Requiem P. Bernhard Kriegbaum SJ

Lesung, Predigt und Fotostrecke vom Requiem am 12. August 2021

Symbol

Lesung
aus dem Buch Ijob (19,1.23–27)

Wer gäbe es doch, dass aufgeschrieben würden meine Worte!
Wer gäbe es, auf eine Rolle, dass sie eingeritzt würden,
mit eisernem Griffel und Blei
auf ewig in Fels eingehauen würden!

Denn ich, ich weiß: „Mein Löser ist lebendig!
Und als Letzter wird er über dem Staub sich erheben.
Und nachdem meine Haut derart zerschunden worden ist,
werde ich doch, aus meinem Fleisch, Gott schauen,
den ich, ich schauen werde für mich,
und meine Augen sehen werden, nicht als Fremden.
Es verschmachten meine Nieren in meinem Inneren."

Zwischengesang: Psalm 90
Kehrvers: Die Freundlichkeit des Herrn (, unseres Gottes,) sei über uns!

Herr! Wohnung bist du, du gewesen für uns von Geschlecht zu Geschlecht.
Bevor die Berge geboren wurden
und du in Wehen gebarst Erde und Erdkreis,
bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Du lässt den Menschen zurückkehren zum Staub
und sagst: „Kehrt zurück, Menschenkinder!"
Die Tage unserer Jahre – in ihnen sind 70 Jahre,
und wenn in Stärken, 80 Jahre –
doch Weites daran ist Mühsal und Unheil.

Zu schätzen unsere Tage,
so lehre uns,
auf dass wir bringen ein Herz von Weisheit!
Sättige uns am Morgen mit Deiner Verbundenheit,
so wollen wir jubeln und uns freuen all unsere Tage!

Sichtbar werde über deinen Dienern dein Wirken
und deine Pracht über ihren Kindern.
Auch sei die Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes, über uns!
Und das Werk unserer Hände festige über uns!

Evangelium
Joh 12,23–26

Lieber Bernhard, liebe Trauergemeinde!

Im Himmel wird es eine große Veränderung geben: Die Posaunenchöre werden vorläufig dienstfrei gestellt. Mit Deiner Donnerstimme, Bernhard, können sie nicht mithalten, und die Engel freuen sich, dass sie ihre Blasmuskeln entspannen dürfen. Wenn Du hier in der Kirche gepredigt hast, war Deine erste Handlung, das Mikrophon auf die Seite zu biegen.

Wir nehmen Abschied von Dir. Du hast in dieser Kirche, unten in der Krypta, über viele Jahre nach P. Hans Bernhard Meyer SJ täglich die Morgenmesse gelesen und so ein Zeugnis für frühes Aufstehen und, mehr noch, in Deinen Ansprachen dabei, für Auferstehung gegeben. Dieses Thema soll auch, nach Deinem Wunsch, diesen Gottesdienst prägen, verbunden mit dem Lied, das schon Deine Mutter zu ihrer Beerdigung gewollt hat und das auch heute wieder erklingen wird: „Triumpf! Der Tod ist überwunden ...". [Du hast dieses Anliegen schon ausgesprochen auf der Überwachungsstation (23.10. 2020); dass Du in derselben Nacht noch reanimiert werden würdest, war nicht zu ahnen ...]

Wie diese Überwindung des Todes erfolgt, können uns die drei biblischen Texte nahebringen. Im Zwischengesang, Psalm 90, erscheint der Tod als Gnade. Gott schenkt ihn zwischen 70 und 80 Jahren (v10) – Du hast dies erfahren, auch als Befreiung von „Mühsal und Unheil", wie der Psalm formuliert und es für Dein letztes Jahr zutraf.
Der Tod ist eine von Gott befohlene „Rückkehr zum Staub" (v3), getreu der göttlichen Ansage an das erste Menschenpaar in Gen 3, doch noch viel mehr: Er ist nach dem Zeugnis des Psalms (v1–2) eine Einkehr in Gott als „Wohnung", als Heimat, wie Israel ihn erfahren hat und wie er es seit ewig und auf ewig ist. Dieses Eingehen zu ihm lässt ihn in seiner „Freundlichkeit" (נעם auch: Lieblichkeit, Wohlwollen, Zuwendung; v17) aufscheinen. Wir wünschen Dir, Bernhard, solche herzliche Begegnung mit Deinem Schöpfer und die Erfahrung seiner Liebe.

In den Gesprächen während Deiner Krankheit bist Du öfter auf Ijob zu sprechen gekommen. Dein eigenes Erleben hat Dich ihm nahegebracht, und Du hast Dir Ijob 19 als Lesung für diese Messe gewünscht. Vor einem Jahr (17. Juni 2020), noch zu Beginn Deines Leidens, hast Du Ijobs Antwort an seine Frau zitiert: „Auch das Gute nehmen wir von Gott an – sollten wir das Schlechte nicht annehmen?" (Ijob 2,10), und hast fortgefahren mit: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Es wird nur besser."
[Im letzten Dezember, 5.12. 2020, hast Du noch dazugesetzt, kein Recht zu klagen zu haben und Dir damit auch schwer zu tun, im Unterschied zu Ijob, weil dieser völlig unschuldig ist und Du Dich als Sünder wahrnimmst.]

