Predigt

von P. Dag Heinrichowski SJ am 7. September zur Eucharistiefeier mit den drei Neupriestern.

Symbol

 


Weish 9, 13-19 // Lk 14, 25-33

Lieber Gerry, lieber Manfred, lieber Daniel!
Liebe Schwester und Brüder,

es ist eine außerordentliche Freude und erfüllt mich – und sicher auch viele andere – mit Dankbarkeit, dass wir heute Vormittag eure erste Messe als Priester gemeinsam feiern können. Und es ist doch eine schöne Fügung, dass das Evangelium von diesem Sonntag das Evangelium ist, das auch am Hochfest des Heiligen Ignatius von Loyola gelesen wird. Und welches er selbst in der Formula Instituti zitiert.

In dieser päpstlichen Gründungsurkunde der Gesellschaft Jesu schreibt Ignatius in seinem ihm eigenen Stil:
„Deshalb sollen diejenigen, die zu uns kommen wollen, bevor sie eine solche Last auf ihre Schultern nehmen, lange und viel darüber nachdenken, ob sie in ihren Mitteln soviel geistliches Kapital haben, daß sie nach dem Rat des Herrn diesen Turm vollenden können, ob also der Heilige Geist, der sie antreibt, ihnen soviel Gnade verheißt, daß sie mit seiner Hilfe hoffen, die Bürde dieser Berufung tragen zu können"

Der Rat des Herrn – wir haben es gehört – lautet: „Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen."

Dieser Prozess spielt sich auf persönlicher und institutioneller Ebene ab. Ihr habt euch unterschiedliche lange, aber alle gründlich vorbereitet auf eure Priesterweihe. Und auch der Orden muss immer wieder schauen, ob die Mittel reichen. Und vielleicht fast noch wichtiger: Welche Mittel jetzt wohl notwendig wären. Ein Prozess auf persönlicher und institutioneller Ebene.

Die Gründungstexte sind geschrieben in einer Zeit, in der unser Orden wächst, sich ausbreitet, seine Identität und sein Gepräge herausbildet. Der Bild des Turmbaus ist ein Bild des Aufbruchs und der Hoffnung. Es geht um Nachfolge, die begeistert, verändert und einen Unterschied macht.
Unser Kontext ist ein anderer: Heute müssen wir Jesuiten uns immer mehr auch eingestehen, dass unsere Mittel knapper werden – vor allem die personellen.
Manfred, du warst der letzte Frater in der Jugendarbeit in Hamburg und du, Gerry, musstet schon direkt nach dem Noviziat als zuständiger Minister eine Scholastikerkommunität auflösen.
Das Bibelwort gilt: Wir müssen prüfen, ob unsere Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen. Und wenn dies nicht mehr der Fall ist, dann braucht es Veränderungen, damit nicht nur ein nutzloses Fundament, eine Ruine übrigbleibt und einfach so in der Landschaft rumsteht.
Auch wenn ich selbst manchmal dazu neige, ist das kein Grund zu Pessimismus. Sondern es geht um die Bereitschaft für Veränderungen. Darum, dass wir hören, wohin Jesus Christus uns heute ruft. Darum, im Vertrauen auf ihn zu schauen, wo vielleicht ungenutzte, ungeahnte Mittel und Wege sind.
Wenn uns das gelingt, dann ist unsere Dynamik der Dynamik der jungen Gesellschaft gar nicht so fremd.

Auch Ignatius merkt in seinem Leben immer wieder – manchmal zu spät – dass die Mittel nicht reichen, um seinem eigentlichen Plan und das, was er als Wille Gottes erkannt hat, umzusetzen. Er beginnt neu, lässt sich auf Veränderungen ein und bleibt auf der Suche nach der Sehnsucht hinter der Sehnsucht.

Ich wünsche euch Neupriestern und uns als Orden, ja als Kirche, dass wir dieser Sehnsucht auf der Spur bleiben. Uns nicht festmachen in eigenen Vorstellungen, Erwartungen und Wünschen, sondern uns immer wieder herauswagen und einlassen auf die Wirklichkeit unserer Zeit, die auch die Wirklichkeit Gottes ist!

