Die Melodie Innsbrucks, ein neuer Klang

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

Was ist die Melodie Innsbrucks?
- Ein Klang, der zu Innsbruck gehört, ist sicherlich das Rauschen des Inns. Auf dem Innsteg, dieser schmalen Fußgängerbrücke über den Inn, in der Mitte einmal kurz stehen geblieben, und Sie hören das Rauschen der schnell dahinfließenden Wassermassen.
- Vor dem Goldenen Dachl mal kurz die Augen geschlossen und Stimmen aus aller Herren Länder dringen an Ihr Ohr.
- Mir fallen noch die vielen Musikkapellen ein, die marschierend immer mit dabei sind, wenn es in der Stadt etwas zu feiern gilt. Vom Blasmusikverband, der unlängst in unserer Kirche einen Gottesdienst feierte, weiß ich: In Tirol sind über 16.000 Musiker/innen in Musikvereinen engagiert!
- Und gerne würde ich Sie am Sonntagmorgen einmal auf die Dachterrasse des Kollegs mitnehmen, denn dort ist der feierliche, getragene Klang der Kirchenglocken, der am Sonntagmorgen über der Stadt liegt, besonders gut zu hören.

Die Melodie einer Stadt, eine Symphonie und heute kommt ein neuer Klang dazu. Glocken, Himmelskünderinnen, Glocken, Musikinstrumente, die gespielt werden, damit wir den Himmel nicht vergessen! Glocken, eine Unterbrechung des Alltags, ein kurzes Intermezzo für Gott im Getriebe der Zeit, eine Gebetspause, um diese andere Welt, den Himmel nicht zu vergessen.

Glocken, Himmelskünderinnen: Es gab eine Zeit, da fürchtete man sich davor, mit dem Himmel, mit dem Jenseits vertröstet zu werden. Zeitlos gilt immer: Wo himmelschreiendes Unrecht auf Erden, mit dem Hinweis auf das versprochene Paradies tatenlos hingenommen und so legitimiert wird, wird dem Himmel Gewalt angetan! Paul Zulehner, ein namhafter österreichischer Pastoraltheologe, meint aber, unsere Zeit müsse keine Vertröstung mit dem Jenseits fürchten. Er meint, wir seien im Gegenteil alle Diesseitsvertröstete und tun damit der Erde Gewalt an! Zulehner sagt: Früher lebten die Menschen 60 Jahre ... + Ewigkeit, ... heute nur noch 90! Und die Folge ist: Es gilt hier und jetzt, im Diesseits rauszuholen, was nur rauszuholen ist!

Wir wissen es alle, unsere Maßlosigkeit droht den Planeten zu zerstören. Ein offener Himmel, der Glaube an die Zusage Gottes, dass da noch etwas kommt, das uns erfüllt, täte der Erde gut, könnte ihr die Ruhepause verschaffen, nach der sie verlangt, könnte uns bei der Mäßigung unserer Ansprüche helfen!
Glocken, Himmelskünderinnen, wir fügen heute einen neuen Klang in die Symphonie Innsbrucks ein, einen himmlischen. Ich glaube wirklich, es ist ein Klang, der uns gut tut, der Gutes will, wenn wir ihm Glauben schenken! Die neue Canisius-Glocke, sie wird fortan das große Sonntagsgeläut anführen, in das nacheinander die sog. Silberglocke, unsere älteste Glocke, dann die Märtyrer-Glocke und schließlich die Maria-Magdalena-Glocke einstimmen.

Die Canisius-Glocke, sie wird uns jeden Mittag, um 12 h, zum Angelus-Gebet, zum Engel-des-Herrn einladen, ein Gebet, indem wir uns daran erinnern, dass die Rettung der Erde nicht am Himmel scheitert, dass der Himmel mit der Erde kooperieren will, dass er Menschen sucht, die offen sind für Kooperation.
Maria-Verkündigung, manche Zeitgenossen mögen den Kopf schütteln, was Katholiken hier glauben, aber letztlich ist es gläubige Demut oder die Einsicht, dass die Welt sich nicht selbst das Heil schaffen, erschaffen kann, dass kein Menschenpaar aus sich den Erlöser aller hervorbringen kann.
Himmel und Erde sind aufeinander verwiesen und eine vom Himmel abgekoppelte Erde verliert sich.
Angelus-Gebet, es ist das Bekenntnis, dass wir bei der Lösung der weltlichen Probleme, um unsere Grenzen wissen und auf Gottes Mitwirken hoffen, vertrauen, über unsere Grenzen, Begrenzungen hinaus.

