Predigt zum Nachlesen-Gründonnerstag

von P. Bruno Niederbacher SJ

Symbol

Predigt am Gründonnerstag 2021

Gründonnerstag: Jesus bringt uns das Geheimnis seines Lebens, seines Leidens und seines Sterbens nahe: mit den Zeichen von Brot und Wein und mit dem Zeichen der Fußwaschung.

1. Unter welchen Umständen tut er dies? Man möchte meinen, so etwas solle an einem idealen Zeitpunkt geschehen, wenn Harmonie und Frieden herrschen, wenn die Seinen bereit sind. Doch so ist es nicht. Es ist vielmehr die Nacht vor Jesu Leiden. Menschen, die lange mit ihm unterwegs waren, haben ihn verlassen. Die engsten Freunde verstehen ihn nicht. Gerade jetzt brechen sie einen unschönen Streit vom Zaun, wer unter ihnen der Größte sei. Der Verrat ist schon im Laufen. Das ist wahrlich keine Idylle. Und gerade in dieser Situation deutet Jesus sein Leben, seine Mission mit den Zeichen von Brot und Wein, mit dem Zeichen der Fußwaschung.
Wir feiern heute diese großen Zeichen. Unter welchen Umständen tun wir es? Es ist wahrlich keine Idylle: die Pandemie, die menschenunwürdigen Flüchtlingslager, die Rang- und Richtungsstreitereien in der Kirche, die persönlichen Verzagtheiten und Ängste... Und gerade da vollziehen wir die großen Zeichen, die Jesus uns geschenkt hat.

2. Da sind zuerst die Zeichen von Brot und Wein: Gerade darin will Jesus unter uns gegenwärtig sein. Im Grundnahrungsmittel Brot und im Trank der gekelterten Trauben. Brot ernährt, Wein erfreut. So will er sich selbst verstanden wissen, so will er sein Leben verstanden wissen, so will er bei uns sein: als jemand, der uns nährt und erfreut. Es gibt sie: Menschen, die wie Nahrung sind, Menschen, die uns inspirieren, Menschen, die bei uns ein Echo auslösen, sodass wir sagen: Ja, so wie du möchte ich auch gerne sein. Jesus inspiriert seit 2000 Jahren:
• Mit seinen faszinierenden Bildern von Gott als barmherzigen Vater, der seinem Kind entgegenläuft, es umarmt und küsst; von Gott als Frau, die das ganze Haus auf den Kopf stellt, um die verlorene Drachme wiederzufinden; von Gott als Schatz, den wir entdecken können.
• Mit seiner Art, den Menschen zu begegnen: Sie erlebten ihn äußerst wohltuend. Er hat sie nicht benutzt oder manipuliert oder niedergemacht. In seiner Gegenwart wurden sie jemand. Durch ihn fühlten sie sich aufgerichtet und groß.
• Mit seiner Spiritualität, seiner Gottverbundenheit, seiner Beziehung zum Abba, Vater, seiner Fähigkeit zum Verzeihen bis zuletzt.
So sagt uns Jesus heute: „Nehmt und esst und trinkt! Mein Leib, mein Blut, mein Leben für euch! Nährt euch daran, berauscht euch daran, nehmt mich auf und lasst euch verwandeln in mein Bild, sodass auch ihr andere nährt und erfreut mit eurem Leben!"

3. Und schließlich das Zeichen der Fußwaschung. Füße können wahre Geschichten über das Leben erzählen. Im Noviziat war ich zwei Monate lang Hilfspfleger in einem Krankenhaus. Da habe ich viele Füße zu Gesicht bekommen: die grauen Füße der Raucher, die geschwollen blauen Füße der Herzkranken, die verbogenen Füße älterer Frauen. Da waren gestrauchelte und gebrochene Füße; die Füße, über die andere gestolpert sind; die Narben alter Verletzungen. Unsere Füße tragen die Spuren der Wege, die sie gegangen sind. Durch die Füße sind wir mit der Erde in Kontakt. Sie sind gezeichnet vom Schmutz der Welt. Wir möchten Jesus gerne unsere schönen Seiten zeigen: unser Gesicht, unsere Hände, unser Gebet, unsere Hingabe. Und das ist recht so. Aber heute sagt er: „Zeige mir deine Füße! Zeige mir die Blasen deiner Eitelkeit, die Wunden deiner Verbissenheit, die Abschürfungen deiner Missgunst, die Hornhaut deiner Hartherzigkeit, die Klüfte deines Unglaubens! Zeige mir heute deine Füße und lass mein erlösendes Handeln an dir geschehen!"

 

P. Bruno Niederbacher SJ

 


 

Bild: P. Bruno Niederbacher SJ

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