Torschlusspanik Himmel?

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

Torschlusspanik, eine Definition nach Wikipedia: Furcht, ein wichtiges Lebensziel (aus Altersgründen) nicht mehr zu erreichen, z.B.: Kinder kriegen, Ehepartner finden, bestimmte berufliche Stellung erreichen. Torschlusspanik, kein schönes Wort, man möchte eigentlich nicht damit in Verbindung gebracht werden, denn es ist nicht selten mit einem ironischen Schmunzeln verbunden: Na, da hat jemand was gerade noch ... oder eben nicht mehr auf die Reihe gebracht! Torschlusspanik, Jesus spricht im Ev. (Lk 13,22-30) von einer engen Tür in den Himmel, die sich zudem vor einem verschließen kann: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele ... werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen ... Wenn der Herr des Hauses ... die Tür verschließt und ihr draußen steht, ... dann nützt auch kein Klopfen mehr, so Jesus.

Torschlusspanik, Lebensziel Rettung meiner Seele. Manche Zeiten vor uns ängstigend sich sehr um ihr Seelenheil. Ich will in diese religiöse Stimmungslage nicht zurück, aber stimmt unsere Gelassenheit zu diesem Thema mit den Worten Jesu überein? Machen wir es uns dort, wo andere Zeiten es sich zu schwer gemacht haben, zu leicht? Oder interpretiert hier Jesus zu streng? Denn in der Lesung aus dem Buch Jesaja da haben wir von einem anderen Konzept gehört, nämlich von der großen Völkerwallfahrt nach Jerusalem am Ende der Zeit. Dort ist Jerusalem ein Stadt mit offenen Toren und breiten Zuwegen, es hieß in der Lesung: Sie werden alle ... aus allen Nationen als Opfergabe für den Herrn herbeibringen ... zu meinem heiligen Berg nach Jerusalem, spricht der Herr. (66,20)

Das bei Jesaja beschriebene Heilskonzept ist: Wenn das Gottesvolk, wenn Israel seinen Glauben so lebt, wie er von Gott gedacht ist, wenn es wirklich zum Glauben findet, dann hat das so eine Attraktivität, so eine Strahlkraft, dass alle zu dieser Heilsgemeinschaft gehören wollen! Ein idealer Glaubensansatz! Den Glauben so leben, dass er von sich aus, gleichsam selbstredend attraktiv wird und es jeder und jeden Einzelnen selbst überlassen, was er glauben will. Leben nach bestem Wissen und Gewissen und dann das eigene Seelenheil und das der Anderen getrost Chefsache sein lassen.

Ja, aber selbst in der Gottesrede bei Jesaja heißt es: Ich ...schicke von ihnen einige, ... zu den Nationen, zu den fernen Inseln, die noch keine Kunde von mir gehört
und meine Herrlichkeit noch nicht gesehen haben. Sie sollen meine Herrlichkeit unter den Nationen verkünden. (V 20) Welche Herrlichkeit Gottes gäbe es in unserer Zeit, für uns selbst und allen Zeitgenossen zu vergewissern, hilfreich zu bedenken, gezielter zu verkünden? Ich stehe wieder vor der Himmelstür! Torschlusspanik muss ich nicht entkräften, die ist nicht unser Problem bei dem Thema, es gilt für mich gegen eine eigenartige Gelassenheit anzupredigen, die uns gleichgültig macht und glaubensmäßig entkräftet.

Der Himmel hat viel Strahlkraft verloren, er scheint uninteressant geworden zu sein, irgendwie selbstverständlich, er motiviert nur noch wenig. Und ich will nochmals hervorheben, wie gut, dass es nicht mehr Angst ist, die uns himmelskonform machen will! Wie gut, dass dieser Stolperstein aus dem Weg geräumt ist, ich sehe darin wirklich die große Chance, dass deutlich wird, was für uns der wichtigste Grund ist, in den Himmel zu wollen und den Himmel, wo immer möglich, schon auf die Erde zu holen, dass es unsere Gottesliebe ist!

Gott, weil ich dich liebe, will ich dahin, wo du bist, wo nichts uns mehr trennt, trennen kann, denn Liebende wollen für immer beisammen sein! Weil ich dich liebe, will ich dir jetzt schon so oft es geht eine Freude machen, nicht selbstgefällig und selbstgerecht, sondern bewusst in deinem Sinne handeln, auch wenn es mich etwas kostet. Denn auch das ist so unter Liebenden: Die Freude des Geliebten darf etwas kosten! Weil ich dich liebe, möchte ich es dir gleichtun und nicht nachlassen im Guten!

Das Gute um des guten Willen zu tun, entschuldigen Sie, es ist zu wenig für uns Christen! Wir sollten es darüber hinaus tun und noch mehr tun, weil wir Gott lieben! Wir müssen das nicht vor uns her posaunen, aber wir müssen es auch nicht verleugnen, verheimlichen, verschweigen! Manchmal habe ich den Eindruck, wir selbst sind es als Gemeinschaft, die es sich ausredet, dass wir Gutes tun wollen, sollen, weil wir Gott lieben, dass das unsere höchste Motivation für das Gute ist!

Geht es mir um mein Seelenheil, wenn ich Gutes tue? Aber ja!, ... und warum auch nicht! Für mich ist das pure Empirie: Gutes tun tut meiner Seele gut, ... tut der Seele des Anderen gut ... und es macht mich glücklich, weil es ein gelungener Ausdruck meiner Gottesliebe ist! Warum sich die schönste Motivation für Glauben verbieten und sie hinter dem Berg halten? Weil ich dich liebe, Gott, darum, hoffentlich darum ... und immer wieder darum, tue ich das Gute!
Weil Liebe der Mühe wert ist, deshalb stelle ich meinen Fuß in die Tür ... und sag zu Jesus: Danke für den Hinweis, den Tipp!
Ich will durch diese Tür von der du sprichst, ... ich will sie nicht zufallen lassen, ... ich will da rein! - Amen.

Amen.

 


Bild: P. Bernhard Heindl SJ

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