Predigt zum Nachlesen

von Robert Deinhammer SJ

Symbol

Das Vermächtnis Jesu - Predigt zum 7. Sonntag in der Osterzeit

1 Petr 4, 13-16
Joh 17, 1-11

Stellen Sie sich vor, Sie müssten ein Testament aufsetzen und darin kurz niederschreiben, was Sie anderen mitgeben möchten. Damit meine ich jetzt nicht Sparbücher oder Eigentumswohnungen oder den Familienschmuck, sondern eher so etwas wie die Botschaft ihres Lebens. Was ist Ihnen über das Leben aufgegangen? Was ist das Wichtigste? Welche Einsichten möchten Sie anderen weitergeben? Wozu waren Sie auf der Welt? Was ist also die Summe Ihres Lebens?

Im Johannesevangelium stellt Kapitel 17 so eine Art Testament dar. Es ist das Abschieds- und Weihegebet Jesu. Jesus fasst darin die Botschaft und die Summe seines ganzen Lebens zusammen. Konkret geht es um eine Rechenschaft vor dem Vater, um eine Fürbitte für die Jünger und um eine Fürbitte für alle Glaubenden, also auch für uns. Heute haben wir die Verse 1 bis 11 gehört. Jesus wendet sich an den Vater, an den Gott, von dem er sich gesandt weiß. Das war ihm das Wichtigste, die Gemeinschaft mit dem Vater. Das war das Zentrum seines Lebens, das war der Grund seiner Freude. Jesus ist der menschgewordene Sohn, der von Ewigkeit her von Gott Geliebte, der in die Welt gekommen ist, um uns den Vater zu offenbaren. In Jesu menschlichem Wort hören wir wirklich Gottes Wort.

Was hat uns Gott zu sagen, was möchte er uns mitteilen? Gott sagt uns etwas, was wir nicht von uns aus wissen können, etwas, das man an den Zuständen der Welt nicht ablesen kann. In seinem Wort schenkt Gott sich selbst und macht seine Liebe offenbar: Der Vater liebt uns so wie seinen eigenen Sohn. Auf dieses Wort richtet sich der Glaube, ohne dieses Wort würden wir in der Ungewissheit bleiben. Immer wieder dürfen wir uns dieses Wort sagen lassen. Immer wieder dürfen wir damit anfangen, auf diese Zusage zu vertrauen. Du bist mehr als das, wofür du dich selber hältst. Du bist auch mehr als das, wofür dich andere halten. Du bist mehr als die Summe deiner Leistungen und mehr als die Summe deiner Fehler. Gott hat dich angenommen, nicht wegen deiner Qualitäten, sondern um Jesu willen. Keine Macht der Welt kann daran etwas ändern.

Jesus will uns ewiges Leben schenken. Dazu ist er vom Vater gesandt. Und er selbst sagt: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus." Geht es nur um ein Erkennen? Nun, mit dem Erkennen ist hier eine personale Beziehung gemeint, es geht um die bewusste Gemeinschaft mit Gott, die ich nur im Glauben an Jesus Christus erkennen kann. Und das ewige Leben ist genau diese Gemeinschaft mit Gott, in der wir schon jetzt geborgen sind und die sich einmal vollenden wird. Das ewige Leben übersteigt so wie Gott selbst aber alle unsere Vorstellungen. Wir können nur in Gleichnissen darüber sprechen, die aus guten irdischen Erfahrungen stammen, so unscheinbar und klein sie auch sein mögen. Wir brauchen uns also kein zusätzliches Phantasiebild vom Himmel zu machen, sondern können alles Gute in der Welt als ein schwaches Bild für den Himmel verstehen, der in sich selbst jedes Begreifen übersteigt.

Heute beten wir in besonderer Weise für die Kirche in China. Nicht nur in China werden Christen verfolgt. Zum Christsein gehört dazu, dass man Ablehnung erfährt. Und das führt uns direkt zur Lesung aus dem ersten Petrusbrief. Dort werden auch wir aufgefordert, uns zu freuen, wenn wir Anteil haben an den Leiden Christi: „Wenn ihr wegen des Namens Jesu beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen, denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes ruht auf euch." Das könnte man vielleicht so verstehen: Wer an Jesus glaubt, der hat auch die Freiheit, sich für Wahrheit und Gerechtigkeit in dieser Welt einzusetzen. In der Freiheit der Kinder Gottes müssen wir nicht mehr mit den Wölfen heulen, in der Freiheit der Kinder Gottes müssen wir uns nicht mehr erpressen lassen, sondern können wirklich unserem Gewissen folgen, auch wenn uns das etwas kosten mag. Ein amerikanischer Quäker hat einmal gesagt: „Ein Christ ist dreierlei: voller Freude, ohne Angst – und immer in Schwierigkeiten." Das ist sehr überschwänglich. Ich würde nicht sagen, dass wir als Glaubende ohne Angst sind, sondern eher, dass wir uns von der Angst nicht mehr bestimmen lassen müssen. Aber wenn uns der Glaube in überhaupt keine Konflikte mit unserer Umwelt führt, dann dürfte irgendetwas nicht stimmen, dann sind wir nicht als Christen kenntlich. Dann schämen wir uns vielleicht sogar für unser Christsein und verstecken es.

Jesus war nicht erpressbar, und wer an ihn glaubte, war es ebenso wenig. Deshalb wurde Jesus verfolgt und umgebracht, deshalb musste er leiden. Er hat seine Botschaft von einem Gott, der so ganz anders ist, als wir das erwarten würden, bis zum Tod am Kreuz bezeugt, sie mit seinem Blut unterschrieben. So gibt er sein Leben für Gott und für die Menschen hin. Darin besteht die Vollendung seines Lebens und gleichzeitig seine Verherrlichung. Für immer lebt Jesus in der Herrlichkeit Gottes. Zu dieser Herrlichkeit sind auch wir berufen. Jesus will das ewige Leben, seine Gemeinschaft mit dem Vater, nicht ohne uns. Das Testament Jesu, sein Vermächtnis, die Botschaft seines Lebens. Wie schön wäre es, wenn sie auch die Botschaft unseres Leben sein könnte. Amen. 

Robert Deinhammer SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

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