I.
„Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen?"
Eine scheinbar harmlose Frage am Strand des Sees von Tiberias. Die sieben Fischer müssen zugeben, dass sie nichts gefangen haben. Die ganze Nacht haben sie nichts gefangen. Sie haben sich voll angestrengt, und trotzdem: nichts.
Wenn wir uns vergeblich bemühen. Wenn wir es nicht schaffen, trotz aller Anstrengung. Wenn wir als Versager gesehen werden. Dann brauchen wir jemanden, der uns zuhört und versteht. Der uns nicht Vorwürfe macht, sondern einen guten Vorschlag.
Jesus, der Zimmermann, sagt also den Profi-Fischern ????: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Boots aus." Sie fahren noch einmal hinaus, gegen alle ihre Erfahrung. Und sie fangen sehr viele Fische.
Manchmal lassen wir uns auch etwas sagen. Auch wenn es gegen all das geht, was wir gelernt haben. Aber wenn die Beziehung passt, dann sagen wir: Ich probiere es aus, ich trau mich.
II.
„Jesus sagt zu ihnen: Kommt her und esst!" Er nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Es dämmert ihnen langsam. Das kennen sie schon, von früher. Sie sind ja lange mit Jesus unterwegs gewesen. Sie haben oft mit ihm gegessen.
Das gemeinsame Essen ist für die ersten Jünger entscheidend. Es ist bis heute der zentrale Ritus von uns Christinnen und Christen: Eucharistie, Danksagung, beim gemeinsamen Mahl.
Für uns heißt das: Wir kommen immer wieder zur Eucharistiefeier. Jesus lädt ein. Und in einem bestimmten Augenblick, den wir nicht kennen, merken wir: „Es ist der Herr!" Es gehen uns die Augen auf, wie den Jüngern von Emmaus.
III.
Und schließlich: Simon Petrus, liebst du mich? Drei Mal fragt Jesus den Petrus. Petrus weiß: Drei Mal hat er Jesus verleugnet. Und jetzt wird er drei Mal gefragt. Drei Mal gibt Petrus die Antwort: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Und drei Mal gibt ihm Jesus den Auftrag: Weide meine Lämmer, meine Schafe!
Ich frage mich ja immer wieder, warum Petrus diese Aufgabe bekommen hat. Er war wohl der Sprecher der Apostel, vermutlich ein bisschen cholerisch. Er sagt: „Ich gehe fischen." Die anderen sagen: „Wir kommen auch mit." Also einer, der vorangeht.
Aber warum bekommt er die Aufgabe, wo er doch wirklich charakterliche Tiefpunkte hatte? Das Kriterium ist die Liebe zu Jesus. Nicht seine Fähigkeiten beim Fischen oder bei der Leitung der Apostel.
Mit dem Wort Liebe sind wir ja ein bisschen sparsam. Ich finde, das passt schon so. Aber letztlich ist es das, worauf es ankommt: Mitgefühl, Empathie, Sich in den anderen Hineinversetzen-Können, etwas tun das mir selbst nichts bringt, kurz: Liebe.
Vielleicht möchten Sie, wenn Sie heute nach Hause kommen, diesen Bibeltext noch einmal für sich lesen. Er tut uns allen gut. Johannes-Evangelium, das letzte Kapitel, Kapitel 21.
Amen.
P. Christian Marte SJ
Bild: krakenimages via unsplash.com