Liebe Schwestern und Brüder!
Ein kleines grünes Bäumchen, bunt geschmückt, der Blickfang auf dem Fest, zu dem man eingeladen war ... und dann eine Rede: "Die Feierstunde hat geschlagen, es ruhe die geübte Hand. Nach harten, arbeitsreichen Tagen grüßt stolz der Richtbaum nun ins Land. Und stolz und froh ist jeder heute, der tüchtig mit am Werk gebaut. Es waren wackere Handwerksleute, die fest auf ihre Kunst vertraut." Richtfest! Endlich, der Rohbau steht, Zeit innezuhalten, zum Feiern, zum Dankesagen. Auf dem fertiggestellten Dachstuhl das kleine grüne Bäumchen, dessen bunt Bänder fröhlich im Wind wehen. Der Richtfestbaum, angeblich älter als der Christbaum, er steht für Standhaftigkeit und sein Grün ist Sinnbild des Lebens, beides wünscht man denen, die im neuen Haus leben werden. "Nichts ist schöner, als etwas zu erbauen. Nichts ist schwerer, als es am Leben zu erhalten", sagt Diogenes. Die Architektur des Friedens hat lange getragen in Europa. Jetzt ist sie mutwilliger Zerstörung zum Opfer gefallen! In einem politischen Kommentar wurde gefragt: "Müssen wir erst alles zerstören, um wieder neu anfangen zu können?"
"Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott ... Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist."
An Weihnachten erinnern wir uns daran, dass Gott einen neuen Anfang mit uns, mit der Menschheit nahm, ohne zu vernichten, ohne zu zerstören!
Die religiösen Kommentatoren um die Zeitenwende, um das Jahr 0, mit dem wir den Neuanfang, Christi Geburt, festlegen, gingen von Zerstörung aus.
Menschheit hatte sich nach Meinung der religiösen Kommentatoren so im Bösen verrannt, dass die alte Welt im Chaos versinken müsse, bevor eine neue, eine gottgefälligere eine Chance haben könne.
Gott fängt anders neu an, der Schöpfer aller Ding, er weiß um die Kostbarkeit seiner Schöpfung. Keine flächendeckenden Zerstörung in seinem Namen! Gott bessert gezielt nach, an der anfälligsten Stelle seines Schöpfungsplanes, beim größten Freispiel seiner Schöpfung, beim Menschen, indem er selbst Mensch wird und Menschsein, noch einmal nach der ursprünglichen Intention ausbuchstabiert: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit."
Gnade und Wahrheit, Wesensmerkmale des neuen Menschen. Gnade und Wahrheit, ein Fundament für jede Friedensarchitektur, denn grundlegend für Krieg oder Frieden sind wir, die Menschheit! Menschwerdung, neu Mensch werden, mein Leben auf Gnade bauen. Gnade, säkular ausgedrückt: die Gunst einen Höherstehenden ... und religiös: die verzeihende Güte Gottes.
Friedensarchitektur: Um Höheres wissen als mich selbst, die Relativierung meiner selbst, nicht als Demütigung, sonder als zu respektierende Selbsterkenntnis von Menschsein, von Geschöpfsein akzeptieren. Es könnte manchen Konflikt entschärfen.
Sich nicht absolut setzen, sondern als fehlbar und verzeihungsbedürftig wissen und über das Eingeständnis, fehlbar zu sein, vergebungsbereiter und umsichtiger werden. Es könnte manchen Konflikt entschärfen. Menschwerdung, neu Menschen werden, mein Leben auf Wahrheit bauen, der Lüge widersagen, absagen. Friedensarchitektur: Wahrhaftigkeit als ursprüngliches Wesensmerkmal unserer Spezies suchen, immer neu in uns aufspüren und die Lüge als unwürdige Wesensverfremdung bannen. Es könnte manchen Konflikt entschärfen.
Wahrhaftigkeit ist für mich die Herrlichkeit Gottes in uns. Unser Gewissen, ein göttliches Geschenk an jeden Menschen, damit alle sich nach dem ursprünglichen Bauplan in die Schöpfung einbringen können. Der Stimme des Gewissens folgen, das ist Frieden, selbst wenn Krieg um einen tobt! Ich muss mich hier auf Gewissensheroen verlassen wie Dietrich Bonhoeffer, P. Alfred Delp oder Franz Jägerstätter, die genau das in ihren überlieferten, für uns so wertvollen Aufzeichnungen bezeugen: Der Stimme des Gewissens folgen ist Frieden! Wie kümmerlich wäre es, ohne das Zeugnis dieser Glaubenden, um uns bestellt, bei dem Aufarbeitungsversuch von Zeiten diabolischer Zerstörung! Der Stimme des Gewissens folgen, ein nachhaltiger Friedensbeitrag!
Ein grüner Baum steht, schmückt an Weihnachten die Kirchen und viele Wohnungen. Weihnachten, ein Richtfest für Friedensarchitektur. Ein Frieden, der bei uns, in uns beginnen muss!
"Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König", ... hieß es in der Lesung aus dem Buch Jesaja.
Wir müssen nicht alles zerstören, um neu anfangen zu können! Es ist völlig ausreichend und die weitaus vernünftigere Alternative, Christus, dem Frohboten, der Frieden ankündigt zwischen Gott und Menschen, Glauben zu schenken!
Friedensarchitektur: Weihnachten Glauben schenken ... und dem ursprünglichen Schöpfungsplan folgen, zu Menschen werden, die ihr Leben auf Gnade und Wahrheit bauen.
Ich für mich kann sagen: Meine Baustelle!
Ich hoffe, viele bauen mit! - Amen.
Bild: Sven Mieke via unsplash.com