Unser Kreuz ist heuer bis zum Rand gefüllt mit dem, was sich Große und Kleine, Alte und Junge von der Seele geschrieben haben: Probleme, Anliegen, Herzensbitten.
Da sind sie nun, all diese Seelengemälde: Ausdruck von Leiden, Schmerz, Enttäuschungen, Verwundungen, Ängsten, Krankheiten, Schuldgefühlen, Trauer..., schmerzhaften Dingen, die man nicht haben will, die schnell wieder aus unserem Leben verschwinden sollen, oder – noch besser – die ich am liebsten überspringen möchte. AM LIEBSTEN ÜBERSPRINGEN. Aber das geht nicht. Und vielleicht ist das eine Botschaft des heutigen Tages:
den Karfreitag Karfreitag sein zu lassen;
diese Momente, wo man keinen Ausweg sieht,
wo man wie ein geschlagener Hund durch die Gegend läuft,
wo man mit seinem Latein am Ende ist,
wo man die ganze Ohnmacht spürt,
wo es nichts schönzureden gibt –
diese Momente einfach zuzulassen.
Der Philosoph Nicholas Wolterstorff hat seinen Sohn verloren. Mit 25 Jahren ist er am Berg tödlich verunglückt. In seinem Buch „Lament for a Son" („Klage um einen Sohn") schreibt er: „Aber bitte: Sag nicht, es ist nicht wirklich so schlimm. Denn es ist schlimm. Der Tod ist furchtbar, dämonisch. Wenn du meinst, deine Aufgabe als Tröster sei es, mir zu sagen, es sei alles in allem nicht so schlimm, dann sitzt du nicht bei mir in meiner Trauer, sondern setzt dich von mir ab – weit entfernt von mir. Dort bist du keine Hilfe. Ich möchte von dir hören, dass du anerkennst, wie schmerzhaft es ist. Ich möchte von dir hören, dass du in meiner Verzweiflung mit mir bist. Um mich zu trösten, musst du in meine Nähe kommen. Komm, setz dich neben mich auf meine Trauerbank!"1
Setz dich neben mich auf meine Trauerbank!
Denn es ist schlimm und darf schlimm sein.
Das sagt mir der Karfreitag.
„Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala." (Joh 19, 25) Aus diesem Satz wurde die Sequenz Stabat Mater entwickelt. Darin haben sich Millionen von Menschen über Jahrhunderte wiedergefunden. Mit ihnen stehe ich schweigend beim Kreuz und lasse das Leiden Leiden sein.
Und wenn ich eine Blume zu deinem Kreuz bringe, Herr Jesus, dann möchte ich ausdrücken, wie sehr ich es schätze, dass du mit mir bist in meinem Leid. VERGISS MEIN NICHT, du Bruder aller Leidenden.
P. Bruno Niederbacher SJ