Gott will uns erreichen

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, 3. Sonntag im Jahreskreis

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Kaum ist die E-Mail abgeschickt, ist auch schon die Antwort da: Vielen Dank für Ihre Nachricht, ich bin derzeit nicht erreichbar, mit der Bitte um Ihr Verständnis, freundliche Grüße ... - Eine Abwesenheitsnotiz, meist eine kleine Enttäuschung. Ich fühle mich ausgebremst in meinem Anliegen, denn man schreibt ja nicht grundlos E-Mails.

Lieber Gott, ich bin derzeit nicht erreichbar, ich melde mich bei dir so früh als möglich, mit der Bitte um dein Verständnis, wir hören voneinander, mach's gut bis dahin ... Ich verwalte nicht das Postfach des Lieben Gottes, keine Ahnung ob viele Abwesenheitsmeldungen bei ihm eingehen, ... aus dem Anfang des heutigen Evangeliums lese ich heraus, dass Gott uns erreichen will, uns eine Nachricht schickt, sie lautet: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Die Nachricht gewinnt an Gewicht, weil sie zugleich die erste wörtliche Rede Jesu, der erste Satz ist, den Jesus im Markus-Evangelium spricht. Eigentlich ist die Botschaft klar und doch sind „Reich Gottes", wörtlich Königsherrschaft Gottes, und Evangelium, gute Nachricht, große, feierliche Begriffe. Vielleicht verliert der Text an Feierlichkeit, frei und wortspielerisch möchte ich den ersten Satz Jesu so wiedergeben: Es ist so weit, Gott will euch erreichen, lasst euch darauf ein, er will euch nur Gutes!

Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. - Es ist so weit, Gott will euch erreichen. - Wie will Gott uns erreichen, wofür steht das Reich Gottes, wie füllt das Neue Testament diesen großen, feierlichen Begriff Reich Gottes mit Inhalt? Woran erkennen wir, dass das Reich Gottes begonnen hat, Gott uns erreicht hat?

Bleibe ich im Markus-Evangelium, dann tritt Jesus seinen Dienst für das Reich Gottes als Wundertäter an. Im Markus-Evangelium ist Jesus der Heiland körperlicher und seelischer Gebrechen. Zu Beginn des Markus-Evangeliums reiht sich Wundergeschichte an Wundergeschichte: Plagegeister werden ausgetrieben, lebensbedrohliches Fieber gesenkt, Aussatz behandelt, ein Gelähmter kann wieder laufen und Menschen, die als Sünder gebrandmarkt waren, werden von Jesus über Sündenvergebung rehabilitiert.

Wir mögen Wundergeschichten mit Skepsis begegnen, aber die zeitlose Erzählabsicht ist für mich die Vergewisserung: Gott will uns Gutes! Wen Gott erreicht, wer sich von ihm erreichen lässt, der wird heil. Das Reich Gottes schlägt keine Wunden, in den Wirksamkeitsbereich Gottes einzutreten, hineingenommen zu werden, ist heilsam! Und am Ende dieses sehnsuchtsvollen Auftaktes, denn wir alle sehnen uns danach heil zu sein, empört der Heiland Jesus die Selbstgerechten, indem er für sich und das Reich Gottes klar stellt: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (2,17)

Das Reich Gottes ist nahe. - Es ist so weit, Gott will euch erreichen, ... lasst euch darauf ein, er will euch nur Gutes! Wo wurde ein Schmerz in mir gelindert, eine Sorge entkräftet, eine Angst überwunden, eine Not behoben? Überall dort habe ich Reich Gottes erfahren, auch wenn es vielleicht keine spektakuläre Wundergeschichte war.

Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. - Letztlich stimmen wir diesem Satz in jeder Messe zu, wenn wir gemeinsam im Vaterunser bitten: ... und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern ... Es ist das ehrliche Eingeständnis, dass über uns nicht nur Gutes in die Welt kommt und es ist die ehrliche Bitte, alles heillose Verhalten, Streit, Neid, Hass, Missgunst, einfach alle Feindseligkeiten überwinden zu dürfen. Eingeleitet ist diese Bitte mit ... dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden ...
Wo Vergebung geschieht, hat der Himmel die Erde berührt, hat Gott uns erreicht, durften wir spüren, wie Reich Gottes ist!

Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! - Oder: Es ist so weit, Gott will euch erreichen, lasst euch darauf ein, er will euch nur Gutes!
Gott will uns erreichen, das ist sein Anliegen, sein Herzenswunsch. Ich weiß nicht, was er zu Ihnen gesagt hat, aber er hat Sie ja erreicht, sonst säßen Sie nicht hier! Wissen Sie noch, wie alles begann, wie Gott Sie neugierig gemacht hat auf sich, wie er Sie letztendlich erreicht hat, dass Sie sagten: Ich lass mich darauf ein, er will mir nur Gutes!

Also Fischer z.B., um nochmals kurz ins heutige Evangelium zu schauen, die nicht wissen wollen, was ... Menschenfischer meint, ... die dem nicht nachgehen wollen, schließlich steckt da ihr Beruf drin, wären meines Erachtens sonderbar langweilige Typen! Es wundert mich nicht, dass Simon und Andreas, Jakobus und Johannes sich locken lassen.

Für mich eine spannende Glaubensfrage: Wo habe ich Reich Gottes erfahren, wo bin ich heil geworden, weil Gott mich erreicht hat?
Sie alle müssen heilsame Erfahrungen gemacht haben, ansonsten, glaube ich, hätten Sie eine Abwesenheitsnotiz gesetzt und wären heute nicht hier. - Amen.


Bild: Heindl SJ

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