Kirchenbilder

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

23. Januar, 3. Sonntag im Jahreskreis (1 Kor 12,12ff)

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Es gibt einen wunderschönen Film Il Postino (1994): Er spielt in den 50er Jahren, der bekannte chilenische Dichter Pablo Neruda ist im Exil auf einer kleinen italienischen Insel. Der Postbote muss viel Fanpost aushändigen, so lernen sich die beiden kennen. Der Postbote klagt Neruda sein Leid: Er ist in die Inselschönheit verliebt, traut sich aber nicht, sie anzusprechen. Er bittet Neruda um ein Gedicht. Dieser ermutigt ihn, selbst zu dichten, was der Postino schließlich tut und so das Herz seiner Geliebten erobert. Einzig die Mutter der Inselschönheit ist nicht erfreut von der Partie und vertraut ihrer Freundin empört an: „Er hat ihr Metaphern gesagt!" Und ohne dass die beiden Frauen wissen, was eine Metapher ist, sind sie sich einig, dass das zu weit geht!

Eine Metapher, ein Wortbild, bei dem ein Wort aus seinem Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen, als Bild verwendet wird. Etwas ist wie und zugleich nicht. Metaphern, Ausdrucksmittel der Poesie, haben emotionale Kraft und lassen zugleich in der Schwebe. Paulus gebraucht eine Metapher für die Gemeinschaft des Glaubens, die Kirche. Sie ist der Leib Christi und ob ich will oder nicht, ich sehe ich immer eine Seite in einem Anatomieatlas oder diese Bildtafeln „Der menschliche Körper", die in Arztwartzimmern hängen, vor mir, wenn Paulus die einzelnen Gliedmaßen aufzählt: Hand, Fuß, Kopf, Ohr, Auge ...

Die Gemeinschaft des Glaubens, ein Bild in einem Anatomieatlas, so ganz sympathisch ist mir diese Vorstellung nicht, irgendwie wirken diese Körper meist starr. Aber was sich vor meinem geistigen Auge insbesondere reibt, wo ich eine Diskrepanz empfinde, ist die demonstrative Gesundheit und Perfektion dieser Schaukörper. Ist die Kirche so gesund, in ihren Gliedmaßen so perfekt? Anders gefragt: Hat sie noch Hand und Fuß, erscheint sie nicht mitunter kopflos? Würde sie einen Seh- und einem Hörtest bestehen? Wenn Kirche zusammenkommt wird oft beklagt, dass man die Realität nicht sehen wolle und nicht aufeinander höre!

Die Kirche, gleicht sie nicht mehr einem Patienten im Wartezimmer, der bange fragt, ratlos ist, als einem gesunden Vorzeigeorganismus auf Schautafeln? Zugegeben, Paulus idealisiert nicht nur, er weiß von schwächeren, weniger edlen, benachteiligten Gliedern am Leib Christi. Aber ehrlich gesagt taugt diese Unterscheidung für mich heute nicht mehr wirklich, ich möchte so nicht auf den menschlichen Körper schauen. Von Paulus will ich die wünschenswerte Einstellung unterstreichen: Wenn ein Glied am Körper krank ist, leiden alle mit ... und bei einer Ehrung freuen sich alle mit.

Kirche, derzeit kein Gesundheitsprotz und es ist mir ein Anliegen, dass Kirche sich nicht im Patientendasein einrichtet und hospitalisiert, sondern zur Vitalität zurückfindet und vitalisierend wirkt! Kirchenbilder, welches passt, hilft, hat emotionale Kraft, motiviert und beflügelt uns, dazugehören zu wollen? Die Schrift hat viele Bilder, aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen und Bezugsfeldern, aus Sozialwesen, Natur und Technik: Kirche ist Volk oder Stadt Gottes, ... ist Weinstock, ... Braut, Mutter (Gal 4,26) ... oder Schiff und Haus ... Und natürlich will ich Ihnen den Leib nicht ausreden, es muss ein Bild sein, das Sie pesönlich anspricht, das Sie bestärkt, motiviert, das Sie als schön und stimmig empfinden, denn Sie sind ja Teil des Bilde, Sie gehören ja dazu! Ein Bild, das Kraft hat und nicht entkräftet!

