Impuls zum Gebet für kranke Menschen am 6. November 2020

von Claudia Müllner

Symbol

Evangelium nach Lukas, Lk 16, 1-8

Ich habe lange über das Evangelium nachgedacht.

Zu Beginn tat ich mich mit dieser Textstelle schwer. Doch kennt ihr solche Momente, so Tage, an denen man glaubt, alles geht schief, es entgleitet dir und plötzlich aus heiterem Himmel schenkt dir jemand ein Lächeln oder einen netten Satz und der Tag scheint wie verwandelt zu sein?

So ist es mir jetzt einmal gegangen. Ich hatte am Vortag meiner neuen Arbeitskollegin eine Nachricht zum Geburtstag geschickt. Der nächste Tag war wie verflixt. In der Früh schüttete ich Kaffee in die Tasse und als ich zum Tisch gehen wollte brach der Henkel und der ganze gute Kaffee – der mir jeden Morgen rettet – war am Boden verschüttet, der Bus fuhr mir vor der Nase weg,...

So ging der Tag weiter, bis ich eine nette Nachricht auf meinem Handy entdeckte. Sie war von meiner neuen Arbeitskollegin und zauberte somit sofort ein Lächeln auf meine Lippen: „Vielen Dank für deine lieben Glückwünsche! Ich hätte gar nicht erwartet, dass du weißt, wann ich Geburtstag habe und freue mich natürlich über so liebe Zeichen! Ich bin immer wieder berührt von dem außerordentlich aufmerksamen und sensiblen Miteinander und der Herzlichkeit, die ich im Kreise der KlinikseelsorgerInnen erleben darf."

Nun, was hat dies mit dem Evangelium zu tun? Ganz einfach: wenn mir etwas geschenkt wird – sei es auch ein Lächeln einer mir fremden Person – kann es vieles ändern.
Dieser Verwalter änderte das Leben von vielen, bevor er seinen Job verlor. Es geht nicht darum, was er später von ihnen zurückverlangen kann, aber darum, dass das Leben ein Stück besser wurde.

Ich möchte hier nicht zu solchen Taten aufrufen, sondern aufzeigen, dass mit einem Lächeln oder einem netten Wort jeder von uns die Welt des anderen verändern kann. Sei es auch nur für einen Augenblick. Aber das ist mehr wert als vieles andere.

Ich versuche – und das gelingt mir nicht immer – so einen Moment ins Krankenzimmer zu bringen. Natürlich gehören dabei immer zwei dazu und die Chemie muss passen. Wenn so ein Augenblick gelingt, dann bleibt die Welt kurz stehen und der Augenblick ist ein Geschenk, das den Tag verändern kann. In dem Moment spüre ich, mich kann gerade nichts mehr umhauen und ich fühle mich stark und geborgen.

Bei unserer Kapellenrunde, schauen wir auch kurz ins Anliegenbuch. Ein Beitrag ist mir ins Auge gesprungen und hat mich berührt. Ich denke, eine Dame hat genau diesen Moment gespürt und danach Gott gedankt:

„Danke, dass ich meine Tochter sehen durfte. Danke, es ist so schön, dass wir uns wieder nähern. Danke :) "

Ich möchte euch einladen, die nächste Woche mit offenen Augen solchen Augenblicke zu begegnen.

Claudia Müllner, Klinikseelsorge

 


 Bild: Rawpixel über unsplash.com

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