Predigt vom 8. November 2020 zum Nachlesen

von Robert Deinhammer SJ

Symbol

Weish 6,12-16; Mt 25,1-13

Manchmal ist es einfach zu spät. Eine einmalige Chance wurde übersehen und ist nun endgültig dahin. Eine Möglichkeit wurde ausgelassen und wird nicht wiederkommen. Ein schlimmer Fehler kann nicht wiedergutgemacht werden und belastet unser Gewissen. Ein Lebensplan ist gescheitert, eine Beziehung zerbrochen, ein lieber Mensch gestorben, ohne dass man sich verabschieden konnte. Wir alle kennen solche Erfahrungen. In ihnen zeigt sich, dass das Leben kein unverbindliches Spiel ist. Wir müssen unser Leben bewusst führen und gestalten, wir müssen Entscheidungen treffen und uns Ziele setzen. Aber diese Ziele stellen sich nicht von selbst ein und können auch verfehlt werden. Und wir haben nicht viel Zeit. Unser Leben wird nicht nur enden, es kann auch gelingen oder misslingen, zumindest in bestimmten Bereichen.

Kann unser Leben auch im Letzten misslingen, endgültig scheitern? Im Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen hat es zumindest den Anschein. Das Zusammensein mit dem Bräutigam im Hochzeitssaal ist die Erfüllung des Menschen, sein Heil. Es ist ein Bild für die vollendete Gemeinschaft mit Gott. Aber für die törichten Jungfrauen ist es zu spät, sie werden nicht in den Hochzeitssaal eingelassen, sie bleiben ausgeschlossen vom Heil. Jesus sagt zu ihnen: Ich kenne euch nicht. Die fröhliche Grundstimmung, es geht ja um eine Hochzeitsfeier, erhält eine harte und bittere Note. Die törichten Jungfrauen waren zu sorglos und unaufmerksam, ihnen ist das Öl in ihren Lampen ausgegangen. Das Öl steht wohl für die Gnade und Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt wird. Ohne dieses Öl kann das Glaubenslicht nicht brennen, ohne dieses Öl bleibt man in der Finsternis. Ohne dieses Öl kann man keine Gemeinschaft mit Gott haben.

Im Neuen Testament gibt es zahlreiche Höllendrohungen. Es gibt aber auch viele Stellen, in denen von einer schlussendlichen Allversöhnung die Rede ist, sodass Gottes Liebe das letzte Wort haben wird. Wie kann man das miteinander vereinbaren? Was ist umfassender? Im christlichen Glauben geht es um die Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Gott ist der Schöpfer der ganzen Wirklichkeit, nichts kann ohne ihn sein, und er ist größer als alles, was wir uns vorstellen können. Er wohnt im unzugänglichen Licht, von der Welt her gibt es keinen Weg zu Gott. Aber Jesus verkündigt uns die Nähe dieses Gottes. Jesus bezeugt mit seinem Leben und Sterben, dass Gott uns mit unendlicher Liebe zugewandt ist, dass wir hineingenommen werden in eine Liebe zwischen Gott und Gott, in die ewige Liebe des Vaters zum Sohn, die der Heilige Geist ist. Nur so ist Gemeinschaft mit Gott möglich, indem wir Anteil erhalten am Verhältnis Jesu zum Vater. Dagegen kommt keine Macht der Welt an, nicht einmal der Tod. Aber dieses Geborgensein in der Liebe Gottes erfassen wir nur im Glauben an die christliche Botschaft, weil man es nicht an der Welt oder am eigenen Wohlbefinden einfach ablesen kann.