Hierin kommt eine Überzeugung zum Ausdruck, die mit dem Tod, wie man meist sagt, Hoffnung verbindet. Doch der Lesungstext geht weit darüber hinaus. Ijob, in der Entgegnung an Bildad, formuliert: „Ich, ich weiß". Im Ringen mit seinen Freunden und aufgrund seiner bisherigen Beziehung mit Gott ist in ihm eine Sicherheit gewachsen, die bloß vage Hoffnungen weit hinter sich lässt. Sie kennt Gott, so wörtlich, als „Löser", d.h. wie den nächststehenden Angehörigen (Lev 25), der dem in Not geratenen Verwandten hilft, dazu rechtlich verpflichtet ist und seine Sache selbst nach dessen Tod, der auch angedeutet ist mit der „zerschundenen Haut", führt: „als Letzter wird er sich über dem Staub erheben".
Ijob ist völlig zuversichtlich, wie es das wiederholte „(ihn) schauen" ausdrückt, diesem Gott nach seinem Tod persönlich, in großer Vertrautheit („nicht als Fremden") zu begegnen. In der Tradition des biblischen Glaubens dürfen wir sicher sein, dass die Beziehung, die Gott mit jeder und jedem von uns in der Erschaffung eingegangen ist, nie aufhört. Er bleibt treu, für immer. Im Blick darauf hast Du, Bernhard, mehrfach von Gottes Erbarmen gesprochen. Darin dürfen wir uns jederzeit geborgen fühlen.

Schließlich lässt Jesu Vergleich mit dem Weizenkorn im Evangelium noch einen weiteren, dritten Aspekt der Überwindung des Todes aufleuchten: Darin geschieht eine tiefgreifende, ja unglaubliche Verwandlung: + zeigen
> Kürbiskern – kann wachsen bis zu mehreren Kilos Gewicht, sogar Riesenkürbisse
> Sonnenblumenkern – kann zu einer Pflanze größer als ein Mensch werden
> Jesu Verweis auf das noch kleinere Senfkorn (ca. 1mm // mg) – ein großer Strauch / Baum, der in wenigen Wochen mehr als 2 Meter hoch wird

Die Voraussetzung für dieses Wachsen und die größere Fruchtbarkeit ist die Zersetzung. In der Erde löst sich die bisherige Gestalt auf, und es entsteht gänzlich Neues. Wenn wir diesen Prozess schon bei kleinen irdischen Dingen beobachten können – sollte es da mit uns Menschen, als göttlichen Geschöpfen, anders sein?
Viele sind geneigt, nur mit dem Gewohnten und Augenscheinlichen zu rechnen, auch bei Gott und was den Tod betrifft. Ein solches Denken verkennt Gottes Möglichkeiten völlig, beurteilt ihn nur mit unseren Maßstäben und wird ihm in keiner Weise gerecht. Gott ist nicht so klein oder gar schäbig, wie Manche annehmen und ihm weder solch wunderbares Verwandeln noch anhaltende Treue über das irdische Ende hinaus zutrauen; er übersteigt alle unsere Vorstellungen unendlich, übertrifft bei Weitem noch unsere kühnsten Erwartungen, bleibt immer der Größere, überraschend – Du, Bernhard, darfst jetzt erfahren, dass seine Zusagen gelten, und ihn in einer Weise erleben, unverhüllt, die alles Begreifen übersteigt.

[Vor ziemlich genau fünf Jahren, am 21.8. 2016, hast Du mich gebeten, bei Deiner Totenmesse zu predigen, „über Ostern und Auferstehung", und mir geboten, dabei „nichts Biographisches" zu sagen.]

In den letzten Gesprächen hast Du wiederholt Deine tiefe Dankbarkeit angesprochen, für viele Menschen, denen Du in der Seelsorge in Deinen verschiedenen Pfarreien begegnet bist, für den Orden und was er Dir gegeben hat, und für die Berufung, die Gott Dir geschenkt hat. Auch wir sind Dir dankbar für alles, wie Du Dich eingesetzt hast in vielfältiger Weise, als Mitbruder, im Beruf als Professor, als Priester, in geistlicher Begleitung und Freundschaft.
Und wir sind Gott dankbar, dass er Dich zu uns geführt hat und Dich nun wieder im Tod zu sich nimmt, als Gnade, in zuverlässiger, uns Sicherheit gebender Treue und zu einer Verwandlung in Herrlichkeit.
Dann braucht auch, vielleicht, Deine Donnerstimme nicht mehr mit voller Kraft ertönen, und die Engel können, nach dieser gegönnten Ruhepause, wieder locker ihre Posaunen blasen.

Georg Fischer SJ

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Bilder von Reinhold Sigl

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