Gottesbilder: Gott ist wie Saharastaub ...

Predigt zum Nachlesen von P. Thomas Hollweck SJ

Symbol

20. März, 3. Fastensonntag (Ex 3,1ff)

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Wir sprechen von Gott meist in Bildern. Anders ist es auch schwierig, von Gott zu sprechen. Gott ist Quelle des Lebens. Er ist ein Weinbergbesitzer, der sich um seinen Weinberg kümmert. Mose findet Gott im brennenden Dornbusch. Jesus sagt: Ich bin die Tür. Der Weg. Der gute Hirt. Der Eckstein. – Ich lege noch ein Bild dazu: Diese Woche gab es viel Saharastaub in der Luft. Und ich wage dieses Bild: Gott ist wie Saharastaub.

Insgesamt transportieren die Luftströmungen über ein Jahr verteilt etwa 500 Millionen Tonnen Saharastaub über den Erdball (vgl. Wikipedia, Artikel über Saharastaub). Gigantisch. Unvorstellbar. Immer ist Saharastaub in der Luft. Manchmal so viel, dass der Himmel eine andere Farbe bekommt und wir es merken.

Wir haben die Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch gehört. Gott ist immer gegenwärtig. Aber hier merkt es Mose. Und er hört zwei Namen, die Gott ihm nennt. Zwei Beschreibungen. Zwei Zugänge. Und ich würde sie gern in meine Worte übersetzen. Es geht um die Frage: Wie finde ich Gott? Besser noch: Wie finde ich dich, Gott?

Der erste Zugang: Der jetzige Augenblick. Die Gegenwart im jetzigen Augenblick.

Ein weiser Mensch sagte einmal: "Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich schlafe, dann schlafe ich; wenn ich esse, dann esse ich; wenn ich trinke, dann trinke ich; wenn ich schweige, dann schweige ich; wenn ich schaue, dann schaue ich; wenn ich lese, dann lese ich; wenn ich arbeite, dann arbeite ich; wenn ich bete, dann bete ich ..." (Zitiert nach Bertram MEIER, Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen. Eine kleine Theologie der Haltungen, Augsburg 2006, S. 11)

Das ist gar nicht so einfach: Unser Gehirn kann so gut denken: an das, was ich gestern noch erledigen wollte, an das, was morgen zu tun ist, an den Ärger von letzter Woche und an den nächsten Urlaub. Wenn doch schon Osterferien wären. Was manche auch gut können: Dem Konflikt, der da ist, aus dem Weg gehen. Den Schmerz übergehen. Die Chance zur Versöhnung verpassen. Einfach gegenwärtig sein, im gegenwärtigen Augenblick zu leben, ist nicht so leicht.

Wenn ich mich hinsetzte, um einen Text der Heiligen Schrift zu lesen und zu betrachten, fange ich mit dem Körper an, meine Beine spüren, meinen Atem spüren, ein paar Minuten. Um gegenwärtig zu werden. Wir können nicht unsere Beine von Gestern spüren. Wir können nicht den Vogelgesang von morgen hören. Wenn wir wahrnehmen, spüren, hören, fühlen, dann sind wir gegenwärtig.

Mose zieht seine Schuhe aus. Er spürt den Boden, er spürt die Wirklichkeit, er ist ganz gegenwärtig. Er sieht wirklich diesen Dornbusch. Aber er spürt und sieht viel mehr. Er ist in einer Weise gegenwärtig, dass er Gott ahnen, Gott glauben kann. Dass er Gott hören kann und sagen hört: „Ich bin der Ich-bin-da. Ich bin da. Bei dir. Jetzt. In diesem Augenblick."

Mein kleines persönliches Dogma: „Wenn Gott da ist und wenn ich selber ganz da bin in diesem Augenblick, dann könnte es sein, dass wir uns begegnen." – Wir dürfen dem gegenwärtigen Augenblick trauen. Einfach ganz gegenwärtig sein. Gott ist schon da. Ich wünsche uns allen solche gegenwärtigen, gesegneten Augenblicke.

Die Dornbuschgeschichte nennt uns einen zweiten Zugang. Das eine ist der Augenblick. Das andere ist die Geschichte. Ein Prozess. Entwicklung.

„Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs." – Hier werden Generationen benannt, Geschichte, Zusammenhänge. Ich lebe in diesem Augenblick und zugleich steht mein Leben in einem größeren Kontext: Meine Familie. Meine Eltern und Großeltern, meine Ahnen. Auch meinen Glauben habe ich nicht selbst erfunden, sondern von anderen bekommen. Die Kultur, in die ich hineingeboren bin. Ich kann zurückschauen auf mein Leben, auf schwierige Stunden, auf glückliche Momente. Ich kann die Entscheidungen sehen, die ich getroffen habe (falsche und hoffentlich viele richtige), die Wege, die ich selber bewusst gegangen bin. Dinge, die mir auferlegt wurden, und wie ich damit umgegangen bin. Und da hinein kann ich hören: „Ich bin der Gott, der durch alle Generationen und in der Geschichte deines Lebens gegenwärtig ist. So wie auch immer dein Weg verlaufen ist, mit all dem, was du akzeptieren kannst, mit all dem, was du noch nicht akzeptieren kannst, auch mit all dem, was du vielleicht nie akzeptieren wirst können. In deinem Leben, das lange schon begonnen hat und weiter geht, bis es ganz bei mir aufgehoben ist, da bin ich gegenwärtig bei dir."

Experten sagen, dass es zum Beispiel den tropischen Regenwald im Amazonasgebiet in Südamerika in dieser Form nicht geben würde. Saharastaub ist reich an Mineralien, die dort im Amazonasgebiet fehlen. – Jahr für Jahr. Durch Jahrzehnte und Jahrhunderte wirbelt Luft Saharastaub auf, trägt ihn über die Erde und macht diese Erde fruchtbarer, so dass etwas wachsen und werden kann. Vielleicht ist das auch ein Bild für das geduldige und treue Wirken Gottes in unserem Leben.

Gott, du Schöpfer dieser Erde, du Ursprung von Saharastaub, von Tropenwald und Menschenkind, bist in jedem Augenblick davund umfängst die Geschichte unseres Lebens. Wir bitten dich um das Geschenk, dass wir selber wirklich gegenwärtig sein können, dass wir wirklich hinschauen können, dich zu spüren, dich zu achten, dich immer mehr zu lieben und von dir unsere Gegenwart zu empfangen in jedem Augenblick neu und fruchtbar durch die Zeit hindurch. Amen.

 

P. Thomas Hollweck SJ


Bild: Lucy Chian via unsplash.com

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