Jesus lehrt

Predigt zum Nachlesen von P. Bruno Niederbacher SJ, 4. Sonntag im Jahreskreis

Symbol

Jesus lehrt. Er wird öfter „Rabbi" genannt oder „Rabbuni", „mein Meister". Und seine Lehre hat zwei Wirkungen. Erstens sind die Menschen betroffen von seiner Lehre. Seine Worte gehen zu Herzen, sie sprechen an, sie sind Seelennahrung. Daraus ergibt sich meine erste Frage: Welche Worte Jesu, die ich aus dem Evangelium kenne, lösen eine solche Betroffenheit bei mir aus? Welche finden direkt den Weg in mein Herz? Welche erzeugen eine Resonanz, ein Echo? Wo ich innerlich sage: „Ja, Ja, Ja, so ist es..."

Zweitens wirkt Jesu Lehre befreiend. Die unreinen Geister kommen zum Vorschein: Geister, Gedanken, Vorstellungen, die knebeln und krankmachen, die Lärm erzeugen und uns hin- und herreißen, uns die innere Ruhe rauben. Jesus deckt sie auf und befreit. Und daraus ergibt sich meine zweite Frage: Welche Worte Jesu haben diese befreiende Wirkung für mich? Ich erzähle einmal von dreien.

1. Das erste Wort erklingt bei der Taufe Jesu. Johannes will Jesus zunächst nicht taufen. Und Jesus sagt dann: „Lass es nur zu!" Das ist sein erstes Wort im Matthäusevangelium. Für mich ist es ein Lebenswort. Ich erlebe es oft im Gebet. Ich setze mich hin, um in der Stille der Gegenwart des Herrn zu verweilen.
- Da taucht z. B. der Geist des Neides auf: Mir fällt ein, wie weit es andere gebracht haben, wie erfolgreich sie sind – und ich wurstle noch auf niedrigem Niveau herum...
- Oder es taucht der Geist der Angst auf, die Furcht vor dem Leben, vor dessen Herausforderungen, vor Krankheiten...
- Oder es taucht der Geist der Trauer auf: Liebe Menschen, die gestorben sind. Tränen fließen wieder...

Diese und andere Geister regen sich, wenn ich versuche in der Gegenwart des Herrn zu verweilen. Und ich neige dazu, sie weghaben zu wollen, sie zu verscheuchen. Ich verwende meine Energie darauf, sie zu bekämpfen. Aber ich höre Jesu Wort: „Lass es zu." Ich versuche, sie sein zu lassen. Ich höre auf, gegen sie anzukämpfen. Ich halte mich mit allem, was ich bin,
dem Herrn hin. Ich schaue auf ihn. „Let it be" und „let go", sagte mein geistlicher Meister im Terziat. „Lass es zu" und „Lass es los": befreiende Worte im geistlichen Leben.

2. Ein weiteres Wort erklingt bei Jesu Predigt in Kafarnaum. Es ist sein erstes Wort im Markusevangelium, wie wir letzten Sonntag gehört haben: „Die Zeit ist erfüllt." Auch das ist ein Lebenswort. Wann ist erfüllte Zeit? Ich neige zu denken:
- Nur wenn ich gesund bin, ist erfüllte Zeit.
- Nur wenn ich mich stark fühle, ist erfüllte Zeit.
- Nur wenn meine Vorhaben gelingen, ist erfüllte Zeit.

Diese Geister bestimmen das Leben. Aber Jesus sagte: „Die Zeit ist erfüllt", als Johannes ins Gefängnis geworfen worden war. Als die Umstände nicht so rosig waren. Und ich frage mich: Kann nicht auch Zeit, in der ich krank bin, erfüllte Zeit sein? Kann nicht auch Zeit, in der ich schwach bin, erfüllte Zeit sein? Kann nicht auch Zeit, in der ich scheitere, erfüllte Zeit sein? „Selig, die arm sind", sagt Jesus, und „selig die Trauernden..." und „Wer sein Leben verlieren kann, wird es gewinnen." Hat nicht jede Situation das Potenzial, mich in Gottes Nähe zu führen? Und ist nicht das eigentlich erfüllte Zeit?

3. Ein weiteres Wort Jesu erklingt, als die Eltern den zwölfjährigen Sohn voll Sorge suchen: „Warum habt ihr mich gesucht?", fragt er. „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?" Es ist Jesu erstes Wort im Lukasevangelium. „Mein Vater", „Abba", so hat Jesus mit Gott kommuniziert, und im wichtigsten christlichen Gebet, im Gebet, das er uns gelehrt hat, lädt er uns ein, ebenfalls „Vater" zu Gott zu sagen, oder „Mutter" oder „Freund". Der unreine Geist redet mir ein: „Wenn es Gott gibt, dann ist er weit weg von dir. Entweder er kümmert sich überhaupt nicht um dich, oder wenn er sich kümmert, dann nur wenn du dich vorher empor geleistet hast." Jesus aber lehrt mich etwas anderes: „Du kannst in jedem Augenblick direkt zu Gott kommen. Wie ein Kind zum Papa läuft, zur Mama. Es braucht kein Sich-Empor-Leisten, keine endlosen Vermittlungen. „Abba", und du bist sofort mittendrin. Gott ist nur ein Gebet weit von dir entfernt."

P. Bruno Niederbacher SJ
Jesuitenkirche Innsbruck
4. Sonntag im Jahreskreis


Foto: Gianandrea Villa via unsplash.com

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