Auferstehung der Toten

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

Es hat knapp 30 Jahre gedauert, bis mein Wunsch wahr wurde. Bereits als Abiturient wollte ich nach Indien. Eine kleine Sabbatzeit, ein Stellenwechsel im Orden, machte es dann möglich.
Varanasi, die heilige Stadt der Hindus am Ganges stand auf meiner Wunsch-, meiner Reiseliste. Den ersten Blick auf den Ganges werde ich nicht vergessen: Dämmerung, alles war - zu Indien passend - in orange-ogger-gelbes, mildes Abendlicht getaucht. Der Ganges, ich konnte meine Augen nicht abwenden, von diesem faszinierenden breiten Strom, der ruhig dahinfloss. So ruhig, dass ich mich fragte, in welche Richtung er überhaupt fließt, ... bis ich kleine Schwimmkerzen am Ufer ausmachte, die Kinder in das Wasser gesetzt hatten ... und die langsam in meine Richtung trieben.

In einem Radiobeitrag über Varanasi (Deutschlandfunk 2016, Sterben am Ganges) sagt eine Inderin: „Varanasi ist für mich die Erlösung. Und im Ganges fließt nicht Wasser, sondern Nektar, aus dem wir diesen Glauben saugen." Diesen Glauben, ... den Glauben an Erlösung, dass der Kreislauf der Wiedergeburt auch einmal ein Ende hat. Wer in Varanasi stirbt, wessen Asche in den Ganges gestreut wird, der ist im Nirwana aufgegangen, der ist erlöst.

Mit Blick auf das Leben nach dem Tod, was ist die Lösung, die Vorstellung, die hilft? Nicht wenige sagen auch bei uns: Wiedergeburt ist leichter vorstellbar, als die Auferstehung der Toten, wie wir sie glauben. Die Natur macht es uns vor, im Kreislauf des Lebens geht nichts verloren, ... tote Materie ist die Grundlage für neues Leben. Wiedergeburt eine harmonische Lösung, erneut teilhaben am Kreislauf des Lebens. Die Inderin aus dem Radiobeitrag sieht das weniger romantisch: „Ich möchte nicht als eine von 84.000 Kreaturen wieder geboren werden." Und: „Ganz ehrlich, noch mal Mensch sein, ist mir zu viel. Zu viele Sorgen, zu viel Trauer. Auch wenn es manchmal Glück gibt, ist das Leben nicht immer schön."

Kurz: Die Europäer wollen hinein, die Asiaten heraus, aus dem Kreislauf der Wiedergeburt. Was für Europäer plausibel und romantisch klingt, ist für Asiaten hinzunehmendes Purgatorium, eine Läuterung, bis man endlich im Nichts aufgehen darf und die Hoffnung ist, nicht zu viele Anläufe dafür nehmen zu müssen.

Mit Blick auf das Leben nach dem Tod, was ist die Lösung, die Vorstellung, die hilft? Die Sadduzäer aus dem heutigen Evangelium konnten sich die Auferstehung der Toten auch nicht vorstellen und sie führen das Thema ironisch ad absurdum. Der Himmel wird über ihre Frage von der Frau, die nacheinander sieben Männern hatte, zu einer Art Einwohnermeldeamt, das Probleme hat, den korrekten Familienstand seiner Bewohner zu registrieren.Wie reagiert Jesus auf die Ironie der Sadduzäer, hat er eine hilfreiche Lösung auf die Frage nach dem Leben über den Tod hinaus?

Für mich ist Jesu Antwort hilfreich. In seiner schlichten Erwiderung, dass die kommende Welt nicht einfachhin eine Verlängerung der jetzigen darstellen wird, lässt er die Ironie ins Leere laufen. Ironie kommt bei der Glaubenslehre der Auferstehung der Toten ja bis heute leicht ins Spiel. Die Auferstehung der Toten mit „Leib und Seele", wie soll das gehen? Schnell sind Fragen da oder Himmelsbilder, Paradiesesvorstellungen, die das ganze Thema in die Nähe absurder Naivität rücken. Ironie ins Leere laufen lassen und herausstellen, was mir wichtig ist. Die Auferstehung von den Toten mit Leib und Seele will mir vergewissern, dass ich mit meiner ganzen Lebensgeschichte bei Gott sein werde.

