Alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
Predigt zu Mt 22,1-14

Neulich war ich auf einer Hochzeit. Da war ein Strahlen im Gesicht der Braut, sagenhaft, und auch der Bräutigam war ganz außer sich vor Freude. Hochzeit, Inbegriff intensivsten Glücks: Man feiert die Erfahrung, geliebt zu werden und zu lieben. Ein Hochgefühl, keine Tief-Zeit, sondern eine Hoch-Zeit eben.

Jesus erläutert das Reich Gottes mit vielen Bildern und Vergleichen: Es ist wie ein Senfkorn, wie ein Sauerteig, wie ein verborgener Schatz im Acker, wie eine Perle. Und heute bringt er das Bild von der Hochzeit. Das Reich Gottes, Gottes Gegenwart ist wie eine Hochzeit. Es bedeutet intensives Glück, es bedeutet die Erfahrung, geliebt zu werden und zu lieben. Und Jesus wird nicht müde zu sagen: Es ist nahe, es ist irgendwie schon da, es ist mitten unter uns. Manchmal sind wir schon kurz eingetreten in diesen königlichen Hochzeitssaal, oder haben zumindest durchs Schlüsselloch geschaut und etwas vom Glanz und von der Freude geahnt, die uns da drinnen erwartet. Im Gebet, in der Meditation, in Exerzitien ist es passiert: wenn ich mich vergessen kann, mich hineinfallen lassen kann in Gottes Hände, in die Erfahrung von ihm geliebt zu werden und zu lieben. Dies ist für mich heute die wichtigste Botschaft: Gott hat die Faszination einer Hochzeit.

Aber Jesu Gleichnis hat noch mehr auf Lager. Da kommen verschiedene Personen vor, und ich finde mich manchmal in der einen oder anderen wieder.

(1) Manchmal bin ich der Mensch, der zwar zur Hochzeit eingeladen ist, aber nicht hingeht. Ich weiß, Gott ist nur ein Gebet weit von mir entfernt, aber ich finde Ausreden: „Ich habe noch so viel zu tun. Ich muss mein Buch schreiben. Ich muss die E-Mails beantworten. Ich muss meinen neuen Computer ausprobieren. Ich möchte noch im Netz surfen. Außerdem bin ich schon zu müde, und dann bringt es eh nichts mehr. Kurz: Ich habe einfach keine Zeit."

(2) Manchmal bin ich wie der Mensch, der zwar zur Hochzeit hingeht, aber kein passendes hochzeitliches Gewand anhat. Dieses Gewand in Gold, Grün und Rot, dieser Habitus des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe erscheint dann wie weg. Stattdessen zeigen sich die Neigungen zu Misstrauen, Hoffnungslosigkeit und Hass in mir: Stimmungen, die Ignatius von Loyola „Misstrost" nennt. Das ist die Erfahrung der Finsternis, des In-Sich-Verschlossen-Seins, des Zähneklapperns, der Angst. Dies weckt die Sehnsucht, wieder das Gewand Christi anzuziehen, die Sehnsucht nach neuem Vertrauen, und diese Sehnsucht danach ist schon ein Beginn davon.

(3) Manchmal schließlich bin ich wie einer, der zur Hochzeit einlädt: einer, der an den Wegen der Menschen steht, an ihren Wegkreuzungen und an ihren Kreuzwegen; einer der nicht müde wird, in Freud und Leid Zugänge zur Erfahrung der faszinierenden und letztlich beglückenden Gegenwart Gottes zu eröffnen. Beim letzten Theo-Tag im Haus der Begegnung, zum Beispiel, habe ich für Schülerinnen und Schüler Meditationen in der Kapelle angeboten. Sie sind gekommen, sie sind meiner Anleitung gefolgt, sie haben sich auf die Meditation eingelassen, und in der Austauschrunde war ich erstaunt von ihnen zu hören, wie wohltuend, wie friedvoll sie es erlebt haben: dieses Hineinhorchen in die Gegenwart Gottes, dieses Eintreten in das stille Glück des Hochzeitssaals. Ja, am liebsten möchte ich so ein Hochzeitlader sein, der voll Freude sagen kann: „Alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!"

Bruno Niederbacher SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

Adresse

Karl-Rahner-Platz 2
6020 Innsbruck
+43 512 5346-0

Kontoverbindung: Jesuitenkolleg Innsbruck
Raiffeisen Landesbank Tirol
IBAN: AT35 3600 0000 0350 5500

Jesuit werden

Wir sind Ordensleute aus Leidenschaft für Gott und die Menschen.

mehr dazu

Suche

Jesuiten-Logo

Jesuitenkirche Innsbruck •

powered by webEdition CMS