Palmsonntag

Sonntagspredigt zum Nachlesen von Dominik Markl SJ

Symbol

Schwestern und Brüder,

wenn wir am heutigen Palmsonntag die Feier der Karwoche beginnen, in der wir uns an das Leiden von Jesus erinnern, denken wir in diesem Jahr besonders an alle Menschen, die unter der Corona-Krise besonders leiden, die Kranken und Sterbenden, die Ärztinnen und die Pflegenden, die Arbeitslosen und jene, die ums wirtschaftliche Überleben kämpfen.

Am Palmsonntag erinnern wir uns an ein festliches Ereignis, den Einzug Jesu in Jerusalem. Der Heilige Ignatius empfiehlt uns, wenn wir eine Stelle aus dem Evangelium betrachten, uns in eine Figur der Szene hineinzuversetzen. Vielleicht würde er uns heute vorschlagen, uns mit einer der wichtigsten Gestalten des Palmsonntags zu identifizieren, mit dem kleinen Esel. Ich lade Sie also ein, kurz die Augen zu schließen und sich vorzustellen dieser Esel zu sein. Lassen wir uns die heutige Geschichte aus seiner Perspektive erzählen.

Hallo, ich heiße Christoph, ich bin ein kleiner Esel und wohne in einem kleinen Dorf in der Nähe von Jerusalem. Heute ist ein sehr aufregender Tag für mich. Bisher bin ich eigentlich immer mit meiner Mama in meinem Dorf geblieben. Wisst ihr, wir Esel machen normalerweise keine wichtigen Sachen. Wir tragen nur die schweren Sachen für die Leute, manchmal reiten die Leute auf uns, aber nur die einfachen Leute, die am Feld arbeiten. Wenn wichtige Leute vorbeikommen, die Soldaten und die reichen Leute, dann reiten die auf großen Pferden. Wir sind aber nur kleine Esel. Die Leute denken manchmal, wir sind dumm, und sie behandeln uns schlecht, manchmal treten sie sogar auf uns ein. Aber die Kinder mögen uns. Manchmal kommen die Kinder von den Nachbarn und geben mir frisches Gras zu fressen und streicheln mich. Das freut mich.

Bis heute habe ich eigentlich noch nicht viel arbeiten müssen, ich bin ja noch ziemlich klein. Aber heute war ein besonderer Tag. In der Früh sind zwei Männer gekommen, die habe ich noch nicht gekannt. Sie haben einen komischen Dialekt gehabt, wie die Leute in Galiläa. Die haben meine Mama und mich losgebunden. Am Anfang wollte ich eigentlich nicht mitkommen, aber sie haben gesagt, es geht um eine wichtige Sache, sie brauchen mich, und dann war es ganz aufregend.

Die beiden Männer waren nett zu uns und haben uns ganz viel von Jesus erzählt, dass er ein großer Prophet ist und viele Menschen heilt. Wir sind zum nächsten Dorf gegangen, und da haben wir Jesus und seine Freunde getroffen. Und einer hat ganz laut gerufen, dass der Prophet Sacharja geschrieben hat:
גִּילִי מְאֹד בַּת־צִיּוֹן הָרִיעִי בַּת יְרוּשָׁלִַם
הִנֵּה מַלְכֵּךְ יָבוֹא לָךְ צַדִּיק וְנוֹשָׁע הוּא
עָנִי וְרֹכֵב עַל־חֲמוֹר וְעַל־עַיִר בֶּן־אֲתֹנוֹת

Der Prophet Sacharja hat natürlich auf Hebräisch geschrieben, aber in unserer Eselssprache heißt das: „Juble laut, Tochter Zion, jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir: Er ist gerecht und rettet, demütig reitet er auf einem Esel, und auf einem Fohlen, dem Kind einer Eselin."

Jetzt habe ich verstanden, warum wir da waren! Meine Mama und ich mussten den Jesus nach Jerusalem bringen. Es sollte ein Freudenfest für die ganze Stadt werden. Und was dann passiert ist, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Der Jesus hat sich auf meine Mama gesetzt und sie hat ihn Richtung Jerusalem getragen, und die Leute haben gejubelt und gerufen Hoschanna, Hoschanna!
בָּרוּךְ הַבָּא בְּשֵׁם יְהוָה

„Gesegnet der kommt im Namen Gottes!" Und die Leute haben Psalmen gesungen und Flöte gespielt und getrommelt und die Kinder haben vor uns getanzt, und ihre Tücher vor uns auf den Boden gelegt, damit wir einen schönen Teppich haben, und sie haben schöne Zweige von den Bäumen geschnitten, es war ein großes Fest. Und dann ist meine Mama ein bisschen müde geworden und der Jesus hat sich auf mich gesetzt. Es war schon ein bisschen schwer, aber er hat sich ganz vorsichtig auf mich gesetzt, damit es mir nicht weh tut, und ich, ich habe ihn nach Jerusalem hineingetragen. Beim Stadttor waren viele große Pferde angebunden, die haben alle ganz neidisch geschaut. So einen wichtigen Menschen haben die noch nie tragen dürfen. Und dann, in Jerusalem, haben alle Leute geklatscht und ganz viele Kinder sind zu mir gekommen und haben mich getätschelt und gesagt, dass ich das brav gemacht habe, und sie haben mir frisches Gras und Hafer gebracht. Alter, das hat gut geschmeckt.
Ich weiß schon, dass ihr mich jetzt für verrückt halten werdet. Aber ich bin ganz sicher, dass sich die Menschen in zweitausend Jahren noch an mich erinnern werden. Auf der ganzen Welt werden sie in tausend Sprachen erzählen, dass ich den Jesus nach Jerusalem getragen habe. Wenn Jesus unser König ist, dann dürfen auch die kleinen Dummen etwas Wichtiges machen, sogar ein kleiner Esel wie ich. Ich habe ein bisschen Angst, dass die Großen und Mächtigen das nicht mögen werden. Aber ich glaube, sogar wenn sie ihn umbringen, wird man den Jubel des heutigen Tages nie vergessen können.
Heute hab ich übrigens beschlossen, dass ich noch besser Hebräisch lernen möchte. Ich möchte ganz genau verstehen, was der Prophet Sacharja im nächsten Vers über den König von Jerusalem sagt.
וְנִכְרְתָה קֶשֶׁת מִלְחָמָה וְדִבֶּר שָׁלוֹם לַגּוֹיִם
וּמָשְׁלוֹ מִיָּם עַד־יָם וּמִנָּהָר עַד־אַפְסֵי־אָרֶץ

Vernichtet werden die Waffen des Kriegs, er spricht „Frieden für die Völker"
Seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Fluss bis an die Enden
der Erde.

Iiihahaha. Amen.

Dominik Markl SJ, Päpstliches Bibelinstitut, Rom

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