verbündet, mit allen Menschen, mit Dir und mit mir, und niemals mehr will er ohne den Menschen sein.
Das gilt, auch wenn ich es gerade nicht glauben kann, wenn sich in mir alles verfinstert hat, wenn ich nicht mehr weiter weiß, wenn der „Corona-Blues" zu einer Depression wird. Ein für alle Mal hat Gott „ja" zu mir gesagt. Das gilt, auch wenn Leid oder Schuld auf mir lasten, wenn ich gefangen bin in einer scheinbar ausweglosen Situation, wenn ich mit meinen Kräften am Ende bin, wenn ich sterben muss. Ein für alle Mal hat Gott „ja" zu mir gesagt. Gott hat immer das letzte Wort. Auf Gott ist unbedingt Verlass. Wenn Gott für uns ist, dann kann letztlich nichts dagegen ankommen. Das ist unser Trost, das ist unsere Freude, daran dürfen wir uns festhalten, jeden Tag neu.
Bald ist ja Weihnachten, und da sollen wir uns dann wieder von ganzem Herzen freuen über die Geburt Jesu. Aber man kann sich nicht auf Kommando freuen, sozusagen mit zusammengebissenen Zähnen, da kommt nur Verkrampfung und Enttäuschung dabei heraus. Die Freude muss einem geschenkt werden, und man muss sie sich auch schenken lassen.
Im heutigen Evangeliumstext bei Lukas geht es um diese Freude. Zwei schwangere Frauen treffen sich, Maria und Elisabeth, beide tragen neues Leben in sich. Und Johannes der Täufer hüpft schon im Mutterleib als ungeborenes Kind, weil er sich so freut über die Ankunft Jesu. Das ist eine Erzählung mit legendarischer Ausmalung, aber das Bild will die Bedeutung Jesu und seiner Mutter hervorheben. „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." Maria bringt uns den Heiland zur Welt, den menschgewordenen Sohn Gottes. Ganz schlicht, ganz einfach, ganz menschlich kommt Gott auf uns zu und schenkt uns das Heil, nämlich sich selbst. Ein größeres Geschenk ist nicht denkbar, und dieses Geschenk ist auch größer als alles, was wir denken können.
Lassen wir uns auf darauf ein, lassen wir uns von Gott beschenken! Vielleicht können wir uns dann freuen, und aus dieser Freude heraus auch anderen Menschen eine kleine Freude bereiten oder ihnen in ihrer Not ein wenig beistehen. In diesem Sinn wünsche ich uns allen frohe und gesegnete Weihnachten.

 


P. Robert Deinhammer SJ


Bild: Kira auf der Heide via unsplash.com

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