Predigt in Form eines Gesprächs mit Jesus vor dem Herz-Jesu-Bild in der Jesuitenkirche

Predigt zum Nachlesen von P. Bruno Niederbacher SJ

Symbol

Herr Jesus, ich stehe vor dem altehrwürdigen Herz-Jesu-Bild in der Jesuitenkirche in Innsbruck. Und als erstes zieht mich dein Blick an. Du siehst mich an. Ob ich mich nach links oder rechts bewege, deine Augen folgen mir. Dabei fühle ich mich in keiner Weise unangenehm von dir beobachtet. Ich spüre nicht das strenge Auge, das alles sieht. Vielmehr denke ich: Immer und in allen Situationen suchst du Blickkontakt zu mir. Du gibst mich nicht auf. Und das sagst du auch im heutigen Gleichnis. Der Hirt sucht das Schaf, das verlorenging, bis er es findet. Wo auch immer ich wandle, in welchem Gestrüpp ich mich auch immer verfange, welch schwere Stunde ich auch immer durchmache: Du suchst und findest mich. Du wirst mich nach Hause tragen. Gut zu wissen.

Dann wandert mein Blick zu deinem Herzen. Auf dem Bild streckst du es mir geradezu entgegen. Du machst aus deinem Herzen keine Mördergrube. Du zeigst es ganz offen. Und was ist es für ein Herz? Es ist ein feuriges Herz.

Ja, dein feuriges Herz. Aber es trägt auch die bitteren Zeichen der Verwundung: die Dornenkrone und die Wunde, aus der drei Tropfen Blut quellen. Die Dornen dieser Welt haben dir zugesetzt. Die Wunde ist klar sichtbar: die Ablehnung, das scheinbare Scheitern, das Kreuz. Du versteckst sie nicht.

Weil du mir dein Herz so offen zeigst, kann auch ich dir mein Herz zeigen. Ich erzähle dir, wofür ich brenne und wofür ich brennen möchte. Ich bringe dir meine Vorhaben dar, meine Freude an allem, was gelingt. Ich möchte dir auch meine Wunden zeigen: meine Enttäuschungen, meine Trauer, mein Scheitern, meine Ängste. Während ich darüber nachdenke, kommt mir der indische Film Slumdog Millionaire in den Sinn. In der Schlussszene findet Jamal auf dem Bahnhof von Mumbai endlich seine Geliebte Latika wieder. Sie war in die Hände eines Bandenführers geraten. Nun war sie befreit. Ich hätte erwartet, dass sie sich gleich leidenschaftlich auf den Mund küssen. Aber was tut Jamal? Er sieht auf ihrer Wange eine lange Narbe, die von grausamen Misshandlungen zeugt. Und er küsst diese Narbe. Sie darf da sein. Latika wird geliebt samt ihrer Wunden, samt ihrer ganzen Geschichte. Eine Szene, die berührt. Mit meiner ganzen Geschichte darf ich vor dir sein, Herr. Menschen fragen mich, wie sie umgehen sollen mit dem, was sie an sich nicht mögen: mit den Wunden einer zu harten Erziehung, mit den Dornen der Schuldgefühle... Da ist mir ein Gebet zugeflogen, das ich zu beten empfahl: „Herr, ich bitte dich um die Gnade, mich bis in den letzten Winkel meines Herzens von dir lieben zu lassen." Mir hilft dieses Gebet. Es gefällt mir sehr. Ich bete es nun oft. Es tröstet mich. Und ich sage es auch heute wieder vor deinem Bild: „Herr, ich bitte dich um die Gnade, mich bis in den letzten Winkel meines Herzens von dir lieben zu lassen. Amen."

 

P. Bruno Niederbacher SJ

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