Jesus, der Lehrer

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

27. Februar, 8. Sonntag im Jahreskreis (Lk 6,35-49)

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

In der Schule war es gefürchtet! Wenn wir einen Lernstoff abgeschlossen hatten, dann war Lehrern meist nach einer sog. Extemporale, einer schriftlichen, unvorbereiteten Prüfung zumute. Lernzielkontrolle: So, Blätter austeilen und folgende Fragen beantworten, ... 20 min Zeit!
Heute sind wir durch mit der sog. Feldrede Jesu im Lukasevangelium. Drei Sonntage haben wir aus der Rede gehört, wie Jesus die Seinen unterweist, lehrt, belehrt und es folgt jetzt - um Himmels Willen! - keine Ex, wie wir als Schüler kurz sagten, keine Lernzielkontrolle, was hängengeblieben ist, was wir gelernt haben!

Lernzielkontrolle, nein, vielmehr: Lernen für's Leben. Was Schule ja letztendlich will und ich kann Jesus als Lehrer wirklich diese Lob aussprechen: Ich lausche immer wieder gern seinen Worten nach, weil ich die Erfahrung gemacht habe, sie helfen mir für's Leben! Sie lassen mich besser verstehen, wer ich bin. Seine Worte lassen mich besser verstehen, wer ich bin, wer ich mit Blick auf Gott, wer ich mit Blick auf eine Gemeinschaft bin!

Ja, seine Worte stoßen einen Lernprozess in mir an, sie lassen mich immer wieder innehalten und helfen mir, auf Erlebtes so zu reagieren, dass ich mit mir im Frieden bin. Jesus ist hier in seiner Pädagogik ganz aktuell. In der Fernsehsendung, der Wissens-Doku Terra-X hieß es in dem Beitrag „Wie sich Bildung radikal ändern muss":
Zu einer Bildung, die überlebensfähig sein wird, gehört ... eine solide Erfahrung damit, wer „Ich" bin im Kontext einer Gemeinschaft. Es gibt kein gutes, nachhaltiges Lernen, das nicht auch Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung verbessert. Aus diesem Grund werden Methoden und Techniken wie Stressreduktion durch Achtsamkeit oder Meditation zur (Aus-)Bildung der Zukunft gehören. Ohne ... Bewusstseinskultur wird es keine Bildung mehr geben, die sich nachhaltig bewähren wird. (Gert Scobel)

Bei Jesus in die Schule gehen, eine Bewusstseinskultur entwickeln dürfen. Wenn ich Bewusstsein einmal kurz als „Erfahrung mit meinen Erfahrungen" definiere, dann wünsche ich mir das: Immer erfahrener werden, um gut reagieren zu können, um mit meinen Reaktionen im Frieden zu sein. Zum Beispiel Jesu Bildwort von heute, ich glaube, es geht bei uns allen innerlich mit, ist im Bewusstsein: Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wir sehen den Splitter im Auge des Anderen rasch, für den Balken im eigenen Auge kann man erstaunlich lange blind sein! Ich bin fest davon überzeugt, Sie alle haben schon Erfahrungen mit diesem Wort Jesu, hilfreiche Erfahrungen gemacht, es ist uns bewusst und es wartet darauf, über je mehr Erfahrungen zur Kultur in uns zu werden: Moment, stopp, warum rege ich mich über dieses und jenes Verhalten des, der Anderen gerade so auf, schau erstmal bei Dir Selbsterkenntnis, Selbsterfahrung hilft mehr zum inneren Frieden, als am Gegenüber herumzudoktern! Ja, Jesus hat Worte, die durchaus für Stressreduktion geeignet sind!

