Predigt zum Palmsonntag

von P. Bruno Niederbacher SJ

Symbol

Predigt zum Palmsonntag
in Form eines Gebets

Herr Jesus Christus, wir denken an deinen Einzug in Jerusalem. Er zeigt, wie du uns Menschen entgegenkommst, immer schon, von Anfang an:
- nicht in der goldenen Wiege, sondern in der Futterkrippe;
- nicht wie der reißende Wolf, sondern wie das gewaltlose Lamm;
- nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel;
- nicht in exquisiten Speisen, sondern im einfachen Brot;
- nicht nur im Glanz, im Glück, im Erfolg, sondern auch in Enttäuschungen und Tränen, im Schrei der Gottverlassenheit und im bitteren Tod.

So kommst du uns entgegen: einfach, menschlich, sanft, ja, verwundbar. Das ist mir immer wieder aufgefallen, besonders beim Meditieren in Exerzitien.
Auch Ignatius von Loyola ist es aufgefallen, und er bittet darum, die unendliche Sanftheit der Gottheit schmecken zu dürfen (EB 124). Es gibt keinen Grund, vor dir Angst zu haben. Sanft willst du in mein Herz eintreten, mit Ehrfurcht, wie in ein Heiligtum. Damit ich in Freiheit die Tür meines Herzens für dich öffnen kann. Damit ich dir die Herzkammern aufschließen kann:
- das helle, schöne Wohnzimmer, das ich gerne herzeige,
- aber auch die Abstellkammer mit dem Gerümpel vergangener Erlebnisse
- und den Keller, wo die Gefangenen meiner Seele hausen: Enttäuschungen, Verwundungen, Trauer, Ängste, Misstrauen, meine Armseligkeiten, Schuldgefühle und Sünden...

Weil du mir so einfach, menschlich, sanft, ja verwundbar entgegenkommst, öffnet sich mein Herz. Ich breite die Kleider meines Glaubens aus und empfange dich mit Blumen der Liebe und Liedern der Hoffnung: „Hosianna"! „Bring doch Hilfe!" Damals gingst du in den Tempel und sahst dir alles an, wie es im Evangelium heißt. Heute kommst du zu uns, zu mir, in den Tempel meines Herzens. Sieh dir alles an! Wie es im Hymnus heißt: Sieh uns an und heile uns durch deinen Blick. Dein Blick löscht Fehl und Sünde aus, in Tränen löst sich unsre Schuld. Ja, sieh dir ruhig alles an und halte in jeden Winkel meines Herzens Einzug mit deiner Gnade, deinem Licht und deinem Frieden. Amen.
Im Anschluss folgen einige Strophen eines Liedes von Paul Gerhardt:

1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.
2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.
4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut, das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.
5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.

 

P. Bruno Niederbacher SJ

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