Laetare!

Predigt zum Nachlesen von P. Bruno Niederbacher SJ, 4. Fastensonntag

Symbol

Mitten in der Fastenzeit ertönt ein Ruf: Laetare! Lass dich erfreuen! Da klingt bereits das österliche Halleluja an. Und die Kirche trägt Rosa. Sie will Rosastimmung verbreiten.

Laetare!

Warum? Warum soll ich mich erfreuen lassen?

Weil Gott so ist wie er ist.

Wie ist er?

Der Introitus aus dem Buch Jesaja verwendet heute mütterliche Bilder, um von Gott zu sprechen. Jerusalem – Symbol für Gottes Gegenwart – wird mit einer Mutter verglichen: „Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum!" (Jes 66,11) Immer wieder greift die Bibel auf solche Bilder zurück, um zu beschreiben, wer Gott für uns ist und wir für ihn. So heißt es bei Jesaja weiter: „Wie eine Mutter ihr Kind tröstet, so tröste ich euch." (Jes 66, ) Und in Psalm 131,2 lesen wir: „Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind, so ist meine Seele in mir." Und der Prophet Hosea (11,4) lässt Gott sagen: „Ich war da für sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben." Und bei Lukas (13,34) sagt Jesus selbst: „Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt." Lass dich also erfreuen, weil Gott so ist!

Laetare!

Warum?

Weil Gott dich erfüllt.

Aber stimmt das? 

Wenn ich die Welt im Großen betrachte, sehe ich die Dornen und Disteln einer gefallenen Schöpfung. Ich sehe Kriege, Grausamkeiten, Hunger, Tränen, Naturkatastrophen, Krankheiten, Tod. Meint Gott es gut mit uns? Und wenn ich die Welt im Kleinen betrachte, meine Welt, mich, beschleicht mich die Sorge: Werde ich nicht zu kurz kommen, wenn ich mich vorbehaltlos ihm überlasse?
Das sind berechtigte Fragen. Die Heilige Schrift hält aber dagegen und ruft uns zu: „Saugt euch satt!" Sie wird nicht müde, vom „überfließenden Reichtum der Gnade Gottes" (Eph 2,7) zu erzählen. Gott ist der Gute, und das Gute ist so, dass es überströmen, sich mitteilen will. Lass dich also erfreuen, weil Gott dich erfüllt!

Laetare!

Warum?

Weil Gott dich beschenkt. „Aus Gnade" schreibt Paulus, „nicht aus eigener Kraft." (Eph 2,8)
Ich lebe in der Welt der Leistung, in der Welt der Macher. Da wird dir nichts geschenkt. „Leiste oder gehe zugrunde. Mach schon, reiß dich zusammen, streng dich an!," heißt die Devise. Jesuiten sind auch Macher. Sie wollen etwas bewirken. Aber im geistlichen Leben ist diese Mentalität verfehlt. In der Welt Gottes geht es anders zu. Es war am Ende meiner großen Exerzitien im Terziat, nach dreißig Tagen Meditieren im Schweigen. Da ist mir bewusst geworden, dass ich oft zu viel wollte. Ich habe mich angestrengt und dadurch geistlich verrenkt. Mir ist aufgefallen, dass Meister Ignatius eigentlich immer um Gnade bitten lässt. Ich bitte also darum, mich von Gott beschenken und lieben lassen zu können, Entwicklungen in mir mehr geschehen lassen zu können. Und da sind wir wieder bei den mütterlichen Bildern: Gottes Wort im Glauben empfangen, die Frucht der Erlösung in mir reifen und wachsen lassen, sie mit Freude und Liebe betrachten zu können. Und wiederum: Alles aus Gnade, nicht aus eigener Kraft. „Laetare!" Sogar dieser Aufruf ist ein Passiv. Lass dich also erfreuen, weil Gott dich beschenkt!

Laetare!

Warum?

Weil du gerettet bist.

Was, jetzt schon?

Ja, jetzt schon! „Gott, der voll Erbarmen ist... hat uns in seiner großen Liebe... zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht," schreibt Paulus (Eph 2,4-5); und: „Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet." (Eph 2,8) Johannes sagt es auch: „Wer glaubt, hat das ewige Leben." Jetzt schon. Es ist wie wenn der Arzt zum Krankenbett kommt und dir sagt: „Sie sind überm Berg. Sie sind gerettet. Sie werden wieder gesund." Du fühlst dich zwar noch schwach und spürst die Schmerzen, aber die Perspektive hat sich völlig verändert. Und unser Glaube bietet einen ähnlichen Wechsel der Perspektive: Du bist gerettet. Es ist wie das Vorzeichen auf der Notenzeile. Unter dem Vorzeichen Du bist gerettet möchte ich mein Leben lesen: meine Kindheit, mein Erwachsen-Werden, meine Gipfelerlebnisse und meine schwerste Stunde, meine Ängste und meine Hoffnungen, das Banale des Alltags und die Widrigkeiten des Alters. Würde mein Leben nicht gelassener, tröstlicher, freier, froher, wenn ich es unter diesem Vorzeichen betrachten könnte? Und würde unter diesem Vorzeichen das ewige Leben nicht schon jetzt beginnen? Du bist gerettet. Jetzt schon. Lass dich also erfreuen! 

Laetare!

 

P. Bruno Niederbacher SJ
10. März 2024, 4. Fastensonntag, Laetare


Foto: Antonina Bukowska via unsplash.com

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