Ein anderer Satz aus dem heutigen Evangelium ist leicht überhörbar, er geht leicht in den starken Bildern unter, die Jesus gebraucht - kann ein Blinder einen Blinden führen, Balken, Spliter im Auge, Feige, die man nicht von Disteln erntet ... - und doch ist er der Spitzensatz für mich im heutigen Evangelium: Ein Jünger steht nicht über dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein. (6,40) Da spricht Jesus viel Zutrauen, viel Vertrauen uns gegenüber aus: Die lernen das, die können das! Ein guter Lehrer will seine Schüler nicht klein halten, er gibt sein Wissen weiter, damit andere es auch zu etwas, ja, zur Meisterschaft bringen können. Ein guter Lehrer will, dass seine Schüler sich entwickeln, über sich hinauswachsen.

Jesus will, dass wir Antworten auf Fragen finden, die wir uns in der ein oder anderen Form alle stellen:
Wer bin ich?
Wer bin ich für Gott?
Wer bin ich mit Blick auf die Gemeinschaft des Glaubens, die Kirche?

Glauben, ich bin fest überzeugt:
- Ein Glaube, der mich ... nicht zur Echtheit, zur Übereinstimmung mit mir selbst anleitet, ... ist nicht im Sinne Jesu.
- Ein Gott, der mich klein hält, bleibend verunsichert, der als willkürlich erfahren oder für so groß und erhaben gehalten wird, dass ich ihn schlichtweg nicht interessiere, ... ist nicht im Sinne Jesu.
- Eine Kirche, in der ich mich mit meiner Identität verstecken muss oder Benachteiligung und Zurücksetzung erfahre, ... ist nicht im Sinne Jesu.

Und auch, wenn ich das alles wirklich glaube, weil ich es über die Worte und Taten Jesu, ja über sein ganzes Leben belegt sehe, eine Frage bezüglich Glaubensweitergabe, Glaubensvermittlung hätte ich an Jesus als Lehrer als Meister: Immer mehr wissen immer weniger über Gott, Glaube und Religion. Und ich will damit nicht sagen, dass wir immer dümmer werden. Im Gegenteil, die Intelligenz hat nicht abgenommen, menschliche Intelligenz in unserer Zeit bringt beeindruckende Dinge zu Wege! Ob in den Natur- oder Humanwissenschaften, es gibt auf vielen Gebieten einen bewundernswerten Fortschritt!

Aber wie die vorhandene Intelligenz in Richtung Gott, Glaube und Religion neu lenken? Es ist ein Satz aus der bereits genannten Wissensdoku Terra-X -, der mich fasziniert, seit ich ihn gehört habe: Intelligenz ist die Fähigkeit, den Raum des Nichtwissens nicht mit Vorurteilen zu füllen, sondern mit Neugier. (Maren Urner) Ich möchte Jesus als Lehrer fragen: Intelligenz ist da in unserer Zeit: Wie den Raum des Nichtwissens über Gott, Glaube und Religion nicht mit Vorurteilen, sondern mit Neugier füllen?

Ja, vielleicht müssen wir dafür an der ein oder anderen Stelle Kirche noch „aufräumen", damit vorhandene Intelligenz nicht sagen muss, in der Kirche ist zu viel überholt und gestrig. Aber im Letzten glaube ich nicht, dass es die sauber geputzte, aufgeräumte Kirche sein wird, die neugierig auf Gott macht. Bewusstseinskultur, es muss über unser Leben, über die Erfahrung mit uns Glaubenden, bewusst werden, dass man von Gott nachhaltig etwas lernen kann, wenn man sich nach einem erfüllten Leben und nach innerem Frieden sehnt. Es muss über uns erfahrbar werden, dass der Glaube an Gott hilft, dass er für Stressreduktion wirksam ist und nicht noch ein Problem mehr schafft!

Vielleicht traut Jesus, Gott uns schon längst das Lehrer/innen sein zu und wir sind zu stark verhaftet in der Schülerrolle,scheuen uns, den Rollenwechsel zuzulassen. In die Runde geschaut, es sitzt hier viel Erfahrungswissen mit Gott, dass durchaus neugierig auf Gott machen kann. - Amen.

 

P. Bernhard Heindl SJ


Bild: Rembrandt, Jesus

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