Es ist jetzt einige Jahre her, aber ich erinnere mich gut, als ich mit einer Kollegin einen Firmkurs für Erwachsene vorbereitete, da saßen wir da, schauten uns an, zögerlich, jeder wollte dem Anderen den Vortritt lassen. Inhaltlicher Lauffaden für den Kurs war das Glaubensbekenntnis und es ging nun um den Abend: Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche ...
„Ja, Kirche, ... ja, sag doch mal, was sie für Dich ist, was sie Dir bedeutet?" – „Äh, sag ruhig Du zuerst." Wir waren uns einig, wir wollten uns nicht hinter Doktrin verstecken. Wir wollten mit einem Zeugnis beginnen: Was ist die Kirche für mich, was bedeutet sie mir? Wir haben unsere Zeugnisse dann ausgetauscht und das meiner Kollegin spricht mir nach wie vor aus dem Herzen ... und: Sie hat auch eine Metapher gebraucht!

Ihr Zeugnis: "Warum ich die Kirche liebe, ...

• weil sie mich hineinnimmt in ein Netz von Menschen, die auf Gott vertrauen. In dieses Netz voller Gottvertrauen kann ich mich hineinwerfen: es trägt mich ...ob ich jetzt gerade jubeln will oder traurig bin. Deshalb sitze ich gern in einer Kirchenbank und mache mir die Freude und das Leid der Menschen, die Generationen vor mir hier saßen und die Generationen nach mir hier sitzen werden, bewusst: in dieses Netz aus Gottvertrauen kann ich mich hineinwerfen: es trägt mich und ich darf andere mittragen.

• weil sie mich hineinnimmt in ein Netz von Menschen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen, die die Augen nicht verschließen vor der Not und vor Ungerechtigkeit, sondern die anpacken, weil sie sich unter das Wort Jesu stellen. Er stand auf der Seite der Armen, der Ausgegrenzten. Ich bin der Kirche dankbar, dass sie mich aufrüttelt, darin nicht müde zu werden.

• weil sie mich hineinnimmt in ein Netz von nicht Vollkommenen, von nicht Perfekten. Das gilt ja auch für mich. Und mir trotzdem in jeder Eucharistiefeier zuspricht: Du, mit deiner Sehnsucht und deinen Bemühungen, deinen Stärken und deinen Schwächen, Du bist meine geliebte Tochter/Sohn."

Netzwerk Kirche, nicht auf den Patientenstatus fixiert, dann hat Kirche noch Hand und Fuß, hilft, hat ein offenes Ohr, sieht die Not in der Welt!
Sicherheitsnetz Kirche, der Glaube der anderen trägt mich ...
Kraftnetz Kirche, ...auch ich speise ein, so gut es geht!

Perfektionismusansprüche sind unnötige Energiefresser, die ich besser nicht an mich und andere stelle, sie sind unnötig und rauben Energie, lieber reingeben, was ich kann, wozu ich fähig bin! Ich weiß es nicht, ob meine Kollegin irgendwie doch Paulus im Hinterkopf hatte, aber den Römer/innen sagt er für mich treffend, tröstlich, schön genau das: Perfektionismus rausnehmen, sich als Gemeinschaft im Blick behalten, ... das Ganze im O-Ton aus dem Römerbrief: Strebt nicht über das hinaus, was euch zukommt, sondern strebt danach, besonnen zu sein, jeder nach dem Maß des Glaubens, das Gott ihm zugeteilt hat! Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, ... die zueinander gehören. (12,4-5)

Mein Bild ist ein Christusmosaik, aus Ravenna, weil Christus mich, alle Betrachter/innen darauf so offen, so vorbehaltslos offen ansieht (s. News-Bild). In dieses Bild will ich mich gerne einfügen, ein Stein darin sein, damit dieser Blick weiter tradiert wird! Ich habe das Mosaik, das Christus-Bild auf einer Postkarte für Sie dabei als Geschenk. E ist eine kleine Werbemaßnahme, ich suche so viele Mosaik-Steinchen wie möglich, damit dieser offene, vorbehaltlose Blick der Welt nicht verloren geht. - Amen.

 

P. Bernhard Heindl SJ


Bild: Basilika Sant' Apollinare Nuovo, Ravenna

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