Kreuz: Aufblick und Einblick

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ, Karfreitag

Symbol

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Das Kreuz, zwei Worte, die mir helfen, mich diesem schwierigen Glaubensgegenstand anzunähern: Aufblick und Einblick.

1. Zum Kreuz aufblicken:

Augenhöhe, ein wichtiges zwischenmenschliches Wort in unserer Zeit, wir wollen, dass uns auf Augenhöhe begegnet wird, dass wir einander auf Augenhöhe begegnen.
Autoritäten sollen nicht abgehoben wirken, sein.

Und doch möchte ich auch zu etwas, zu jemanden aufblicken. Ich möchte zu Jesus auch aufblicken, als Vorbild, als Autorität, die mich inspiriert.

Zum Kreuz aufblicken, weil es mir eine Menschlichkeit zeigt, die ich ersehne, zu der ich aber nur selten fähig bin.
Zum Kreuz als Zeichen für Menschlichkeit aufblicken, ...
weil es mir eine Liebe zeigt, die keinen Verrat bereit war zu begehen;
weil es mir eine Liebe zeigt, die nicht der irdischen Logik folgt zurückzuschlagen.

Zum Kreuz aufblicken, weil es menschliche Handlungsmuster und Kreisläufe durchbricht, die keine Inspiration sind, sondern immer näher an den Abgrund führen.

2. Über das Kreuz Einblick nehmen:

Immer wieder wird kopfschüttelnd und fragend, gerade im Namen der Menschlichkeit, auf das Kreuz gezeigt:
Was ist das für ein grausamer Gott, der das Blut seines Sohnes sehen, riechen möchte, um sich beschwichtigen, um sich versöhnen zu lassen?!

Bei dieser Sicht auf das Kreuz wird eine Teilung vorgenommen, eine Diochotomie unterstellt, die die Bibel nicht kennt. Das Kreuz ist nicht so zu verstehen, dass dort der Vater mit billigendem, kühlen Blick thront und hier der Sohn grausam leidet.

Das Kreuz entzweit Jesus nicht vom Vater. Jesus ist nicht lediglich Mittel oder Werkzeug, dessen sich der Vater ungerührt bedient, um Genugtuung zu bekommen. Dieser Blick bleibt zu oberflächlich. Wenn Jesus die unüberbietbare Selbstoffenbarung Gottes ist, dann gibt uns das Kreuz Einblick in das Wesen Gottes. Wir sagen vom Sohn im Credo, dass er „eines Wesens mit dem Vater" ist. Das Kreuz ist keine Forderung Gottvaters, die er dem Sohn für seine Genugtuung abverlangt, es ist vielmehr eine Wesenaussage, die Vater und Sohn verbindet.

Gottes Wesen ist wehrlose Liebe und dieses Wesen ist im Sohn sichtbar, offenbar gewordene. Das Kreuz gibt tiefen Einblick in das Wesen Gottes, in wehrlose Liebe, die nichts erzwingt.
Die Allmacht des Vaters ist identisch mit der Liebe, die sich lieber geißeln, mit Dornen krönen und kreuzigen lässt als irgendetwas zu erzwingen.

In der Schrift heißt es: „Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?" (Lk 24,26).
„Müssen" und „leiden" neben dem Wort Herrlichkeit, da regt sich Widerspruch in mir.
Aber wenn Wahres aufstrahlt, das ist ein Hochgefühl, das ist Herrlichkeit.
Ja, er musste, damit ich zu einer Menschlichkeit aufblicken kann, die mein Menschsein läutert, die Teufelskreisläufe durchbricht.
Er musste, damit ich Einblick in das Wesen Gottes erhalte, das immer wieder von menschlichen Allmachtsphantasien verstellt, verzeichnet, verdunkelt wird.

Das Kreuz, ein nicht leicht zu erfassender Glaubensgegenstand und Frömmigkeitszeichen.
Wenn wir das Kreuzzeichen machen, bekennen wir, ...
dass unser Gott sich lieber kreuzigen lässt als irgendetwas mit Gewalt zu erzwingen.
Und wir bekennen, dass der gekreuzigte und auferstandene Christus auf unseren Glauben hofft und vertraut, um Gottes Wesen der Welt zu offenbaren. - Amen.


Bild: Heindl SJ

mitteilen

Share Tweet Mail Whatsapp Xing LinkedIn

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

ImpressumSitemapDatenschutzPräventionKontaktLogin

Impressum
Sitemap
Datenschutz
Prävention
Kontakt
Login

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck

powered by webEdition CMS