"Kommt und folgt mir nach!" - Denn: "Ihr seid das Licht der Welt."

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, 20. Jänner 2023

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

„Es sollte sich erfüllen: ... Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen." Für den Matthäus-Evangelisten ist Jesus die Lichtgestalt, die der Prophet Jesaja ankündigte, die sehnsüchtig erwartet wurde.

Sie können nochmals einen Blick auf die Weihnachtskarten werfen, die Freunde und Bekannte, liebe Menschen, Ihnen geschickt haben: Immer wieder ist genau diese Prophezeiung dargestellt:
Der Stall, ein dunkler Raum, Menschen schauen gerührt auf ein Baby in einer Krippe und beim zweiten Blick fragt man sich: Wo ist eigentlich die Lichtquelle, die die Menschen aus dem Dunkel hebt, die alles beleuchtet, dass auch ich als Betrachter mit schauen, mit staunen kann? Es ist das Kind in der Krippe selbst, das Kind ist die Lichtquelle, die alle in helles, warmes Licht taucht! Es sollte sich erfüllen: Christus, der Messias, tritt seinen Weg an, der Messias, wie verheißen, eine Lichtgestalt!

Wo tritt er seinen Weg an, wo erscheint der Messias zuerst? Aus frommer Sicht am dunkelsten Flecken der Landkarte Israels, des 12-Stämme-Volkes: Im einstigen Stammland von Sebulon und Naftali, sieht man diese Lichtgestalt zuerst! Sebulon und Naftali, ganz im Norden Palästinas gelegen, ein verrufener Landstrich. Aus orthodoxer Sicht verrufen, weil dieser Landesteil stark von „Heiden", von ungläubigen Völkern, unterwandert war. Von Heiden, die das wahre göttliche Licht nicht kennen, die vielmehr dem Abglanz nichtiger Götter erliegen.

Also, im Galiläa der Heiden sollte es sich erfüllen: „Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen". Stärker noch: „Denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen!" Und was ist die Botschaft dieser Lichtgestalt: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!" Ein starker Kontrast: Die, die man nicht ernst nahm, die man schon ins Totenreich abgeschrieben hatte, denen wird nun das Himmelreich in Aussicht gestellt! Theologisch eine spektakuläre und zeitlos zu beachtende Botschaft: Vorsicht mit Ausgrenzungen! Die messianische Heilszusage hebt Grenzen auf, setzt sich über Grenzziehungen hinweg, geographisch wie moralisch! Auch spirituell ist diese kleine „Landeskunde Israels", die das heutige Evangelium bietet, bedenkenswert: Schattenreich des Todes und Himmelreich. Gibt es Schattenreiche in mir? Ich denke da an Selbstbetrugmechanismen, in denen kein Leben ist, die nicht ins Leben führen, die mich ins Leere laufen lassen. Verhaltensmuster, die mich ins Abseits führen, wo ich mehr vegetiere als lebe.

Ohne Licht kein Leben! Und wenn ich beim Spirituellen bleibe: Jede Spiritualität, gleich von welcher Weltreligion oder Weltanschauung sie sich ableitet, sie inspiriert ist, kennt „Licht" als attraktive Metapher. Man kann sich mit Blick auf Gott auch im Hellen, im Nebel, im Konturlosen verlieren. Vielleicht ein Markenzeichen der Esoterik. Da bin ich kein Fachmann, aber das Licht, an das wir glauben, das wir als Christen für die Erhellung unseres Innersten ersehnen, hat klar erkennbare Konturen angenommen. Es kommt in einer Gestalt auf uns zu, die uns nicht entfremdet, wenn wir uns suchend diesem Licht angleichen wollen. Denn aus dem göttlichen Licht tritt uns ein Mensch entgegen!

Wer das göttliche Licht christlich sucht, kommt am Menschen nicht vorbei. Das göttliche Licht suchen, heißt für mich, je mehr zu Menschen werden, heißt für mich, dem göttlichen Licht Konturen verleihen. Nur ein Kapitel weiter als das heutige Evangelium, nämlich im 5. Kapitel bei Matthäus, in der Bergpredigt, der „Magna Carta" des Christentums, wird Jesus seinen Hörerinnen und Hörern zusprechen, zurufen: "Ihr seid das Licht der Welt!" (Mt 5,14)

Wir sollen dem göttlichen Licht Konturen verleihen! Christliche Spiritualität muss konkret werden und daher ist es für mich nur folgerichtig, dass auf die Erfüllung der Verheißung: „Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen", ... eine Berufungsgeschichte folgt. Es wird konkret! Wer diesem Licht, wer Jesus folgt, dem will er helfen, Konturen anzunehmen. Jesus wünscht, dass unser Leben Form bekommt.
Simon und Andreas, Jakobus und Johannes, in ihrem Alltag, trifft sie das verheißene „helle Licht", der Lichtstrahl, der sie alles in einem neuen Licht sehen lässt, der ihre Konturen schärfen wird. „Kommt und folgt mir nach!", ist die Aufforderung an sie und das Spätere noch einmal vorweggenommen und gleich angefügt, weil es die Verheißung jeder christlichen Berufung ist: „Kommt und folgt mir nach!" Denn: „Ihr seid das Licht der Welt!"

Das Licht suchen, ja, natürlich gern! Wer möchte da etwas dagegen haben? Aber selbst Licht sein, universal, weltumfassend noch dazu! Da kann man erschrecken und will vielleicht sein Licht lieber unter den Scheffel stellen oder mit der Konturierung seines Lebens noch zuwarten.
Es ist ein Text von Nelson Mandela, der gut auf den Punkt trifft, was ich gesagt haben wollte. Datiert ist er aus dem Jahr 1994, das Jahr in dem Mandela aus dem Gefängnis, aus dem Schattenreich des Todes entlassen, Präsident des neuen Südafrikas wird:

Es ist nicht unsere größte Angst,
dass wir zu klein und zu wenig sein könnten.
Unsere tiefst sitzende Angst ist,
dass wir von grenzenloser Größe sind.
Es ist unser Licht,
nicht unsere Finsternis,
vor dem wir uns
am meisten fürchten.
Wir fragen uns selbst:
Wer bin ich,
dass ich brillant, wunderbar,
talentiert und sagenhaft gut wäre?
Doch, wer bist du eigentlich, nicht du zu sein?
Du bist ein Kind Gottes (...)
Wir wurden geboren,
um die Herrlichkeit Gottes,
die in uns wohnt,
offenbar zu machen (...)
Und während wir unser Licht leuchten lassen,
geben wir stillschweigend
anderen Menschen die Erlaubnis,
es uns gleich zu tun (...)

 


Bild: Correggio, Alte Meister, Dresden

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