Der Weg ist das Ziel

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

"Der Weg ist das Ziel"

Liebe Schwestern und Brüder!

„Der Weg ist das Ziel" - dieser Spruch, der dem chinesischen Weisheitslehrer Konfuzius, der 500 Jahre vor Christus lebte und lehrte, zugeschrieben wird, ich hab' meine Schwierigkeiten mit dem Spruch.

Der Weg ist das Ziel. Ist das Leben wirklich eine unbekümmerte Wanderung?
Kann man, wenn man Orientierung und Zielrichtung verloren hat, tatsächlich sagen, Hauptsache weitergehen?
Ist der Spruch lediglich die philosophische Variante von: Wer rastet, der rostet?

Um Konfuzius gerecht zu werden, er will die Bedeutung, die Wichtigkeit eines Lernprozesses, die zum Erreichen eines Zieles gehört, hervorheben. Ich habe meine Probleme mit dem Spruch, weil er oft so unbekümmert, so demonstrativ sorglos, so banalisierend gebraucht wird, aber mit Blick auf Gott, macht er mich nachdenklich, da birgt er eine Wahrheit für mich: Gott ist keine Ziellinie, die ich mit dem Gefühl: „Geschafft!" überlaufe und hinter mir lasse, das Ziel Gott will immer wieder neu angegangen werden und es braucht Übung, sich diesem Ziel, das sich streckenweise geheimnisvoll entzieht, immer wieder neu anzunähern.

Gott will immer wieder neu angegangen werden, und auch wenn ich das Ziel nie ganz erreiche, die beharrliche Annäherung an Gott schenkt meinem Innersten Frieden, meinem Ursprung näher kommen zu dürfen, richtet, lotet mich aus, schenkt mir Ruhe und Orientierung. Die beharrliche Annäherung an Gott, ein Lernprozess, der Frieden schenken kann, auch wenn man keine Ziellinie als Sieger überläuft.

Gott immer wieder angehen, gemeinsam, gemeinsam Annäherung an ihn suchen, sich darin unterstützen, das ist für mich Kirche.
Kirche, bis hin zum Gebäude, ein Schutzraum für alle, die nicht müde werden, Gott immer neu zu suchen, anzugehen
Kirche, ein Sammelpunkt für alle, die die religiöse Erfahrung gemacht haben: Gott, ein unerreichbares und zugleich lockendes, lohnendes Ziel, weil es ihrem Innersten Ruhe und Frieden schenkt, ihnen Orientierung gibt.

Synodaler Weg, wie sind wir gemeinsam unterwegs, auf das lohnende, aber nie ganz erreichbare Ziel Gott?
Das Evangelium passt zum Auftakt eines synodalen Prozesses, es ist eine Jüngerunterweisung, Jünger, Gottsuchende, die auf Holzwege geraten sind: Die Holzwege in der Nachfolge scheinen zeitlos dieselben zu sein, der Evangelist Markus kontrastiert scharf: Immer wenn Jesus von seinem vorausgeahnten Leidensweg spricht, der schwierigsten Etappe seiner eigenen Nachfolge und er tut das drei Mal, immer dann tappen die Jünger gleich hinterher voll daneben!

• Im 8. Kapitel sagt Petrus Jesus, nach dessen erster Leidenswegankündigung, sehr deutlich, dass er weder Jesus noch sich einen Leidensweg wünscht. Ich verstehe Petrus so, er macht Jesus klar, dass er unter diesem Vorzeichen keine Nachfolge angetreten ist.
Die Korrektur Jesu ebenso deutlich: „Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen."
Nachfolge ist für Jesus keine hedonistische, keine einzig das Wohlgefühl steigernde Angelegenheit.

• Im 9. Kapitel spricht Jesus wieder von seinem Leidensweg und die Jünger diskutieren insgeheim ihre Rangfolge, wer der Größte von ihnen sei?
Jesus stellt sie zur Rede und seine Antwort für mich im Resümee: Nachfolge ist keine Frage der Karriere.

• Und im 10. Kapitel - heute soeben im Evangelium gehört - wollen sich Jakobus und Johannes für die Zukunft einen Macht-, einen Regierungsposten sichern.
Jesu Antwort: Machtallüren sind am besten durch Dienstbereitschaft zu zähmen.

Synodaler Weg, wie sind wir gemeinsam unterwegs, auf das lohnende, aber nie ganz erreichbare Ziel Gott? Kirche, ein Raum für alle, die nicht müde werden, Gott immer neu zu suchen, anzugehen. Gebe ich hier einen Holzweg vor, weil Kirche nicht nur integriert, sondern auch ausgrenzt?

Es bleibt mein Ziel, dass hier, dieser Raum offen ist für alle, die Gott suchen, dass wir hier zusammenkommen, weil wir ein gemeinsames Ziel haben, dass uns lockt, das uns fasziniert, dem wir begegnen wollen. Und wenn wir durch die Portale gehen, dann hoffe ich, dass sich ein heiliger Raum für uns auftut, der uns neu ausrichtet.
Ein Raum, in dem wirklich Gott im Mittelpunkt steht, wo er unser gemeinsamer Fixpunkt ist, bei allen Fliehkräften, die auch auf uns einwirken, einzeln und als Gemeinschaft. - Amen.

 

P. Bernhard Heindl SJ


Foto: Hannes Wolf via unsplash.com

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