Gott dienen als Einladung und Geschenk

Predigt zum Nachlesen von P. Georg Fischer SJ

Symbol

Lesung nach dem Propheten Amos (Am 8,4–7 aktualisiert):

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen tretet
und die Armen auf der Erde vernichten wollt! :,

die ihr sagt: „Wann ist der Feiertag endlich vorbei?
Wir wollen verkaufen und den Umsatz steigern!"

„Und wann ist der Sonntag zu Ende?
Wir wollen die Geschäfte öffnen!"

„Wir wollen das Gas weniger
und dafür den Preis höher machen
und mit den Messungen betrügen!"

„Wir wollen die Geringen mit Geld kaufen
und die Schwachen wegen geringer Schulden abhängig machen;
sogar mit Abfall und Ausschussware erzielen wir Gewinn!"

Jahwe hat bei sich und seiner Ehre geschworen:
„Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen!"

 

Die Lesung aus dem Propheten Amos, viele Jahrhunderte vor Christus, ist erschreckend aktuell auch für heute. Nach wie vor gibt es Menschen und Gruppen, für die Gewinn und maximaler Profit oberste Werte sind und die aus diesem Grund Sonn- und Feiertage als Störungen ihrer Geschäftspraxis oder Unternehmensführung ansehen. Verringerung des Angebots dient der Erhöhung der Bezahlung und damit des Ertrags.
Amos spricht im Original von „Getreide verkaufen" – heute erleben wir sogar, dass es, im Umfang von Millionen von Tonnen, aus einem zu Unrecht besetzten Gebiet gestohlen wird. Amos spricht davon, dass „Arme um Geld gekauft" werden – im Osten Europas werden sie nicht nur „gekauft", sondern erobert, unfreiwillig verschleppt, unterdrückt, abhängig gemacht oder gar getötet.
Zu solchem Handeln sind nur Menschen fähig, die nicht auf Gott, sondern auf Macht und Reichtum ausgerichtet sind, in der Sprache des Evangeliums: „dem Mammon dienen", im Gegensatz zu „Gott dienen" – Beides zugleich ist unvereinbar.
Worin aber besteht „Gott dienen"? Vieles beginnt damit, dass wir Interesse an ihm haben, und ich möchte dafür aus meiner Erfahrung einen Vergleich bringen:
Die Haushälterin meines alten, kranken und kaum mehr aus der Wohnung herauskommenden Heimatpfarrers hat mir einmal von einem – der seltenen – Besuche erzählt, den er bekommen hat. Ein jüngerer Mann aus der früheren Gemeinde hat ihn aufgesucht und ihm gegenüber Dankbarkeit und Wertschätzung ausgedrückt. Der Pfarrer war davon zutiefst gerührt und habe noch Tage danach voller Freude davon gesprochen.
Fast ähnlich ist es, wenn wir – ob in der Messe oder im Gebet – Gott ‚besuchen'. Für viele in der Gesellschaft ist er abgeschrieben, zählt so gut wie nichts. Er gleicht darin dem alten, verlassenen Pfarrer, der alles gut gemacht hat, aber trotzdem einsam geworden ist. Wenn wir jetzt hier zusammenkommen, uns an ihn wenden, ihm singen, dann sind wir wie der jüngere Mann, und wir können annehmen, dass Gott ebenso Freude an unserem Lob und Kommen hat und darin die ihm gebührende Hochachtung und Verehrung spürt.

Doch bei diesem Vergleich können die Rollen auch umgedreht werden: Auch wenn wir uns nicht so fühlen, aber Gott gegenüber sind wir bedürftig, in manchem ‚unheil' oder isoliert, und er ist der jüngere Mann, der uns aufsucht, uns tröstet, Kraft gibt, wieder aufrichtet und heilt. Wir sind auf Hilfe angewiesen, und er, der alles überragende Schöpfer von allem, der alle Zeiten Umfangende kommt, uns oft so armseligen Menschen zu dienen. Da wendet sich das Verhältnis: Es sind viel weniger wir, die ihm dienen, als umgekehrt er uns!

„Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!" hieß es im Evangelium. Tatsächlich gibt es niemand, der würdiger wäre, dass wir ihm dienen, und niemand, bei dem es lohnender ist. Gott ist der mit Abstand beste „Chef", zugleich Freundin, Liebster und vieles mehr.
Ihm zu dienen ist alternativlos – alles Andere sind schlechtere Optionen. Wirkliche Erfüllung unseres Lebens finden wir nur bei ihm.
Schon die Messe jetzt ist Gottes-Dienst, zeigt, dass wir seine Nähe suchen und schätzen. Daraus wächst die Bereitschaft, unser Leben so wie er dienend für Andere einzusetzen, wo immer es geht, in Familie, Beruf, Alltag. Dabei werden wir immer mehr Gemeinschaft auch mit ihm erfahren und Jesus ähnlich werden, der „gekommen ist, um zu dienen". Amen.

 

P. Georg Fischer SJ


Bild: John Moeses Bauan via unsplash.com

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