Glauben: Fakten, Gefühle

Predigt zum Nachlesen von P. Bernhard Heindl SJ

Symbol

Liebe Schwestern und Brüder!

Ja, ja, Glauben ist nicht Wissen. - Wer hätte den Satz noch nicht gehört als Erwiderung, als Bedauern, als das Ende eines Gesprächs. Müssig, über Glauben zu sprechen, das sieht ja eh jeder wie er meint. Paulus sagte im Hebräerbrief: Glauben ... ist, Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. (Heb 11,1)

Glauben nach Paulus, kommt er dem alten Kinderspiel nahe: Ich sehe was, was du nicht siehst, ... für mich ist es da, es ist schön, es ist hilfreich, ... aber leider kann ich es dir nicht vermitteln, ... es ist nicht im Bereich der Tatsachen und zwingenden Beweise, es ist eine ... Hoffnung, eine Zuversicht, ... mehr nicht, ... keine harten Fakten eben!

Glauben, er ist in mir, er ist da. Ich verfüge nicht immer und zu jeder Zeit über ihn und doch blitzt immer wieder, leuchtet immer wieder die Schönheit des Glaubens in mir auf, erfüllt mich, hilft mir, die Dinge meines Leben in einem anderen Licht zu sehen. Glauben an Gott, wenn er in mir aufleuchtet, erahne ich geheimnisvolle Zusammenhänge, die meinem Leben Sinn geben, die mehr zur Sinnstiftung meines Lebens beitragen, als wenn ich sie mir verbiete und verweigere.

Glauben, ich möchte ihn nicht missen und es tut mir fast etwas weh, wenn er wie ein Luxusartikel behandelt wird: Kann man haben, muss man nicht! Oder wenn er belächelt wird: Tja, wer's nötig hat. Glauben, ich tue mich auch mit Menschen schwer, die entwertend, abschätzig über den Glauben reden, weil er nur ererbt, halt Tradition ist. In dieser Ablehnung mag die Sehnsucht nach Authentizität ausgedrückt sein und zugleich höre ich eine Überheblichkeit, die auf die eigene Leistung zu viel gibt und sich anscheinend mit Geschenken schwer tut. Ja es stimmt, wer glaubt, ist kein Self-made-Mensch, Glaube fliegt weder vom Himmel, noch kann ich ihn mir alleine erarbeiten, er kommt über Menschen zu mir, die schon glauben.

Glauben, Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. Ja, aber wie ist es mit dem Fühlen? Verlasse ich mich in meinem Leben sonst auch nur auf Dinge, die ich ... sehen, beweisen kann? Kann ich für alles lebensnotwendige Beweise erbringen, fordern? Wie sieht es mit Liebe aus? Geht es bei Liebe nicht mehr um fühlen als um sehen? Wie häufig geht Liebe in die Brüche, weil Beweise gefordert werden. Du liebst mich nicht! Wenn Du mich lieben würdest ... - ja, ob ausgesprochen oder nicht: ... dann würdest du das oder jenes Tun, einen Liebesbeweis erbringen. - Nicht selten ist dieser Satz, der Liebe sehen, sichtbar machen will, einen Beweis einfordert, das Ende der Liebe.

Auf mein Glaubensleben geblickt, möchte ich von Paulus inspiriert, mein Glaubensverständnis so formulieren: Glauben heißt, über die Dinge nicht hinwegsehen, die ich zweifelsohne fühle. Glauben hat viel mit Liebe zu tun, in der Bibel heißt es gar, dass Gott die Liebe ist. Ja, Liebe will auch sichtbar werden, aber wo ihr kein Glaube geschenkt wird, der sichtbare Beweis eingefordert wird als Beglaubigung, ist die Gefahr groß, das etwas unwiderruflich zerbricht.

Neben Liebe ist einer der wichtigsten Glaubensausdrücke, die ich kenne, die ich schätze, die ich für mich ersehne die Dankbarkeit. Dankbarkeit auch ein tiefes Gefühl, dass gar nicht so leicht sichtbar zu machen ist ... und das sich verflüchtigen kann, kaputt gehen kann, wenn Erwartungshaltungen zu viel Augenfälliges einfordern. Unsere Hauptfeier, die wichtigste religiöse Feier, die wir kennen, ist eine Danksagung. Eucharistie heißt Danksagung, wir versuchen unsere Dankbarkeit auszudrücken, ihr eine Form zu geben. Wie gut, dass wir hier auf ein festes Ritual zurückgreifen, denn jedesmal neue vorzeigbare Ausdrucksformen entwickeln, finden, die authentisch unsere Dankbarkeit zeigen, das würde uns hoffnungslos überfordern!

Die tiefste Dankbarkeit, die ich empfinde, ist zugleich das größte Kompliment an meinen Schöpfer, an Gott und es heißt: Das Leben ist schön, danke!
Ich kann das nicht immer ausdrücken, zeigen, ich kann meine „Lebensdankbarkeit" nicht immer sichtbar machen, aber ich liebe das Leben, ich möchte leben, es fiele mir schwer, jetzt gehen zu müssen! Dieses oder ähnliche Zwiegespräche mit Gott: Lass mich noch etwas leben ... oder: ich würde so gern noch dieses oder jenes erleben!, ... wer kennt diese kleinen Gottesbeschwörungen nicht? Ich höre sie auch als Versuche, danke zu sagen: Danke, ich hänge ja nicht grundlos am Leben, sondern weil es schön ist! Ein Geschenk, danke!

Glauben: Über die Dinge nicht hinwegsehen, die ich zweifelsohne fühle. - Ja, ja Glauben ist halt nicht wissen. Wer glaubt, dem fehlt's an harten Fakten.
Ich würde gerne kurz sagen: Nicht schlimm! Ich weiß, wie Glauben sich anfühlt ... und es sind schöne Gefühle! Ich möchte sie nicht missen! - Amen.

 


Bild: P. Bernhard Heindl SJ

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