Wenn man nur auf die Welt schaut, ohne Glauben, dann bleibt Gott verborgen und abwesend, dann ist von seiner Liebe nichts zu erkennen. Außerhalb des Glaubens betrachtet wird die ganze Welt zu einem Gleichnis der Hölle, weil Tod und Vergänglichkeit immer das letzte Wort haben und keine noch so gute Erfahrung dagegen ankommt. Wer also die christliche Botschaft ablehnt und sich Gottes Liebe nicht im Glauben gesagt sein lässt, der hat von seinem Standpunkt aus auch keinen Grund zur Hoffnung. Und eine solche Hoffnungslosigkeit wirkt sich unheilvoll im Leben aus, weil man dann irgendwelche Dinge in der Welt vergöttert und in der Angst um sich selbst gefangen ist, auch wenn man sich im Alltag scheinbar hochanständig verhält. Man klammert sich um jeden Preis an irgendetwas in der Welt. Solche Weltvergötterung führt zwangsläufig in eine abgrundtiefe Verzweiflung an der Welt. Spätestens mit dem Tod erweisen sich alle Götzen als unzuverlässig. Die Höllendrohungen im Neuen Testament weisen darauf hin, dass alle Versuche, sich selber durch irgendwelche Formen von Weltvergötterung zu sichern, letztlich uns für immer heillos bleiben.

Vom Glauben aus gesehen kommt es zu einem Vorzeichenwechsel. Die Welt wird zu einem Gleichnis der Gemeinschaft mit Gott, Tod und Vergänglichkeit haben nicht mehr das letzte Wort. Glaubende können aus einem letzten Vertrauen leben, sie leben bereits hier und jetzt aus der Gemeinschaft mit Gott uns stehen damit auch nicht mehr unter der Knechtschaft der Angst um sich selbst. Und Glaubende haben Hoffnung nicht nur für sich, sondern für alle Menschen, auch für solche, die von ihrem eigenen Standpunkt aus gesehen keine Hoffnung haben können. Wenn der in allem mächtige Gott das Heil aller Menschen will, dann wird er sich mit diesem Willen schließlich durchsetzen, auch ohne die Freiheit des Menschen zu vergewaltigen.

Von uns aus würden wir vielleicht denken: Die einen kommen in den Himmel, und die anderen in die Hölle, je nach ihrer Leistung. Aber die Wahrheit des christlichen Glaubens ist: Niemand kann durch eigene Leistung in den Himmel kommen, Gemeinschaft mit Gott ist nur möglich als Gnade, indem wir von vornherein in die Liebe des Vaters zum Sohn hineingeschaffen sind und dies durch die Botschaft Jesu offenbar wird. Deshalb kann Paulus in Röm 11,32 sagen: „Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen." Das ist die Weisheit Gottes, die alle weltliche Weisheit übertrifft, und die in Jesus Christus Fleisch geworden ist und Gestalt angenommen hat. Als Christen und Christinnen, als Glaubende, werden auch wir von dieser Weisheit erfüllt und dürfen sie anderen mitteilen.

Was will uns also das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen sagen? Zunächst dies: Wir sollen klug sein und nicht töricht. Wir sollen aufmerksam leben und die Zeit gut nützen. Ignatius von Loyola hat einmal gemeint: „Eine aufmerksame Handlung ist mehr wert als tausend nachlässige." Ein aufmerksamer Mensch ist auch ein liebevoller Mensch. Lieblosigkeit wurzelt oft in Unaufmerksamkeit und Achtlosigkeit. Und dann: Achten wir auf unseren Glauben, pflegen wir ihn, damit wir nicht vergessen, was uns geschenkt ist! Wir dürfen uns in jeder Situation an Jesus Christus halten, immer wieder neu zu ihm umkehren, ihm entgegengehen, auf sein Wort vertrauen, gerade dann, wenn alles hoffnungslos erscheint. Denn als Glaubende haben wir eine Hoffnung, die über diese Welt unendlich hinausgeht und die niemanden ausschließt. Gottes Liebe hat immer das letzte Wort, er wird alles zu einer Vollendung führen, die unser Begreifen übersteigt. Mit Paulus: „Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen." Amen.

Robert Deinhammer SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

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