Gute-Hirten-Sonntag

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Kindergottesdienstteam und ich waren uns einig: So machen wir es, wir stellen die Kinder in die Mitte, Mama oder Papa verbinden ihrem Kind die Augen, stellen sich dann in einem Kreis um die Kindergruppe und wenn alle leise geworden sind, dass man gut hören kann, sagte jemand aus der Elternrunde laut: „Ich bin eine Mama (ein Papa) ... und ich rufe mein Kind!"
Sobald das gerufene Kind die Stimme der Eltern erkannt hat, sollte es mit ausgestreckten Armen loslaufen, um schließlich, von den ebenfalls ausgestreckten Armen von Mama oder Papa, aufgefangen, in ihnen geborgen zu werden.

Alle Kinder erkannten beim ersten Mal die Stimme ihrer Eltern und landeten glücklich und unter Applaus in den Händen von Mama oder Papa. Nach dieser Erfahrung haben wir das Evangelium von Jesus, dem guten Hirten gelesen, der seine Schafe kennt und die wiederum seine Stimme.

Die Gute-Hirten-Rede-Jesu im Johannesevangelium, Jesus spricht von einer großen Vertrautheit zwischen Schafen und Hirten, von einem untrüglichen Gespür füreinander, von einer beneidenswerten Verlässlichkeit aufeinander und ich glaube wirklich, dass Kinder über dieses arglose Gottvertrauen, über diese intuitive Gottverbundenheit verfügen, und dass Jesus genau das meint, wenn er sagt, dass Kindern das Reich Gottes gehöre. Wann verflüchtigt sich diese Selbstverständlichkeit gegenüber Gott? Wie schleicht sich ein Argwohn oder zumindest Vorsicht in unsere Gottesbeziehung?

Vielleicht hegen wir als Erwachsene die Sorge vom Wolf im Schafspelz, weil wir Erfahrungen mit derartigen Wölfen oder schlechten Hirten gemacht haben. Im Pergamon-Museum in Berlin, mit seiner berühmten orientalischen Sammlung, war es eine Überraschung für mich, in Stein gehauen zu sehen, dass das Hirtenbild fester Bestandteil der königlichen Propaganda Babylons war. Die Könige Babylons, über einen beachtlichen Zeitraum, Herrscher auch über Israel, waren blutige Eroberer. Je neue in Expansionskriege verwickelt, regierten sie die Unterjochten mit straffer Hand. Um Macht, Mut und Stärke zu demonstrieren, ließen sich gerne als Kriegshelden und als Löwenjäger darstellen, aber auch als Hirten, umringt von Schafen, um Fürsorglichkeit vorzugeben.

Der König von Babel, wohl kaum ein guter Hirte nach den Worten Jesu, eher Diebe und Räuber, von denen Jesus in seiner Gute-Hirte-Rede warnt oder ein Wölfe im Schafspelz.
Eine Verkleidung, die bis heute funktioniert. Da geben Mächtige vor, ganz in Sorge für ihr Volk zu agieren und zetteln Kriege an, die unsagbares Leid verursachen und letztlich doch nur dem eigenen Machterhalt dienen, vielleicht auch das eigene politische Versagen kaschieren sollen. Der Stimme Gottes mit Vorsicht und gar Argwohn zu begegnen oder ihr kindlich vertrauen schenken. Wie finden wir zurück zu dieser selbstverständlichen Gottverbundenheit, zu dem Urvertrauen, dass Gott fürsorglich und nicht zu fürchten ist?

Es ist eine Besinnung, die über diesen Gottesdienst hinaus geht, die hier nicht abzuschließen ist, für die man sich Zeit nehmen muss. Vielleicht in Exerzitien, aber zumindest in mehreren ruhigen Momenten. Es ist immer wieder eine ehrliche Besinnungsfrage für mich: Habe ich wirklich Grund, Gott zu misstrauen? Oder lassen mich Befürchtungen und Ängste vor Schicksalsschlägen gegenüber Gott auf Distanz gehen? Befürchtungen, die zwar nachvollziehbar sind, die ich aber noch nicht erlebt habe und vielleicht nie erleben werde?
Bin ich in eine Fürsorge meiner selbst geraten, in einen Selbstschutz, der etwas abfangen will, was nicht und vielleicht nie existent wird, aber Distanz zu Gott bewirkt?

Traue ich dem Fürsorgeversprechen Gottes, dass selbst schwierige, hoffnungslos scheinende Situationen mit ihm zusammen zu bestehen sind?
Niemand muss Garantieerklärungen abgeben, aber es ist eine herausfordernde Frage für mich, die mich verunsichern kann: Wenn es dunkel wird, werde ich Gott dann neben mir, ... bei mir spüren? In unserem Kinderzimmer gab es ein Nachtlicht, eine kleine Lampe, die man in die Steckdose steckte. Sie erhellte den Raum, dass wir nicht völlig orientierungslos waren, wenn wir nachts einmal aus dem Schlaf schreckten.

Jesus, der gute Hirte, ich hoffe, er ist mein Nachtlicht in allen Situationen, die Angst machen können.
Jesus, der gute Hirte, ich hoffe, dass nicht Schreckgespenster und Horrorszenarien mich auf Distanz zu Gott gehen lassen, die nie eintreten und zudem nichts mit ihm zu tun haben.
Jesus, der gute Hirte, ich hoffe, dass seine Stimme in mir so nachklingt, wie es die Stimme guter Eltern tut, die ihren Kindern Halt, Lebensmut und Sicherheit gibt.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, einen Satz aus dem heute gehörten Evangelium möchte ich zum Schluss wiederholen. Ich hoffe, er ist für mich Nachtlicht und Ermutigung, das Leben anzugehen, auch wenn immer nur eine gewisse Strecke zu überblicken ist. Ich hoffe, er hilft mir, mich nicht alleine zu fühlen, in keiner Lebenslage, ja, selbst über dieses Leben hinaus:
"Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen." - Amen.

 

P. Bernhard Heindl SJ


Bild: Heindl SJ

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