1Kön 3,5-15 (Mt 13,44-46)

Die heutige Lesung ist für mich einer der schönsten Texte aus der Heiligen Schrift, genauer: aus dem Alten Testament,
aus dem 1. Buch der Könige.

Es geht um Salomo. Er ist der Sohn von David und Batseba – und er ist der dritte König von Israel, nach Saul und David.
40 Jahre hat er regiert, ab 970 vor Christus.
Bis heute sprechen wir von seiner großen Weisheit.
In Vorarlberg gibt es sogar den Spruch:
„Jemand ist gschider wie Salomos Katz."

Salomo - im Hebräischen heißt er Shlomo und im Arabischen Suleiman - Salomo hat einen Traum – und in diesem Traum erscheint ihm Gott.
Ein Traum in der Bibel ist mehr als ein flüchtiges Geschehen; im Traum fallen wichtige Entscheidungen.
Denken Sie nur an Josef, dem der Engel Gottes im Traum erscheint: er nimmt Maria zur Frau;
er flüchtet mit der heiligen Familie nach Ägypten.

Der Traum des Salomo beginnt wie ein Märchen.
Gott sagt zu Salomo: „Bitte, was ich dir geben soll!".
Das ist theologisch ein wichtiger Punkt: Gott spricht.
Das ist fundamental.
Gott zeigt sich, offenbart sich durch Sprache.
Ja, er schafft die ganze Welt durch sein Wort,
wie es im Schöpfungsbericht heißt:
„Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht."

Gott beginnt also das Gespräch, und Salomo lässt sich
darauf ein. Auch das ist für uns relevant.
Gott beginnt das Gespräch – und unsere Aufgabe ist es, unsere Empfangs-Antennen immer wieder neu einzustellen, damit wir das nicht überhören,
wenn Gott ein Gespräch mit uns anfangen möchte.

Salomo sagt drei Dinge: Zuerst erinnert er an seinen Vater David. Dann stellt er fest, dass er zwar König ist,
aber eigentlich vollkommen überfordert.
Und schließlich bittet er um ein hörendes Herz,
um das Volk zu regieren und zwischen Gut und Böse zu unterscheiden: „So gib deinem Knecht ein hörendes Herz."

Salomo ist jung, ist neu – und er hat einen großen Vorgänger.
Die Aufgabe als König ist übergroß,
und er hat wenig Erfahrung. Wie soll er damit umgehen?
Was kann er tun, damit er nicht überfordert wird?

Da bittet er eben um das hörende Herz.
Das ist wohl etwas für uns alle: dass wir uns ein hörendes Herz wünschen und erbitten, damit wir begreifen,
was in unserem Leben vorgeht – und um uns herum.

Der Traum des Salomo geht weiter. Gott freut sich über die Bitte Salomos – denn eigentlich hätte er anderes erwartet:
die Bitte um ein langes Leben, großen Reichtum
oder den Tod der Feinde.
Salomo bekommt also das hörende, weise, verständige Herz – und dazu noch das, was er nicht erbeten hat:
Reichtum, Ehre und langes Leben.

Und jetzt erwacht Salomo und merkt, dass es ein Traum war.
Er geht nach Jerusalem, feiert dort Gottesdienst und veranstaltet ein Fest für seine Mitarbeiter/innen.

Die Geschichte von Salomo geht dann noch weiter.
Gleich nach dieser Stelle von heute kommt das salomonische Urteil, ein echter Höhepunkt biblischer Erzählkunst. Alles im 1. Buch der Könige gut nachzulesen.

Mich faszinieren die Lebensgeschichten von Menschen,
ihre Biographien.
Vielleicht wollen Sie sich auch einmal einzelne biblische Personen genauer anschauen.
Zum Beispiel Moses oder David oder Maria Magdalena.

Derzeit bereite ich mich auf eine Predigt über den Seligen Otto Neururer vor. Das tue ich mit großer Freude ...
es ist für mich so, also ob ich einen Schatz im Acker finde,
so wie es heute im Evangelium heißt.

Guter Gott, ich bitte dich: Gib mir ein hörendes Herz.

Amen.

Christian Marte SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

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