Erscheinung des Herrn

Predigt zum Nachlesen von P. Robert Deinhammer SJ

Symbol

Epiphanie, Erscheinung des Herrn. Göttliche Wahrheit und Herrlichkeit leuchten, sichtbar für die Augen des Glaubens, im Kind von Bethlehem. Suchende Menschen finden ihren Weg zu Gott. Sie kommen mit Gaben und gehen als Beschenkte. Weil Jesus geboren wurde, gibt es Hoffnung für alle Menschen, auch für die in der Ferne. Zu Weihnachten haben wir die Geburt des menschgewordenen Gottessohnes durch Maria gefeiert. Heute feiern wir, dass Jesus, der Sohn Gottes, für alle Menschen gekommen ist, für die ganze Welt, nicht nur für Israel, sondern auch für die Heiden, für die Ungläubigen, auch für uns. In Jesus findet sich das Heil der Welt. Seine Herrschaft umfasst alles. Niemand ist ausgeschlossen.

In drei Punkten möchte ich das heutige Festgeheimnis etwas näher auslegen.

1) Suchen: Nicht nur die Sterndeuter, alle Menschen sind auf der Suche. Wir suchen nach Erfüllung, nach Glück, nach Geborgenheit, nach einem verlässlichen Fundament für unser Leben angesichts der Bedrohungen und Widrigkeiten, denen wir ausgesetzt sind. Aber häufig geraten wir dabei auf Abwege und finden nur Enttäuschungen. Wir Menschen sind immer in Gefahr, unser Herz an alle möglichen Dinge zu hängen und auf etwas zu vertrauen, das letztlich gar nicht halten kann, was es verspricht. Wir Menschen sind immer in Gefahr, die Welt zu vergöttern, unser Heil dadurch zu suchen, dass wir uns an irgendwelche geschaffenen Wirklichkeiten festklammern. Aber nichts in der Welt kann uns letzte Geborgenheit schenken, nichts in der Welt kann unser Heil sein, weil alles in der Welt vergänglich ist. Wir haben in uns ein unbestimmtes Verlangen, das nicht zu stillen ist, und das von sich aus nur Ersatzobjekte finden kann. Aus dieser Zwangslage können wir uns selbst nicht befreien.
So brauchen wir schon beim Suchen Hilfe. Wir brauchen einen Stern, der uns in die richtige Richtung weist, der uns den Weg leuchtet, uns Orientierung gibt. Der Stern ist ein Symbol für die göttliche Hilfe, für die Gnade, die unserem Suchen zu Hilfe kommen muss. Was hilft mir, den Weg zu finden? Welche Sterne führen mich zum Heil, zu Jesus Christus, zur Gemeinschaft mit Gott? Und für wen kann ich zum Stern werden?

2) Finden: Wer sucht, will finden. Aber wo finden wir Gott, einen Gott, der in unzugänglichem Licht wohnt, der größer ist als alles, was wir denken können? Der Glaube sagt uns: in Jesus Christus. Und wer Gott in Jesus Christus findet, kann dies nur, weil Gott ihn schon zuvor gesucht und gefunden hat, weil er vom Stern geführt wurde. Von Gott geht alle Initiative aus. Gott startet eine Rettungsmission. Gott macht sich auf die Suche nach dem verlorenen, in die irre gegangenen Menschen. Er kommt zu uns in seinem menschgewordenen Sohn, gibt uns sein Wort: Gotteswort in Menschenwort. In seinem Wort findet uns Gott, in seinem Wort schenkt er uns Gemeinschaft mit sich. Gott nimmt in Jesus unser armes, sterbliches Fleisch an, verbindet sich mit der Menschheit, mit allen Menschen, und lässt uns teilhaben an der Sohnschaft Jesu. So findet er uns, und so finden wir ihn, im Glauben an sein Wort, im Glauben an das Evangelium.
Wer Gott in Jesus Christus findet, der findet gleichzeitig die große Freude. Eine Freude, die immer wieder angefochten sein wird, die immer wieder neu zugesagt werden muss, die aber trotzdem alles ändert. „Du gehörst mir, niemals werde ich dich verlassen, ich liebe dich um Jesu willen, nicht einmal der Tod kann dich aus meiner Hand reißen." So spricht Gott zu uns in Jesus, zu jedem einzelnen von uns. Du bist gemeint als Adressat dieses Wortes. Wenn wir das glauben könnten, wenn uns das als die tiefste Wahrheit unseres Lebens ins Herz einginge, dann würden wir auch die große Freude finden, trotz allem.

3) Beschenktwerden: Die Sterndeuter sind reiche Leute, sie bringen Jesus ihre Gaben dar, Gaben die eines Königs würdig sind: Weihrauch, Gold und Myrrhe. Welche Gaben können wir Gott darbringen? Was können wir ihm schenken? Das Einzige, was wir Gott schenken können, ist unser Vertrauen, dass wir wirklich auf sein gutes Wort vertrauen, im Licht und im Dunkel, im Glück und im Leid. Wir bringen Gott unseren Glauben dar. Aber sogar der Glaube ist ein Geschenk Gottes, nicht etwas, das wir mit unserer eigenen Leistung herstellen können. Wir dürfen uns den Glauben immer wieder neu gesagt sein lassen, unsere leeren Hände hinhalten, neu mit dem Glauben anfangen, jeden Tag. Gott ist großzügig, unendlich großzügig. Er hält nichts zurück. In seinem Sohn schenkt er sich selbst und erfüllt uns mit dem Heiligen Geist, mit seiner ganzen Liebe. Und so sind wir die Beschenkten, Menschen, denen etwas unendlich Kostbares gegeben wurde: Anteil an der Gemeinschaft Jesu mit dem Vater.
Wer sich in dieser Weise von Gott beschenkt erfährt, muss nicht dankbar sein, sondern kann dankbar sein. Und wer sich in dieser Weise von Gott beschenkt erfährt, kann auch anderen gegenüber großzügiger sein. Das Beschenktwerden durch Gott macht unser Herz weit und aufmerksam und demütig. Es formt unser Herz nach dem Herzen Jesu. Einmal wird diese Umformung vollendet sein.

Suchen, Finden, Beschenktwerden: drei Punkte zum heutigen Hochfest Erscheinung des Herrn. Göttliche Wahrheit und Herrlichkeit leuchten auf im Kind von Bethlehem. Jesus, Gottes Sohn, ist für alle Menschen gekommen, für die ganze Welt, nicht nur für Israel, sondern auch für die Heiden, für die Ungläubigen, auch für uns. In Jesus findet sich das Heil der Welt. Seine Herrschaft umfasst alles. Gebe Gott, dass wir das glauben können! Amen.

 

6.1.2024
Jesuitenkirche Innsbruck


Foto: Genvieve Rusnac via unsplash.com

 

 

 

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