Predigt vom 20. Dezember 2020 zum Nachlesen

von Robert Deinhammer SJ

Symbol

Predigt zum 4. Sonntag im Advent

Lesungen: Röm 16,25-27; Lk 1,16-35

Freuen Sie sich schon auf Weihnachten? Das Warten geht jetzt langsam zu Ende. In ein paar Tagen ist es wieder so weit, dieses Mal unter ganz besonderen Umständen: Weihnachten unter Corona-Bedingungen. Und der nächste Lockdown steht schon vor der Tür. Das ist alles nicht sehr erfreulich, aber vielleicht kann es uns ja sogar helfen, wieder mehr das Wesentliche zu sehen, unseren Glauben zu vertiefen. An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu. Jeder Mensch hat einen Geburtstag, den man feiern kann, aber dieser eine Geburtstag ist doch etwas ganz besonderes. Wer ist denn Jesus? Ist er ein begnadeter Mensch, der uns eine Botschaft Gottes bringt, ein großer Prophet? Ist er ein Sozialrevolutionär, der die herrschenden Zustände anprangert und für die Armen kämpft? Oder ist er vielleicht ein Weisheitslehrer, der uns den Sinn des Lebens vor Augen führen kann? Ist Jesus einfach ein Religionsgründer, der auf einer Stufe mit Buddha und Mohammed steht? Nein, Jesus sprengt alle diese Kategorien, man kann ihn nicht in die mitgebrachten Schubladen einordnen.

Wir Christen glauben etwas ganz Unerhörtes, wir glauben, dass Jesus als der Sohn Gottes wahrer Mensch und wahrer Gott ist, kein Mischwesen, kein Halbgott, sondern 100% menschlich, in allem uns gleich, außer der Sünde, und 100% göttlich. Wir glauben an die Menschwerdung des Sohnes, an die Inkarnation der zweiten göttlichen Person der Dreifaltigkeit in Jesus von Nazareth. Der unbegreifbare Schöpfer des Himmels und der Erde, ohne den nichts sein kann, dieser Gott geht in unsere Geschichte ein, nimmt unser schwaches, vergängliches Fleisch an und verbindet sich mit uns, damit wir göttliches Leben haben können. Das ist das Zentrum des Christentums. Darum geht es bei Weihnachten, darum geht es auch im heutigen Evangelium.

Lukas führt uns die Verkündigung Mariens vor Augen, die Evangelisierung der Gottesmutter sozusagen. Maria, eine einfache Jungfrau, sagt „Ja" zur Botschaft des Engels und empfängt vom Heiligen Geist, sie empfängt den menschgewordenen Sohn Gottes und bringt ihn dann zur Welt. Die Jungfrauengeburt will aber nicht gynäkologisch, sondern theologisch verstanden werden. Sie bedeutet: Die Gottessohnschaft Jesu ist nicht aus irdischen Bedingungen ableitbar, sie stellt ein Wunder im strengen Sinn dar, dem man nur im Glauben gerecht werden kann. Da geschieht etwas Unausdenkbares, völlig Unerwartbares, etwas völlig Neues, ein ganz neuer Anfang von Gott her. Dass Jesus Gottes Sohn ist, das kann man nicht durch die Vernunft erkennen, das muss man sich durch das Wort Gottes gesagt sein lassen.

Aber wie soll man die Menschwerdung Gottes verstehen? Ist das nicht reine Mythologie? Wie kann der ewige, unveränderliche Gott ein Mensch werden? Für fromme Juden und Moslems ist der Gedanke einer Menschwerdung Gottes geradezu gotteslästerlich, für die Weisen und Klugen dieser Welt einfach nur Unsinn. Es wäre gut, wenn wir uns nicht nur zu Weihnachten, sondern immer wieder neu bewusst machen, wie anstößig die christliche Botschaft eigentlich ist. Sie sprengt unser mitgebrachtes Vorverständnis, sie übersteigt unsere Vernunft. Aber sie ist nicht unvernünftig oder logisch widersprüchlich, kein unverständliches Rätsel. Die Menschwerdung des Sohnes bedeutet, dass der Mensch Jesus vom ersten Augenblick seiner Existenz an aufgenommen ist in die Beziehung der göttlichen Wirklichkeit zu sich selbst, die wir den „Sohn" nennen. Die menschliche Natur Jesu ist also hineingeschaffen in eine Selbstpräsenz Gottes, die Mensch und Gott vereinigt: Zwei Naturen in einer Person. Nach dem Konzil von Chalzedon (451) sind Menschsein und Gottsein in Jesu weder miteinander vermischt noch voneinander getrennt, sondern voneinander verschieden, aber gleichzeitig untrennbar miteinander verbunden.

Jesus ist von Ewigkeit her vom Vater geliebt, mit göttlicher Liebe. Gerade das macht sein Personsein aus. Und Jesus ist der Sohn Gottes auch für uns, für die ganze Welt. Die Botschaft des Menschgewordenen ist, dass wir im Glauben an seinem Verhältnis zum Vater teilhaben. Das ist das Geheimnis, das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war, und das durch Jesus Christus offenbar wird, das Geheimnis von dem Paulus im Römerbrief spricht. Wir werden hineingenommen in die Liebe des Vaters zum Sohn, wir werden erfüllt vom Heiligen Geist. Nur so ist Gemeinschaft mit dem unendlichen Gott möglich. In dieser Gemeinschaft mit Gott besteht unsere Erlösung. Wenn man sich fragt, wen Gott mehr liebt, Jesus Christus als seinen eigenen Sohn oder die anderen Menschen, dann müssten wir antworten: Gott hat gar keine andere Liebe als die eine, ewige und unbedingte, in der er seinem eigenen Sohn zugewandt ist; und diese Liebe gilt auch jedem einzelnen von uns. Darauf ist im Leben und im Sterben Verlass, nichts kann uns mehr von Gott trennen.

Gott geht in unsere Geschichte ein, er nimmt unser schwaches, vergängliches Fleisch an und verbindet sich mit uns, damit wir göttliches Leben haben können. Alles Mutmaßen und Herumraten über Gott hat nun ein Ende. Gott spricht sein Wort zu uns, er selber kommt zu uns in seinem Wort. Wir haben allen Grund zur Freude. Aber Gott kommt anders als man sich das vielleicht erwartet hätte. Er kommt in ganz unscheinbarer Weise, geboren von einer einfachen jungen Frau, er liegt als kleines Kind in einer Krippe, umgeben von Ochs und Esel. Keine Königstochter, kein Palast, nichts Grandioses, die Herrlichkeit ist nur für den Glauben erkennbar. Gott bittet, dass auch wir ihn aufnehmen, dass wir ihm Glauben schenken, dass wir uns von ihm beschenken lassen, wie Maria. Nicht nur die Gottesmutter, jeder Mensch bringt Christus zur Welt, indem er Gottes Wort empfängt und weitergibt, weiterschenkt. Denn Christus ist das menschgewordene Wort Gottes.

Ich wünsche uns allen gesegnete und frohe Weihnachten!

Robert Deinhammer SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck

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