Fest der Heiligen Familie

Predigtvon P. Robert Deinhammer SJ, 28. Dezember

Symbol

Nach all den Predigten an den Weihnachtsfeiertagen jetzt auch noch eine Predigt zum Fest der Heiligen Familie. Als guter Katholik muss man schon viel aushalten. Aber im Ernst: Was hat es mit dem heutigen Fest auf sich? Was kann das Fest der Heiligen Familie für uns bedeuten?

Nun, zunächst geht es sicher um den Wert der Familie. Familie ist der Ort, wo man herkommt und wo man hingehört. Jeder und jede von uns wurde in eine Familie hineingeboren, ohne dabei gefragt zu werden. Niemand hat sich seinen Vater oder seine Mutter oder seine Geschwister ausgesucht. Die Familie ist eine Schicksalsgemeinschaft, im Guten wie im Schlechten. Die eigene Familie prägt das Leben wie fast nichts anderes. Im Idealfall ist die Familie ein Ort der Geborgenheit, wo Menschen füreinander da sind, sich schützen und stärken, wo Kinder in Liebe aufwachsen können, wo man Menschlichkeit lernt.

Aber wie wir alle wissen, kommt dieser Idealfall in der Realität leider eher selten vor. Die Familie ist auch ein Konfliktort, wo schlimmste Verletzungen geschehen können. Vor meinen Eintritt in den Jesuitenorden habe ich auch für einige Monate als Rechtspraktikant am Familiengericht in Salzburg gearbeitet: Obsorgeverfahren, Erbschaftstreitigkeiten, Gewalt in der Familie, Scheidungen. Gerade nach den Weihnachtsfeiertagen gab es immer besonders viele Scheidungsanträge. Gelungenes Familienleben versteht sich nicht von selbst.

Josef und Maria können da ein Vorbild für uns sein. Sich selber nicht zu wichtig nehmen, den eigenen Egoismus überwinden, gerade in einer Zeit, in der Selbstverwirklichung vergötzt wird; füreinander da sein, Verantwortung füreinander übernehmen; Geduld haben, mit den anderen und mit sich selbst; akzeptieren, dass man in einer nicht-idealen Welt lebt, einander vergeben, einander ertragen. Aber das alles ist nicht so einfach. Und damit komme ich zum Festgeheimnis im theologischen Sinn.

Jesus, Maria und Josef, das ist traditionell gesehen die Heilige Familie. Heilig ist sie nur deshalb, weil Jesus Christus in ihrer Mitte ist. Heilig ist, was zu Gott gehört. Denn nur Gott ist im eigentlich Sinn heilig. Zu Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu. Der ewige Sohn Gottes, die zweite Person der hl. Dreifaltigkeit, hat eine menschliche Natur angenommen und wurde von Maria geboren, um uns in einem ganz gewöhnlichen menschlichen Wort Gottes Wort sagen zu können. Das „Wort Christi", von dem Paulus im Brief an die Kolosser spricht, ist das Wort Gottes, in dem uns Gott etwas mitteilt, was wir sonst niemals wissen könnten: Dass Gott auf unserer Seite ist. Dass wir aufgenommen sind in die Liebe des Vaters zu Sohn, die der Heilige Geist ist, dass wir gemeinsam mit Jesus von Gott angenommen sind, mit ein und derselben Liebe. Dass wir uns gar nicht sozusagen selber am Schopf aus dem Sumpf ziehen müssen, dass wir gar nicht uns selber unbedingt möglichst schätzenswert machen müssen, sondern dass wir davon ausgehen, dass wir im Letzten geborgen sind. Geschehe, was auch immer geschehen mag. Ein letztes Vertrauen, trotz allem.

Das ist der Glaube, der vom Hören auf das Wort Gottes in Jesus Christus kommt. Ohne Jesus gäbe es diesen Glauben nicht. Immer wieder neu dürfen wir mit diesem Glauben anfangen, indem wir uns Gottes Wort gesagt sein lassen. Und in diesem Glauben stehen wir nicht mehr unter der Knechtschaft der Angst um uns selbst, sondern können so leben, wie es Paulus in seinem Brief an die Kolosser beschreibt: menschlicher, freier, liebevoller, dankbarer. Das kommt natürlich auch dem Familienleben zugute. Christlicher Glaube hält Familien zusammen und bewirkt, dass man füreinander da ist, auch wenn es schwierig wird, dass man einander von Herzen vergibt. Aber es geht noch weiter:

Glaube ist das Erfülltsein vom Heiligen Geist. Schon im Leben der Dreifaltigkeit verbindet der Heilige Geist den Vater und den Sohn. Er ist die gegenseitige Liebe zwischen ihnen, sozusagen das „Wir" Gottes in Person. Und so verbindet er auch die Glaubenden zu einem „Wir". Man ist gewohnt, allein in Jesus, Maria und Josef die Heilige Familie zu sehen. Aber die Heilige Familie ist eigentlich viel größer. Um Jesus herum wird der Kreis immer weiter: Erst Maria und Josef, dann kommen die Hirten, später werden es die Apostel und die Jünger sein. Der Kreis wird größer. Aus lauter „Ichs" soll ein „Wir" werden. Jesus sprengt die bloß geschöpflichen Blutsbande. Er gründet eine neue, eine weltweite Familie. Ja, das Volk Gottes ist die eigentliche Heilige Familie, die Familie Gottes. Gott will die Menschen aus lauter „Ichs" zum „Wir" führen, in sein eigenes „Wir" hinein. Wie sie vielleicht wissen, lautet der Wahlspruch von Papst Leo: in illo uno unum: in dem Einen sind wir eins. Es geht um eine Einheit in Christus. Menschen werden miteinander verbunden durch seinen Heiligen Geist, haben miteinander Anteil an seiner Gemeinschaft mit dem Vater.

Die Heilige Familie Gottes ist sakramental sichtbar in der Kirche. Wir alle gehören zu dieser katholischen, weltweiten, universalen Familie Gottes. Und jeder Mensch ist eingeladen, an Jesus zu glauben und zu dieser Familie Gottes zu gehören, und sich um den Tisch des Herrn zu versammeln, der der Familientisch Gottes ist. Und Christus reicht uns seinen wahren Leib, so dass Gott in jedem von uns seinen Sohn sieht und liebt, und auch wir ineinander Christus sehen können, unseren göttlichen Bruder, der auch uns zu Brüdern und Schwestern macht. Amen.

 

P. Robert Deinhammer SJ

 

mitteilen

Share Tweet Mail Whatsapp Xing LinkedIn

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

ImpressumSitemapLinksDatenschutzPräventionKontaktLogin

Impressum
Sitemap
Links
Datenschutz
Prävention
Kontakt
Login

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck

powered by webEdition CMS