Und vielleicht liegt darin auch etwas spezifisch Priesterliches. Eine wichtige Dimension priesterlichen Lebens und Handelns ist es, Wandlung zu ermöglichen. In den Brüchen, der Gebrochenheit und Fragilität des Lebens Gott Raum zu geben.
Augenscheinlich wird es in der Eucharistie, in der ihr das Brot, das im Heiligen Geist gewandelt ist, zum Leib Christi, brecht. Aber ich denke auch an das Sakrament der Versöhnung, in dem ihr in der Gebrochenheit, die Schuld und Verstrickung verursachen, Gottes Vergebung und Neuanfang zusagt. Oder das Sakrament der Krankensalbung, das in der Gebrechlichkeit des Alters und der Krankheit Gottes Trost und Zuwendung Raum gibt.
Es sind die Bruchstellen des Lebens, die zu Neuaufbrüchen werden. Eure, unsere Aufgabe ist es nicht, diese Brüche zu glätten, sondern sie auf Gott hin zu öffnen, damit durch sein Wirken Neues wachsen kann.

Wenn die Mittel weniger werden, müssen wir uns neu auf unser eigentliches Kapital besinnen. Und unser eigentlicher Reichtum ist die Beziehung zu Jesus Christus, unser Vertrauen auf ihn und nicht die äußeren oder personellen Mittel. Das mag fromm klingen, aber ich bin überzeugt, dass es ohne Jesus Christus nicht geht, nichts bringt. Wir müssen auf ihn schauen!
Als ihr gestern eure Bereitschaft zum Dienst des Priesters erklärt habt, hat der Kardinal euch zum Schluss gefragt, ob ihr bereit seid, euch Tag für Tag enger an Christus zu binden. Darum geht es und das ist notwendig!
Unser Turm soll ja kein Turm von Babel werden, der unser Ego und unsere Vorstellung weithin sichtbar macht. Kein Denkmal unserer glorreichen Pläne.

Ignatius nannte sich selbst Pilger. Der Turm und der Dienst, den wir mit unserem Leben zu bauen versuchen und zu dem unser Ordensinstitut uns eine Hilfe ist, ist ein Weg des Pilgers. Es geht darum, mit Jesus Christus unterwegs zu sein, hinter ihm her zu gehen.
Im Buch der Psalmen gibt es einige Wallfahrtslieder für die Pilgerfahrt nach Jerusalem. In einem dieser Wallfahrtspsalmen heißt es: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, baut jeder umsonst, der daran baut."

Und auch wenn Gott nicht immer in dem Tempo und nach den Plänen baut, wie wir es uns vielleicht wünschen, so ist er am Werk. Euer „Hier bin ich", das ihr gestern gesprochen habt, ist ein Beweis dafür.
Danke für eure Bereitschaft, euer Zeugnis und auch eure Gefährtenschaft!

In seinen Betrachtungen zum Exerzitienbuch betont Karl Rahner die Bedeutung der ersten dreißig, verborgenen Lebensjahre Jesu, für unsere Nachfolge.
Er warnt vor Hast im religiösen Leben und schreibt: „Von heut' auf morgen wird man kein Heiliger. Getrauen wir uns doch, unsere priesterliche Existenz langsam zu gewinnen!"
Es geht um das Vertrauen, dass Gott schon dafür sorgt, dass wir die Chancen in unserem Leben nicht verpassen werden. Rahner weiter: „Haben wir Geduld mit uns! Lernen wir warten und darin wachsen! Wenn wir ehrlich auf Gottes Fügung warten – was nicht heißt, lethargisch und selbstzufrieden einem geistlichen Fatalismus huldigen –, dann kommt auch unsere Stunde, und sie kommt rechtzeitig."

Amen.

 

Impressionen der Einzelprimizsegen

 

P. Dag Heinrichowski SJ

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