Weihnachtspredigt zum Nachlesen

von Christian Marte SJ

Symbol

Predigt zu Weihnachten, Geburt des Herrn

Joh 1,1-18

So viel Finsternis rundherum –
wie können wir heute vom Licht predigen?
Wo finden wir die Zuversicht, die uns weitergehen lässt?
Wer geht mit uns auf neuen Wegen mit, die noch nicht vorgespurt sind?

Weihnachten führt uns heuer, mehr als in anderen Jahren,
zum Wesentlichen des Christentums und des Christ-Seins.

Zuerst: Gott wird Mensch. Lukas nimmt in der Geburtsgeschichte Kaiser Augustus als Kontrastfigur .
Ein Kaiser mit großer politischer und militärischer Macht, mit imperialen Bauten – und da, ein neugeborenes Kind in einem Stall.
Das ist auf den ersten Blick so lächerlich, so absurd.
Aber Lukas weiß, was er tut.
Er nimmt vertraute Sprachmuster seiner Zeit und wendet sie auf Jesus an. Der ewige, allmächtige Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde: er verzichtet auf alle Macht, wird ein sterblicher Mensch.
Johannes beschreibt es auf seine Weise: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen."

Eberhard Schockenhoff schreibt zurecht: Kann das wahr sein?
Nur wenn man den Zweifel an dieser Geschichte zulässt,
kann man erahnen, was das bedeutet, wenn es stimmt.

In der Heiligen Schrift ist Gott immer wieder bei den Kleinen und in Not geratenen. Denken wir an den Auszug der versklavten Israeliten aus Ägypten oder an die Geschichte von David und Goliath.

Aber auf's Äußerste gesteigert wird es,
wenn Gott selbst einer von uns wird.

Da teilt Gott nicht nur etwas über sich selbst mit.
Im Menschen Jesus offenbart sich Gott ganz.

Wer wissen möchte, wie Gott ist,
der muss auf das Leben und Sterben Jesu von Nazareth schauen.
So ist Gott. Das ist das Licht, das in der Finsternis leuchtet.

Dann, ein zweites: Gott wird Mensch – in einem Stall.
Auch dieser Ort ist bis heute irgendwie unpassend,
ja lächerlich und grotesk.
Und doch: es ist und bleibt ein Stall am Ende der Welt,
in Bethlehem, weil in der Herberge kein Platz für Maria und Josef war.
Dass der allmächtige Gott sich so einen Platz aussucht ...
wenn wir ehrlich sind, ist das bis heute eine Provokation für uns.

Aber genau darin liegt eine Zusage.
Es gibt einen Ort, wo sich Gott von jedem finden lässt:
in der Not des anderen Menschen.
Dort kann man ihn sicher finden – das symbolisiert der Stall
von Bethlehem, den wir in so vielen schönen Krippen
in unseren Häusern und Wohnungen und Kirchen präsent machen.

Gott lässt sich finden, wenn wir ihn beim anderen Menschen suchen, in seiner Not und Bedrängnis –
so wie die Hirten und die Engel und die Könige damals.
Es werden Ihnen allen solche Orte einfallen:
bei unseren schwierigen Familien-Mitgliedern,
in unserem Land, auf den Inseln in Griechenland.

Und schließlich: Krippe und Kreuz gehören zusammen.
Jesus geht ohne Gewalt bis zum Ende. Das ist der sichere Nachweis seiner Liebe, dass er alles auf sich nimmt.
In der antiken Mythologie gab es viele Göttersöhne.
Aber keiner hat sein Leben hingegeben, so wie Jesus das getan hat.

Wer geht mit uns mit, auf den schwierigen Wegen?
Ja, das Kreuz, das bei uns oft unbeachtet hängt,
ist das Symbol dafür, dass wir nicht alleine unterwegs sind.
Sie kennen vielleicht die Geschichte von den Fußspuren im Sand.
Oft werden wir begleitet und manchmal auch getragen –
und merken es erst im Nachhinein.

Hermann Hesse hat in einem kurzen Text 1907
das Geheimnis von Weihnachten auf den Punkt gebracht –
und damit möchte ich schließen.
Hermann Hesse schreibt:

„Es ist ein merkwürdiges,
doch einfaches Geheimnis der Lebensweisheit aller Zeiten,
dass jede kleinste selbstlose Hingabe,
jede Teilnahme, jede Liebe uns reicher macht,
während jede Bemühung um Besitz und Macht
uns Kräfte raubt und ärmer werden lässt.

Das haben die Inder gewusst und gelehrt,
und dann die weisen Griechen,
und dann Jesus, dessen Fest wir jetzt feiern,
und seither noch Tausende von Weisen und Dichtern,
deren Werke die Zeiten überdauern,
während Reiche und Könige ihrer Zeit verschollen und vergangen sind.

Ihr mögt es mit Jesus halten oder mit Plato,
mit Schiller oder mit Spinoza,
überall ist das die letzte Weisheit,
dass weder Macht noch Besitz noch Erkenntnis selig macht, sondern allein die Liebe.

Jedes Selbstlossein, jeder Verzicht aus Liebe, jedes tätige Mitleid,
jede Selbstentäußerung scheint ein Weggeben, ein Sichberauben,
und ist doch ein Reicherwerden und Größerwerden,
und ist doch der einzige Weg, der vorwärts und aufwärts führt."

Amen.

 

Christian Marte SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

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