Osternacht

Predigt zum Nachlesen von Christian Marte SJ

Symbol

Osternacht
Mk 16,1-7

Bischof Reinhold Stecher hat in einer Osterpredigt erzählt,
dass er als Religionslehrer den Kindern im Lauf des Schuljahres die ganze Geschichte von Jesus erzählt hat,
von Bethlehem angefangen, über die Heilungen,
das Leid, das Kreuz und die Auferstehung und die Himmelfahrt.
Dann hat er am Jahresende gefragt,
was ihnen denn an all dem am besten gefallen hat.
Da ist ein kleiner Bub aufgestanden und hat strahlend gesagt:
dass alles gut ausgeht!

Dass alles gut ausgeht: das ist eine Kurzformel für Ostern,
ja eine Kurzformel für unseren christlichen Glauben insgesamt.

Als Erwachsene sind wir da ja ein bisschen skeptisch.
Wir kennen die Schwierigkeiten des Lebens.
Weil wir schon einiges erlebt haben, sind wir eher so wie die Frauen, die zum Grab kommen. Wir machen uns Sorgen: „Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?"

Die Frauen am Grab haben gute Gründe für ihre Sorgen.
Sie sehen die Wirklichkeit, den Stein, das leere Grab.
Und wir sehen das alles auch in unserem Leben,
in unserem Land.
Wir sind als Christinnen und Christen nicht naiv.

Aber unser Blick bleibt nicht dort.
Wir wissen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Er ist nur ein Durchgang zur Auferstehung.
Dafür steht Ostern.
Die Welt so zu sehen, mit diesem Blick,
das zeichnet uns Christen aus.
Es ist die innere Haltung der Zuversicht.

Als die Frauen im dunklen Grab drinnen waren,
da haben sie sich sagen lassen: Erschreckt nicht!
Geht! Jesus geht euch voraus!
Und uns ist das genauso gesagt.

Ja, wir haben auch bei uns Getauften Unglückspropheten.
Und manchmal sind wir selbst in der Versuchung,
auch so zu denken: wir konzentrieren uns auf das Negative,
das sich in unserer Seele vordrängt.

Vom Glauben her müssen wir hier deutlich widersprechen.
Wer nur das sieht, was nicht funktioniert,
wer nur andere kritisiert,
wer als Medienkonsument, Leserbriefschreiber oder Journalist einstimmt in die Anfeindungen von Politikerinnen und Politikern, mit Besserwisserei und täglicher Empörung,
dem wollen wir entgegentreten,
im privaten Rahmen und auch öffentlich wie jetzt.

In der Zuversicht zu leben, dass alles gut ausgeht:
das ist für uns Christen eine innere Einstellung,
ein Habitus, eine Mentalität.

Wir haben sie gelernt von unseren Eltern –
und von unseren Religionslehrerinnen, die uns mit den Geschichten der Heiligen Schrift vertraut gemacht haben.
Es ist eben mehr als Optimismus. Unsere Zuversicht ist begründete Hoffnung, weil wir wissen, dass Gott mit uns geht,
ja: uns vorausgeht: in guten wie in schwierigen Tagen.

Diesen Deutungsrahmen der Wirklichkeit
sollen wir uns nicht nehmen lassen.
Die Lesungen zeigen uns die Spur:
Gott erschafft die Welt – und sieht: es war sehr gut.
Die Israeliten fliehen aus Ägypten –
und ziehen auf trockenem Boden durch das Meer.
Bei Jesaja sind die Menschen durstig und haben kein Geld:
sie können zu Gott kommen
und erhalten das Wesentliche fürs Leben geschenkt.
Paulus möchte,
dass wir „in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln."

Es geht um diesen österlichen Blick, so wie bei den Frauen,
die zum Grab kommen: „doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß".

Das Gute sehen wollen, die Freundlichkeit der Menschen
um mich herum, den guten Willen so vieler:
das möge uns alles ein Zeichen sein für die Auferstehung von den Toten: der Tod ist nur ein Durchgang.

Wenn das schon die Schulkinder wissen,
dann können wir als Erwachsene das doch auch:
darauf vertrauen: dass alles gut ausgeht!

Amen.

 

Christian Marte SJ, Jesuitenkolleg Innsbruck


Bild: chuttersnap-rLm4Wq96h_0-unsplash

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