Liebe Schwestern und Brüder!
Eine Geschichte aus Italien, wenn sie nicht wahr ist, ist sie gut erfunden: Eine italienische Großfamilie, Kinder, Kindeskinder alle da, weil es Mamma und Großmutter der Familie sehr schlecht geht. Man befürchtet das Schlimmste und hat sich um sie versammelt. Da sagt die älteste Tochter plötzlich mit einem Schrecken in die Runde: „Das Risotto! Sie hat uns immer noch nicht ihr Risotto-Rezept verraten!" Das Risotto war fester Bestandteil jedes Familientreffens und jedesmal wurde der Topf bis auf das letzte Reiskorn ausgekratzt und von den Enkelkindern noch ausgeschleckt, aber das Rezept hatte die alte Signora auch auf Bitten und Betteln hin nicht preis gegeben. Nun soll es der Jüngste ihrer Kinder noch einmal versuchen: „Mamma, verrate uns bitte das Rezept, damit mir bei allen Familientreffen dein Risotto essen können." Die Signora wehrt erst wieder ab, dann winkt sie ihren Jüngsten herbei und flüstert ihm ins Ohr: „Es ist ganz einfach! ... Ich habe immer ... zu wenig ... gekocht."
Wovon weniger da ist, das schätzt man mehr. - Was man schätzt, davon hätte man gern mehr. Gieße ich jetzt schon Essig in den Wein des neuen Jahres, wenn ich Zukunftsprognosen beipflichte, die uns zu „weniger" ermutigen, weil manches knapper wird oder das ständige „Mehr" unser Planet nicht mehr verträgt. Ich möchte ein Bild in Ihnen wachrufen: der Petersplatz, genauer die beiden wunderschönen Schalenbrunnen auf dem Petersplatz. Der Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer war von römischen Brunnen inspiriert, für ihn waren die Schalen der Brunnen eine Art kommunizierender Röhren, das Wasser in ihnen, das überfließt
„In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht."
David Steindl-Rast, der bekannte Spiritualitätslehrer, benutzt das selbe Bild und zieht eine menschliche Weisheit daraus, die für einen Jahresrückblick hilfreich ist, er sagt zum Stichwort Wirtschaftswachstum:
„Die Behälter, die unsere Bedürfnisse fassen sollen, werden immer größer, und damit die Freude am Überfließen, die Dankbarkeit, immer wieder hinausgeschoben. Wenn wir aber das Gefäß kleiner machen, indem wir unsere Bedürfnisse einschränken, dann fließt es schneller über, und damit wird uns die Freude der Dankbarkeit früher geschenkt. Es ist das Überfließende, was in der Sonne funkelt.
Wenn wir auf Reisen in Gesellschaften kommen, wo die Menschen so viel weniger haben als bei uns und so viel mehr Freude ausstrahlen, liegt es ebenfalls daran: weil ihr Gefäß kleiner ist und früher überfließt ... Wir benützen viel zu viel von den Ressourcen der Welt und führen einen viel zu großen Anteil uns selber zu ... Wenn alle ihr Gefäß ein bisschen kleiner machen könnten, wäre die Freude in der Welt größer und die Lebensqualität für uns alle viel höher." (Einladung zur Dankbarkeit, 73f) Das Jahr 2022, eine Brunnenschale, gefüllt mit Leben. Ein Bild, das ich Ihnen mitgeben möchte über diesen Gottesdienst hinaus. Was sind die Momente des freudigen Überflusses, der Dankbarkeit im Jahr 2022?
Ich persönlich bin sehr dankbar für das Kirchenteam an der Jesuitenkirche.
Das beginnt beim vielfältigen Ehrenamt, ...
- bei Frau Zerlauth-Gschnitzer, deren Blumenkreationen einfach eine Augenweide sind.
- Da ist Frau Walder, die unsere liturgischen Dienste im Blick behält und koordiniert.
- Da sind die vielen Lektorinnen, Lektoren und Kommunionhelfer, unter der Woche und am Wochenende, namentlich ist das kleine, treue Heer jetzt nicht aufzählbar!
- Weiter Agnes, die sich um die Ministrierenden kümmert und natürlich alle Ministrierenden, die die Feierlichkeit der Gottesdienste heben.
- Dank auch allen Kantorinnen, Kantoren und neuerdings dem Chor der Jesuitenkirche
- und an Frau Prieth, die sich mit stiller Selbstverständlichkeit um die Englische Messe jeden Samstag kümmert.
Hauptamtlich gab es 2022 Stellen nachzubesetzen und im Vorblick geeignete Teammitarbeiter zu finden.
Es ist gelungen, im Januar kam Herr Schrenk zu uns in die Sakristei, im Juni Frau Wurzer für die Kirchenmusik und im Oktober Herr Menzel, nochmals für die Sakristei. Alle drei ein wirklicher Gewinn! Ehren- und Hauptamt zusammen, ein Funkeln in der Sonne!
Aber es gilt auch jemanden zu verabschieden, für den der heutige Tag eine große Veränderung mit sich bringt. Ich meine unseren langjährigen Mesner Toni Gantschnig.
Lieber Toni, Du hast am 18. August 1989 Dein Dienst-, Dein Arbeitsverhältnis für die Jesuitenkirche begonnen. Bis auf den heutigen Tag sind das 12.189 Tage. Auch wenn in diese Zählung freie Tage eingerechnet sind, glaube ich wirklich, dass Du die volle Summe für die Jesuitenkirche da warst, dass kein einziger Tag verging, an dem Du nicht an dieses Gotteshaus gedacht hast.
Der Psalmist hat recht: „Wenn nicht der HERR das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen." (Ps 127,1)
Und doch braucht es Tonis, die das Haus Gottes putzen, liebevoll schmücken, von Kerzen, über Kirchenwäsche, von Schneeschippen, bis Glockenwartung und Schriftenstand, alles, einfach alles im Blick behalten!
Es braucht Menschen wie Dich, damit wir jeden Morgen diese Kirche 365 Tage im Jahr aufsperren können und alle Eintretenden spüren, wofür dieses Haus steht. Es muss viel Arbeit im Hintergrund geleistet werden, damit es stimmig ist, was ich als Kirchenrektor allen, die eintreten sagen möchte:
Herzlich willkommen, es ist alles bereitet,
lassen sie uns gemeinsam Gottesdienst feiern!
Toni, Vergelt's Gott, was Du für dieses Gotteshaus, für uns alle geleistet hast!
Ich weiß, für Dich war es ein Gottesdienst und doch können und wollen wir Dich nicht gehen lassen, ohne eine, ohne Dir 3 Anerkennungen mit auf den Weg zu geben:
1. Ein Fotobuch von der Jesuitenkirche, zusammengestellt von Reinhold Sigl, unserem Fotografen.
2. Weil Du selbstlos bist, eine Patenschaft für ein Schulkind in Kenia. In Nairobi freut sich ein Kind, dass über Deinen Namen sein nächstes Schuljahr gesichert ist.
3. Und zuletzt ein Applaus und die Hoffnung, dass Du Dich uns kurz zeigst, aber klatschen tun wir so oder so!
Toni, Gottes Segen für Dich!
Bild: Reinhold Sigl