Auferstehung von den Toten mit Leib und Seele: Himmel ist nicht ein Abstreifen der lästigen, körperlichen Hülle und eine Veredelung meinerselbst in eine rein geistige Existenz. Hinter der Grenze des Tode wartet keine „Entfremdung" auf mich, ein rein geistiges Wesen, das ich nicht mit mir in Verbindung bringen kann, sondern eine Seinsweise, in der ich mich wiedererkenne, ... die mich in meiner ganzen Existenz abbildet. Wer von uns will behaupten, dass sein Körper für die eigene Individualität, für das, was uns unverwechselbar ausmacht, unwichtig wäre? In unseren Körper ist Lebens- und Erfahrungsgeschichte, schöne und schmerzliche eingeschrieben, die auch bei Gott sein wird, weil sie zu uns gehört. Alles wird bei Gott sein und zwar versöhnt.

Kurz: Was ich hier, auf mich geblickt, ersehne, aber häufig schmerzlich vermisse, Ganzheitlichkeit, wird dort gegeben sein.

Auferstehung von den Toten: Meine ganze Lebensgeschichte wird bei Gott sein, ... Gott bejaht, achtet, würdigt meine Existenz, meine Individualität über die Grenze des Todes hinaus. Das ist für mich bedeutsam! Wie das aussehen wird, ich mit Leib und Seele, gänzlich versöhnt?, ... das muss ich Gott überlassen und versuche mir diesbezüglich Witzchen zu ersparen! Auferstehung von den Toten, in Jesu Antwort ist mir noch etwas wichtig. Er hebt nämlich hervor, dass die Auferstehung, die er meint, kein Automatismus ist. Auf den Tod muss nicht die Auferstehung folgen, ... Auferstehung ist kein Naturgesetz! Jesus hebt hervor, die, „die Gott für würdig hält ... an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben" (V 35), die leben in einer Welt, ... die nicht nach irdischen Konventionen, Verhaltensregeln gestaltet ist. Auferstehung der Toten ist ein Gnadenerweis, ein Liebesakt Gottes, kein Recht, auf das ich einen Anspruch habe, ... kein Naturgesetz, auf das ich mich verlassen kann! In der neuen Welt wird nur Gutes existieren, es ist eine Entscheidung Gottes, dass es eine Verfehlung von Menschsein gibt, die er nicht rettet, die er einfach untergehen lässt, im Tod belässt.

Auch hier muss ich Genaueres Gott überlassen, aber Jesu Antwort ist mir Trost mit Blick auf all die von Menschen verursachte Bosheit in der Welt, mit Blick auf all die unvorstellbaren Grausamkeiten, die Menschen Menschen antun! Und dass Auferstehung kein Recht, kein Naturgesetz, kein Automatismus ist, ist mir natürlich auch für mein Leben, meine Lebensführung ein wertvoller Hinweis! Denn dieses gänzliche Versöhntsein mit mir selbst möchte ich erleben, ich sehne mich ja hier schon danach!

Auferstehung von den Toten, Erlösungsglaube. Mir hilft die Antwort Jesu. Sie ist für mich nicht absurd, sondern Hoffnung, Trost, Hilfe und Ansporn zugleich, mein Leben zu gestalten. Auferstehung mit Leib und Seele, versöhnte Ganzheitlichkeit, warum sollte Gott das nicht hinbekommen, was ich zutiefst ersehne? - Amen.

 

 


Bild: Fra Angelico, San Marco, Florenz, P. Bernhard Heindl SJ

mitteilen

Share Tweet Mail Whatsapp Xing LinkedIn

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

ImpressumSitemapLinksDatenschutzPräventionKontaktLogin

Impressum
Sitemap
Links
Datenschutz
Prävention
Kontakt
Login

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck

powered by webEdition CMS