Glocken, Himmelskünderinnen, bei der Weihe der Canisius-Glocke richtete Bischof Hermann folgendes Gebet an Gott:
Segne diese Glocke, die dein Lob kündet. Sie soll deine Gemeinde zum Gottesdienst rufen, die Säumigen mahnen, die Mutlosen aufrichten, die Trauernden trösten, die Glücklichen erfreuen und die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleiten. Segne alle, zu denen der Ruf dieser Glocke dringen wird, und führe so deine Kirche von überallher zusammen in dein Reich.
Der Klang der Glocken, die Ermutigung, in allen Lebenslagen die Verbindung zum Himmel nicht abreisen zu lassen, auf himmlische Hilfe zu vertrauen, sich selbst zu relativieren, um Größeres als sich selbst zu wissen.

Im Gebet hieß es: "Segne alle, zu denen der Ruf dieser Glocke dringen wird" ... und: "Segne diese Glocke, die dein Lob kündet". Eine Glocke will Segen auf uns herabrufen, uns Gottes Wohlwollen vergewissern und ihr Wohlklang dient dem Gotteslob.
Gotteslob, eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche! Ignatius von Loyola sagt in seinem Exerzitienbuch:
"Der Mensch ist geschaffen, um Gott unseren Herrn, zu loben ... und mittels dessen seine Seele zu retten." (EB 23)
Gotteslob, das ist kein stumpfsinniger, entmündigender Auftrag! Das ist simple Empirie: Lob tut unserer Seele gut! Gutes gesagt bekommen und den Mut haben, Gutes auszusprechen, das schadet uns nicht, im Gegenteil, es baut uns auf, es lässt uns innerlich wachsen, es tut schlicht unserer Seele gut!

Vielleicht rührt das daher, weil wir im Lob, in der Anerkennung den Grundton unseres Schöpfers aufnehmen. Im Schöpfungsbericht heißt es tenorartig: "Gott sah das es gut war." (Gen 1) Sein Augenmerk auf das Gute legen, so ist Gott! Gott ist nicht auf unsere Defizite fixiert, wenn er so rüberkäme, dann wäre es einem Verkündigungsfehler geschuldet! Gott würdigt, er will uns Defizite überwinden helfen, er will, dass wir innerlich wachsen.

Am Ende noch einmal der Hl. Ignatius, aber nun nicht von Loyola, sondern von Antiochien, einem Bischof und Märtyrer der frühen Christenheit, der die Gemeinschaft der Gläubigen, die Kirche mit einem Chor vergleicht und sagt:
„Nehmt Gottes Melodie in euch auf. So werdet ihr alle zusammen zu einem Chor, und in eurer Eintracht und zusammenklingender Liebe (auf Griechisch Symphonie) ertönt durch euch das Lied Jesu Christi"* und ich möchte fortführen: ... dessen ganzes Wesen Lobpreis des Vaters war!

Ein schönes Bild: Wir ein Chor, in dem jede/r seine Lebensmelodie singt und da muss an Stimmungslagen nichts beschönigt werden, da dürfen, da sollten auch Mollstimmen dabei sein! Aber auf die ganze Symphonie geblickt, muss in der Kirche Lobpreis, Lobpreis Gottes als Grundton hörbar bleiben, über Klage hinaus.

Die Melodie einer Stadt, wir fügen heute als Kirche einen neuen Ton in die Symphonie Innsbrucks ein:
- Glockenklang, ein Intermezzo für Gott, Einladung zum Lobpreis, Einladung, sich segnen zu lassen!
- Glockenklang, die Erinnerung, uns selbst nicht absolut zu setzen, um Größeres zu wissen, weil die Relativierung unserer selbst, der Erde gut täte!
Klänge, die in der Symphonie einer Stadt nicht fehlen sollten! - Amen.

 

P. Bernhard Heindl SJ

* Johannes Bours, Nehmt Gottes Melodie in euch auf. Worte für das tägliche Leben, Freiburg, S. 40.


Bild: Reinhold Sigl

 

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