Glauben braucht Entschiedenheit!

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

Im heutigen Leben bedeutet Spielraum alles. - So der Schriftsteller Oscar Wilde, der es liebte der strengen Moral im viktorianischen Großbritannien gegen den Strich zu bürsten. - Im heutigen Leben bedeutet Spielraum alles ..., wir würden vielleicht sagen: Keep your options open, ... sich nicht festlegen, sich möglichst viele Möglichkeiten offen halten, man weiß ja nie, warum sich über Entscheidungen, Entschiedenheit Spielräume verschließen, Möglichkeiten ausschließen?!

Ich lese das heutige Evangelium (Lk 12,49-53) als Aufruf zur Entschiedenheit. Es ist streng, unerbittlich, nicht attraktiv ... und ich könnte Jesus fragen: Wen willst du damit für dich und deine Sache, dein Anliegen gewinnen? Irgendwelche hardliner, die in Heilige Kriege ziehen? Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! ... Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung.

Es ist Jesus ernst, er drängt zur Entscheidung, zu Entschiedenheit für sich und sein Anliegen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter ... Es geht Jesus um Entschiedenheit, nicht um Spielraum! Ohne Jesus den Zahn ziehen zu wollen, möchte ich seine Aussagen einordnen in das größere Ganze seines Lebens ... und in den Gesamtkontext bei Lukas.

Die markanten Worte aus dem Evangelium, die ich nochmals hervorgehoben habe, spricht kein Selbstmordattentäter, der andere für seine Sache mit in den Tod reißt und kein Gotteskrieger, der ein bewaffnetes Heer formieren und befehligen will! Es sind Worte eines Wanderpredigers, der Fischer als Jünger sammelt und sich für seine Sache, sein Anliegen selbst ans Kreuz nageln lässt. Das Kreuz Jesu, das er auf sich nimmt, ist für mich das Vorzeichen vor der Klammer, das für alles, was Jesus sagte, lehrte, tat, zu beachten ist. Das Kreuz, die Lebenshingabe Jesu ist das Vorzeichen, um alles in der Klammer in rechter Weise auflösen, interpretieren zu können.

Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. - Die Feuertaufe Jesu ist das Kreuz und das Kreuz gibt uns die Lösung, wie Gott menschliches Miteinander wünscht: Das Recht des Stärkeren, das andere unterjocht und demütigt, ist eine Fehlinterpretation von Menschsein und nicht im Sinne Gottes! Die Feuertaufe Jesu ist vollzogen und zwar ein für allemal! Das Kreuz ist bleibendes Mahnmal, allen unmenschlichen Machtallüren eine Absage zu erteilen, weil wir an einen Gott glauben, der sich für Liebe kreuzigen lässt!

Wie sind Jesu Worte zu deuten: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! - Der Lukasevangelist macht uns einen Vorschlag. In der Apostelgeschichte, seinem zweiten Werk, indem er die Jesusgeschichte über Tod und Auferstehung Jesu hinaus weitererzählt, da fällt gleich zu Beginn  Feuer vom Himmel, nämlich am Pfingsttag. Es heißt: Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. (Apg 2,2-4)

Das Feuer vom Himmel, von dem Jesus froh wäre, wenn es schon brennen würde, ist der Hl. Geist, der zu Pfingsten auf die Jünger herabkam und uns in der Taufe und nochmals in der Firmung in besonderer Weise zugesagt, versprochen wurde. Und gerade die Firmung ist das Sakrament der Entschiedenheit, den Glauben zu leben, dem Bösen eine Absage zu erteilen und faule Kompromisse zu vermeiden. Und für Jesus sind selbst unsere engsten, liebsten Beziehungen, die uns heilig sind, Familienbande eben, davon nicht ausgenommen, kein neutrales Terrain, wo Glaubensentschiedenheit ausgeklammert werden dürfte, rrelevant wäre.

Um des lieben Friedens willen den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, das geht für Jesus nicht! Das provokative Beispiel aus dem Familienleben will für mich allgemein sagen:
Die Gottesbeziehung fordert Entscheidungen und Entschiedenheit, keine Beziehungsqualität steht für Jesus über Gott. Wir alle wünschen, erhoffen, ersehnen heile Familienbeziehungen, aber zur Zeit Jesu, in der die Großfamilie, die Sippe Lebensgrundlage war, dürfte sein Beispiel noch provokativer als heute empfunden worden sein.

Glauben fordert Entschiedenheit. Ein Glaube, der sich keinen Weg verbauen und alle Spielräume offen halten will, bringe ich nicht mit Jesus überein, ist nach der Deutung, die ich versucht habe, ... „geistlos"! Glaube braucht Entschlossenheit, Entschiedenheit. Der Physiker Georg Christoph Lichtenberg hat einen Sinnspruch verfasst, dem ich mich anschließe:
Gib meinen guten Entschlüssen Kraft,
ist eine Bitte, die im Vaterunser stehen könnte.

Amen.

 


Bild: P. Bernhard Heindl SJ

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