Tagesimpuls aus der Jesuitenkirche

von Bruno Niederbacher SJ, Dienstag, 12. Mai 2020

Symbol

Aus der Tageslesung (Apg 14,22)
Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.

In dieser Corona- und ungleich größeren Klimakrise gehe ich gelegentlich zum Altar im linken Querschiff unserer Kirche. Er zeigt die Apotheose des Apostels und Märtyrers Judas Thaddäus, eines Heiligen, der in schweren Nöten und verzweifelten Situationen angerufen wird; also genau der Richtige für uns in der Krise. Aber wen stellt das Gemälde eigentlich dar? Klar erkenntlich ist Judas mit der Keule, durch die er zu Tode kam. Getragen und erhoben wird er von drei Engeln. Mit seinem linken Zeigefinger deutet er auf einen Satz aus dem ihm zugeschriebenen Judasbrief des Neuen Testaments: „Deprecans supercertari semel traditae sanctis fidei" (Jud 3); zu Deutsch: „Ich ermahne euch zu kämpfen für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben." Genauer betrachtet, zeigt Judas auf das durch goldene Lettern hervorgehobene lateinische Wort für Glaube (fidei). Dies ist auch ein Hinweis darauf, wen die Frau in Gold mit dreieckigem Nimbus, Hostie mit eingeprägtem IHS an der Brust, goldenen Armbändern, dem Kreuz in der einen und den Heiligenschein für Judas in der anderen Hand darstellt: die personifizierte Fides, die Tugend des Glaubens. Sie nimmt Judas in die Schar der Heiligen auf. Lorbeerkranz und Himmelsschlüssel winken. Der Engel in Rot kämpft mit Feuerschwertern für den Glauben und gegen das Böse. Es dürfte sich um den Erzengel Michael handeln, von dem es im Judasbrief (Jud 9) heißt, dass er „mit dem Teufel streitend rechtete um den Leichnam des Mose." Mose ist im Bild indirekt präsent durch die Tafeln des Bundes mit hebräischen Buchstaben, von denen das Tetragramm (JHWH) lesbar ist. Es dürfte also der Anfang des Dekalogs zitiert sein, wo es heißt: „Ich bin JHWH, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus." (Ex 20, 2) Gott als Befreier. Tora und Glaube weisen in eine Richtung: Wir sind berufen, in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben. Möge auf die Fürbitte des heiligen Judas dieser Glaube allen Zweifeln und Drangsalen standhalten und uns die richtigen Schritte tun lassen.

Bruno Niederbacher SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

Bild: Altarblatt am Seitenaltar des linken Querschiffs, gemalt von Andreas Wolff aus München. Eleonore Maria Josepha von Österreich, Königin von Polen und Großfürstin von Litauen sowie spätere Gemahlin des Herzogs Karl von Lothringen, ließ den Judas-Thaddäus-Altar 1684 errichten.

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