Berufung - die Dinge des Herzens brauchen Zeit!

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, 5. Sonntag im Jahreskreis

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Endlich legt Jesus so richtig los! Die Zeit ist erfüllt, hörten wir zwei Sonntage zurück von ihm. Ja, es wurde aber auch allmählich Zeit! Jesus und die PISA-Studie, PISA, nicht die Stadt, sondern das Programm zur internationalen Schülerbewertung. PISA misst alle 3 Jahre die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schülerinnen und Schüler. Wie fit Jesus für Leben und Beruf mit 15 war, wissen wir nicht. Aber ein Zimmermann, der, was wir historisch-kritisch rückschließen, mit knapp 30 noch umsattelt, da könnte man kritisch sagen: Das hätte aber schneller gehen können! Wer's zu was bringen will, muss früher wissen, was er will, mit 30 sind Karrieren gemacht oder vertan! Mit Blick auf den Arbeitsmarkt ist bei uns Beschleunigung angesagt!

Mag sein, aber die wichtigsten Dinge im Leben, die Dinge des Herzens brauchen Zeit! Ein Beruf, eine Berufung, die einen erfüllt, für die man leben will, sein Leben geben will, braucht Zeit! Jesus hat seine Berufung gefunden und er geht sie gezielt an, tatkräftig mit ganzem Herzen! Im Evangelium sind wir hineingenommen in einen arbeitsreichen Tag Jesu. Man muss der Vollständigkeit halber den letzten Sonntag mit dazu nehmen, dann lässt sich aufzählen: Er befreit einen Mann von einem unreinen Geist in Synagoge von Kafarnaum, dann heilt er die Schwiegermutter Petri ... und nach Sonnenuntergang - also nach der Sabbatruhe, als Bewegung, Arbeit wieder erlaubt waren - bringt man alle Kranken und Bedürftigen des Ortes zu ihm und er heilte viele, heißt es da.

Den neuen Tag beginnt er, indem er sein Herz zur Ruhe kommen lässt, sich neu ausrichtet auf das, was sein Leben ausmacht: ... auf Gott! Der kleine Suchtrupp, den Petrus anführt, findet Jesus beim Gebet. Lasst uns anderswohin gehen, ... damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen, antwortet er Petrus. Hier krempelt einer die Ärmel hoch, hier geht einer mit Entschiedenheit seine Berufung an, hier kommt einer mit Wort und Tat dem nach, wozu sein Herz in ruft!

Mit ganzem Herzen einer, besser meiner Berufung nachkommen, das darf dauern, das muss wachsen, da lässt sich nichts drängeln und selten ist hier Beschleunigung das Erfolgsrezept, eher Entschleunigung! Berufung: Hierbei geht es nicht um Karrieren. Die Dinge des Herzens wachsen lassen meint, ihnen Zeit schenken, entschleunigen, sich entscheiden und wachsende Entschiedenheit leben, in seiner Entscheidung wachsen!

Gehirnforschunger sagen, heute muss ein junger Mensch doppelt so viele Impulse verarbeiten als 1960. Hält das eine Psyche (oder Herz) aus?! Leben wir in einer entscheidungsschwachen Zeit? Wohl eher: Der Entscheidungsdruck hat über die Entscheidungsfülle enorm zugenommen! Man kommt gar nicht mehr nach mit Entscheiden ... und hält sich deshalb alle Türen offen. Aber: Sich nicht festlegen meint oft, halbherzig leben und das zehrt an der Substanz, laugt aus! Seine Berufung finden und sie mit ganzem Herzen leben (dürfen), ... wünsch ich jedem jungen Menschen! Es gilt Druck rauszunehmen, wo immer möglich, es geht nicht um trödeln, sondern, um bedenken, wachsen, reifen lassen ...

Zurück zu Jesus, der mit ganzem Herzen seine Berufung lebt: Wozu sind wir Christen mit Christus berufen?
Ganz allgemein: Weil Jesu Berufung ... Gott war, sind wir (- wenn wir ihm folgen -) immer etwas ... über uns hinausgerufen! Jesus oder Gott folgen, machen wir nicht, ... können wir nicht aus eigener Kraft machen! Diese Verwiesenheit auf eine höhere Kraft und Macht bei unserer Berufungsfindung wahrzunehmen und zu respektieren, bewahrt uns, schützt vor Selbstgefälligkeit.

Nochmals in das Evangelium von heute geblickt, zu was sind wir über Christus als Christen konkret berufen? Wir sind berufen aufzurichten (- Jesus richtet die Schwiegermutter Petri auf -), wir sind berufen heilsam zu wirken (alle Kranken suchten ihn). Konkret und alltagsnah: Zuhören kann aufrichten, ... die Wahrheit in Liebe sagen, kann aufrichten, ... das Statussymbol Zeit verschenken, kann aufrichten, ... Vertrauen schenken kann aufrichten (- wider den Argwohn! -), ... die Ärmel hochkrempeln und tatkräftig helfen, heißt einander aufrichten (- warum nicht ein Ehrenamt übernehmen?).

Seine Berufung finden, heißt für mich, über sich hinaus wachsen und etwas mit ganzem Herzen leben, die Halbherzigkeit überwinden, hinter sich lassen. Zu beherzten Menschen werden, das braucht seine Zeit! Ja, es mag dauern, aber auf Jesus geblickt, gibt es die Zuversicht in mir: Herzensbildung braucht Zeit! Aber es kommt die Zeit, wo sichtbar wird, was ein Mensch in seinem Herz hat reifen lassen. Und das zählt, darum es geht, wenn wir von Berufung reden. - Amen.


Bild: Heindl SJ

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